Na Servus!

15.05.2016 Haimo L. Handl

Als vor Kurzem der Red Bull Zampano verlautbaren ließ, dass der von seinem Imperium betriebene Fernsehsender «Servus»-TV eingestellt werde, weil unwirtschaftlich, bedauerten einige den Verlust vieler Arbeitsplätze, weil im kleinen Österreich zu wenige journalistische Jobs existierten, während ich mich fragte, was man an diesem TV-Produkt der consumer culture denn vermissen werde, außer vielleicht ein paar smarte Nischenproduktbeigaben.


Doch dann musste man, wie zu Aktivzeiten des Magna-Zampano hören, dass es gar nicht um die Wirtschaftlichkeit ging und gehe, sondern um den Betriebsrat. Wenn der «Gnä Herr a Ausnahm einfahren könntate» und nicht gezwungen wäre, den verhassten Betriebsrat, wie er gesetzlich für Firmen bestimmter Größe vorgesehen ist, installieren zu lassen, ja dann könnten die begehrten Arbeitsplätze behalten werden und die Erfolgsfirma würde, wie bisher, auch wenn der Sender eigentlich unwirtschaftlich sei, weiter produzieren und die Medienszene mit ihrem erfolgreichen, wertvollen Produkt bereichern.

Erstaunlich war, dass es keinen kritischen Aufschrei gab in der Alpenrepublik, sondern Ergebenheitsadressen und untertänige Bekräftigungen und Jubelrufe an die Adresse des Oberen Herren, des Arbeitgebers Dietrich «Didi» Mateschitz, der frech die Arbeit nimmt zu SEINEN Bedingungen. Nein, man sei ja so zufrieden, die Arbeit so gut bezahlt, man brauche keinen Betriebsrat, man wolle auch so arbeiten, man sei so glücklich. Eine peinliche, peinsame Unterwerfungsschau von unkritischen Journalisten, denen offensichtlich das private Fortkommen wichtiger ist, als Grundsätze, politische Werte und Rechte.

Am meisten überraschte mich jedoch, dass es auch nach den ersten Schrecksekunden keine kritischen Einwände gab, keine journalistisch-politischen Reflexionen, auch von gut versorgten Kolleginnen nicht, die doch sonst immer ihre gesellschaftliche Verantwortung «verlautbarten». Nein, hier war und ist ein Problem kein Problem, und DAS ist ein Problem. Da Didi aber viel spendet und hilft, wird er hofiert und umschwänzelt, wie vor Jahren der Franky Boy, dem erst in seiner politischen Realitätsverkennung eine Abfuhr erteilt wurde, trotz seiner vielen Hilfsengagements. Mit dem Red Zuchtbullen ist es noch nicht soweit.

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