In der Gewalt der Riesenameisen - Empire of the Ants

19.05.2016 Walter Gasperi

Radioaktiver Abfall lässt in Bert I. Gordons Tierhorrorfilm Ameisen zu riesigen Tieren wachsen und nicht nur eine Gruppe Touristen bedrohen und dezimieren, sondern schließlich auch die Herrschaft über die Menschen anstreben. Der Trashige, aber durchaus unterhaltsame Ableger von «Der weiße Hai» ist bei Koch Media als dritter Titel in der Reihe «Creature Features» auf DVD und Blu-ray erschienen.


Die 1970er Jahre waren mit einem brennenden Wolkenkratzer («Flammendes Inferno – The Towering Inferno»; John Guillermin, 1974), Erdbeben («Erdbeben - Earthquake»; Mark Robson, 1974) und Schiffskatastrophe («Die Höllenfahrt der Poseidon – The Poseidon Adventure»; Ronald Neame, 1972) nicht nur eine Blütezeit des Katastrophenfilms, sondern in der Nachfolge von Steven Spielbergs «Der weiße Hai – Jaws» (1975) auch des Tierhorrorfilms.

Joe Dante ließ mutierte «Piranhas» (1978) und Irvin Allen in «Der tödliche Schwarm – The Swarm» (1978) afrikanische Killerbienen los, in William Girdlers «Grizzly» (1976) agierte ein gewaltiger Bär als Killermaschine und in John Cardos´ «Mörderspinnen- Kingdom of the Spiders» (1977) verbreiten haarige Krabbler Schrecken.

Die Credits von «In der Gewalt der Riesenameisen» nennen «The Empire of the Ants» von H. G. Wells als Vorlage, doch ging Bert I. Gordon ziemlich frei mit der 1905 erschienenen Kurzgeschichte um. Der knappe Einstieg mit einer Naturdoku, in der über die Fähigkeiten der Ameisen informiert wird, lässt schon Schlimmes befürchten. Mit der Entsorgung von radioaktivem Müll im Meer und einem an die Küste von Florida getriebenen Fass, über das sich Ameisen hermachen, werden die folgende Mutation und der damit verbundene Horror motiviert.

Knapp gehalten ist auch die Vorstellung der Protagonisten, deren Zahl überschaubar bleibt. Denn eine skrupellose Immobilienmaklerin, die Joan Collins kaum weniger fies und zickig als ihre legendäre Alexis Colby in der TV-Serie «Denver Clan» spielt, lädt Interessenten zu einer Bootsfahrt an einen angeblich bald aufblühenden Strand zur Grundstücksbesichtigung ein. Bunt gemischt ist das Publikum um den bärtigen Kapitän vom alten Paar bis zur jüngeren Blondine. Typen werden hier präsentiert, keine differenzierten Charaktere gezeichnet.

Zwar grobschlächtig, aber doch geschickt entwickelt Gordon hier Beziehungen zwischen den Reisenden, ehe der Horror losbricht, die Truppe sukzessive von den übermannsgroßen Ameisen dezimiert wird. Mit subjektiver Kamera lässt der Horror-Spezialist den Zuschauer bald aus Ameisenperspektive auf die Gruppe blicken, bald versetzt er ihn mit unruhiger und nah geführter Handkamera mitten in die Kämpfe mit den Ameisen.

Tricktechnisch ist das freilich alles andere als auf modernstem Stand, entwickelt aber nicht zuletzt dadurch Charme. Im Gegensatz zum heutigen Blockbusterkino entwickelt Gordon auch keine bombastische Materialschlacht, sondern fokussiert auf den Menschen, folgt ihnen beim Versuch zunächst durch den Dschungel und dann auf einem Fluss zu flüchten, bis sie plötzlich in einer scheinbar heilen Kleinstadt landen.

Grob gestrickt und holprig ist das zweifellos in der Dramaturgie, aber doch spannend und kurzweilig, verwegen ist dann freilich der wohl von Don Siegels Klassiker «The Invasion oft he Body Snatchers» (1956) inspirierte finale Twist, ehe der Film so knapp – und auch offen - endet, wie er begonnen hat.

An Sprachversionen bietet das bei Koch Media als dritter Titel in der Reihe «Creature Features» auf Blu-ray und DVD erschienene trashige B-Movie die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beinhalten neben einer Bildergalerie und dem englischen sowie dem deutschen Trailer auch einen – allerdings nicht untertitelten – Audiokommentar des eher wortkargen Regisseurs Bert I. Gordon.

Trailer zu «In der Gewalt der Riesenameisen»

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