Der gläserne Schlüssel - The Glass Key (1942)

09.06.2016 Walter Gasperi

Politik, Verbrechen, die Macht der Presse und das Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg. – Stuart Heisler verknüpft in seinem 1942 Verfilmung von Dashiell Hammetts Roman diese Ebenen souverän zu einem kompakten, rasanten und harten Krimi. Bei Koch Media ist dieser Klassiker des Film noir als 22. Titel in der «Film noir Collection» erschienen.


Schon 1935, vier Jahre nach seinem Erscheinen, hat Frank Tuttle Dashiell Hammetts gleichnamigen Roman mit George Raft und Edward Arnold in den Hauptrollen erstmals verfilmt. Nur sieben Jahre dauerte es bis zum Remake, das auf das Duo Alan Ladd und Veronika Lake setzte, das kurz zuvor mit Frank Tuttles «Die Narbenhand - This Gun for Hire» (1942) berühmt geworden war.

Ladd spielt den Helfer des Politikers Paul Madvig (Brian Donlevy, der kein Problem hat sich mit Hilfe eines Gangsters hoch zu arbeiten, diesen dann aber auch wieder fallen zu lassen. Rasant ist der Einstieg, in dem Meinungen der Bevölkerung einen Eindruck vermitteln, wie kontroversiell dieser skrupellose und korrupte Opportunist von der Öffentlichkeit gesehen wird.

Madvig selbst bereitet diese Stimmung keine Probleme, solange er nur die Wahlen – und sei es mittels Manipulation - gewinnt. Allerdings möchte er gerne in die High-Society aufsteigen, möchte quasi einen Schlüssel zur Oberschicht. Deshalb unterstützt er einen reichen Senator bei seiner Kandidatur für das Amt des Gouverneurs und hofft gleichzeitig dessen Tochter (Veronika Lake) zur Frau zu bekommen. Als aber der Sohn des Gouverneurs-Kandidaten ermordet wird, entwickelt sich ein Intrigenspiel.

Denn der von Madvig fallen gelassene Gangster sieht die Chance dem Politiker den Mord in die Schuhe zu schieben und bedient sich dabei der Presse, die von ihm finanziell abhängig ist. Auch Madvigs Helfer Ed Beaumont (Alan Ladd) gerät zwischen die Fronten und nicht immer ist klar, auf welcher Seite er steht.

So knapp und trocken die Erzählweise Dashiell Hammetts ist, so trocken und rasant ist die Inszenierung von Stuart Heisler. Souverän treibt er mit Ellipsen die Handlung voran, sodass allein schon die harten Schnitte und das Erzähltempo dem Film Härte verleihen. Dazu kommen knappe Dialoge und Figuren, die alle mehr dunkle als helle Seiten haben.

Auch eine für die 1940er Jahre harte Folterszene erspart Heisler dem Zuschauer nicht und zeichnet ein für den Film noir typisches finsteres Bild von Amerika. Denn geht es sonst in dieser filmischen Richtung meist um private Gier und obsessive Liebe, so rücken hier die Verquickungen von Politik, Verbrechen und die Macht der Presse ins Zentrum. Jeder benutzt hier den anderen, um seine Interessen durchzusetzen, auch die Justiz erscheint als willfähriges Werkzeug der Mächtigen.

Undurchschaubar bleibt zwar auch die von Veronika Lake gespielte blonde Janet Henry. An erotischer Verführungskraft kann sie es durchaus mit der klassischen Femme fatale des Film noir aufnehmen, bleibt aber an Skrupellosigkeit doch hinter Barbara Stanwyck in Billy Wilders «Double Indemnity» oder Jane Greer in Jacques Tourneurs «Out of the Past» zurück. Folglich gönnt Heisler ganz im Gegensatz zum Fatalismus, den diese Stilrichtung meist kennzeichnet, seinen Protagonisten auch ein Happy-End.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media als 22. Titel in der «Film noir Collection» erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Die Extras umfassen neben Bildergalerie und Trailer eine kurze Einführung zu den Film noir mit dem Duo Alan Ladd/Veronika Lake sowie zu Dashiell Hammetts «Der gläserne Schlüssel».

Trailer zu «Der gläserne Schlüssel»

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