El Clan

26.04.2016 Walter Gasperi

Nach außen hin sind die Puccios eine ehrenwerte argentinische Familie, doch in Wirklichkeit finanzieren sie ihr Leben mit brutalen Entführungen. Der Vater setzt damit freilich in der Demokratie nur den Job fort, den er während der Diktatur ausübte. Pablo Traperos auf Tatsachen beruhender Film ist ein vibrierender Thriller nicht nur über Schein und Sein, sondern auch über die Nachwirkungen der Diktatur.


Mit Fernsehbildern wird die Handlung in der Realität verankert: Als heldenhaft wird der Kampf der argentinischen Soldaten im Falkland-Krieg im Frühjahr 1982 von General Galtieri beschrieben, doch nach der Niederlage ist nach sieben Jahren auch die Zeit der Militärdiktatur abgelaufen. Die Demokratie und Präsident Alfonsin werden begeistert begrüßt, doch Arquimedes Puccio (Guillermo Francella) scheinen diese Umbrüche wenig zu interessieren, denn gelangweilt schaltet er den Fernseher aus.

Ein distinguierter Herr ist dies mit seinen grauen Haaren, seinen stahlblauen Augen, seinen eleganten Anzügen und seinem gepflegten Äußeren. Vor dem Einfamilienhaus kehrt er das Laub weg, hilft einer seiner beiden Töchter immer wieder bei den Mathe-Aufgaben und immer wieder sitzt die Familie, zu der auch drei Söhne gehören, von denen einer aber im Ausland ist, beim Essen zusammen.

Zu etwas gebracht hat es auch Arquimedes´ Sohn Alex, der der Star der Rugby-Mannschaft in einem Stadtteil von Buenos Aires ist und auch der «Pumas» genannten Nationalmannschaft angehört. In seinem Club hat Alex Kontakt zu jungen Männern aus begüterten Familien, was Vater Puccio geschickt auszunützen weiß.

Denn hinter der Fassade verbirgt sich ein eiskalter Verbrecher. Mit harter Hand leitet dieser Patriarch nicht nur die Familie, sondern benützt Alex auch als Lockvogel, um einen von dessen aus reichem Hause stammenden Rugby-Kollegen zu entführen, von den Eltern Lösegeld zu erpressen und den Entführten dann dennoch von seinen Helfern – sicher ist sicher, denn vielleicht hat der Entführte doch etwas gesehen - erschießen zu lassen.

In starken Parallelmontagen, wobei es Trapero bei der Parallelisierung einer Sexszene von Alex und einer Folterung eines Entführungsopfers übertreibt, lässt der argentinische Regisseur Schein und Realität, den braven Bürger und brutalen Verbrecher aufeinanderprallen. Virtuos wird so in dramatischer Verdichtung die Gegensätzlichkeit zugespitzt, wird quasi die Banalität des Bösen in der Kontrastierung verdichtet, indem das Harmlose und das Monströse verzahnt und direkt kontrastiert wird. Gleichzeitig macht er den Zuschauer quasi zum Komplizen Puccios, da ganz aus der Sicht dieser Familie erzählt wird.

Großartig spielt Guillermo Francella diesen Familienvater, lässt immer die Härte und Rücksichtslosigkeit hinter der harmlosen Fassade durchschimmern. Er ist ein geradezu prototypischer Handlanger eines Regimes, der einst als Geheimdienstoffizier im Auftrag des Militärs Menschen entführte und folterte und dies nun im bürgerlichen Alltag fortsetzt.

Doch zunehmend spitzt sich hier ein Konflikt mit seinem Sohn Alex zu, der sich von seinem dominanten Vater, der emotionalen Druck ausübt und immer wieder erklärt, dass er das alles nur für die Familie und für Alex mache, befreien will und dessen Verbrechen ablehnt. Die Mutter, eine Lehrerin, dagegen akzeptiert alles ruhig, während die Töchter, die blass bleiben, sich in die Geschäfte des Vaters nichteinzumischen, sondern mit dem Luxus zufrieden zu sein scheinen.

Mit Zeitinserts strukturiert Trapero die Handlung, bettet sie mit Fernsehausschnitten zu den politischen Entwicklungen in die gesellschaftliche Situation ein und mischt furios harten Thriller und Familiengeschichte. Unübersehbar auf den Spuren von Martin Scorsese wandelt Trapero hier, speziell «Good Fellas» scheint als Vorbild gedient zu haben.

Nah dran ist die Kamera, zeigt die Brutalität der Aktionen, bei denen sich der Pater Familias selbst freilich kaum einmal die Hände schmutzig macht. Schonungslos und hart ist das inszeniert, gleichzeitig schaffen sanfte Pop-Songs wie «Sunday Afternoon» auch immer wieder einen scharfen und bitteren Kontrast zu den Verbrechen.

Dass Puccio am Ende auffliegen wird, nimmt Trapero schon mit der Eröffnungsszene vorweg, wenn die Polizei eine im Keller gefangen gehaltene Frau befreit: 1985, drei Jahre nach dem Sturz der Diktatur konnten Puccios Ex-Kollegen nicht mehr die schützenden Hände über ihn halten, die Ermittlungen nicht mehr blockieren.

Doch auch nach der Verhaftung plädierte der scheinbar so nette und harmlose Herr auf unschuldig - und scheint sich auch wirklich dafür zu halten -, während Alex sich endlich von seinem Vater abwendet, seiner Wut und seinem Hass auf ihn freien Lauf lässt: Der Nachspann informiert über die Haftstrafen und das weitere Schicksal der Familienmitglieder.

FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: 27.4., 18 Uhr + 28.4., 19.30 Uhr (span. O.m.U.)
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Mi 27.4. bis Sa 30.4. (span. O.m.U.)

Trailer zu «El Clan»

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