Casbah - Verbotene Gassen (Casbah)

05.05.2016 Walter Gasperi

Die Polizei jagt schon lange den Juwelendieb Pepe Le Moko, doch in der verwinkelten Casbah von Algier hat er so viele Helfer, dass eine Verhaftung unmöglich ist. Bei Koch Media ist John Berrys sich sichtlich am Flair von «Casablanca» orientierendes Remake von Julien Duviviers Klassiker als 23. Titel in der Film noir Collection auf DVD und Blu-ray erschienen.


Schon 1936 verfilmte Julien Duvivier mit Jean Gabin in der Titelrolle Henri La Barthes Roman «Pépé le Moko». In seinem Fatalismus war dieser Film, dem schon zwei Jahre später unter dem Titel «Algiers» (Regie: John Cromwell) ein amerikanisches Remake folgte, ein klassisches Werk des poetischen Realismus und diese Stilrichtung beeinflusste auch den amerikanischen Film noir stark.

Leicht wirkt dagegen nach außen hin das 1948 gedrehte amerikanische Remake nicht nur durch vier Gesangsnummern, sondern auch durch einen charmanten Edelgauner (Tony Martin) als Protagonisten. Die Härte, die Verruchtheit und das Düstere des Film noir fehlt «Casbah», doch tritt auch hier mit Fortdauer eine fatalistische Grundstimmung zu Tage, wenn immer klar wird, wie sehr die Figuren in ihrer Situation gefangen sind, wie wenig ein Ausbruch möglich ist.

Denn Pepe Le Moko ist zwar in der verwinkelten Casbah sicher, doch außerhalb droht ihm sofort die Verhaftung. Wie er so in der Altstadt gefangen ist, ist die französische Touristin Gaby (Marta Toren) auf der Yacht ihres Verlobten eingesperrt, kann zwar Reichtum genießen, aber Glück findet sie darin nicht. Ihr bisheriges Leben wirft sie deshalb aus Liebe zu Pepe hin, doch als er ihr folgen will, beschwört das unwiderruflich seinen Untergang herauf.

Nicht nur mit dem nordafrikanischen Ambiente und der Besetzung des raffinierten Inspektors Slimane mit Peter Lorre spielt John Berry unübersehbar auf den Kultfilm «Casablanca» an, sondern auch mit diversen Details. Denn wie man sich in «Casablanca» allabendlich in Ricks Café trifft, so geht man hier in Odettes Bar und fast schon ein Zitat ist das Finale am Flugplatz.

Nur besitzt leider der Hauptdarsteller Tony Martin nicht das Format und Charisma eines Humphrey Bogart. Solide spielt er zwar Pepe, doch lässt er es an Ausstrahlung vermissen und deplatziert wirken in diesem Kontext auch die Gesangsnummern. Das Problem dieser Szenen, die für sich durchaus funktionieren, liegt auch darin, dass für einen Krimi einfach zu viel gesungen wird, für ein Musical aber entschieden zu wenig und Barry dafür auch einen zu ernsten Ton anschlägt.

Solide Unterhaltung wird dennoch geboten, nicht zuletzt deshalb weil Berry Konfliktfelder wie Liebe kontra Reichtum, Loyalität und Verrat, Eifersucht einer enttäuschten Frau, aber auch eine gewisse Freundschaft zwischen dem Verbrecher und dem Inspektor, die sich beide als Profis ihres Faches schätzen, beiläufig und nie prätentiös ins Spiel bringt.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. An Extras findet sich auf der DVD/Blu-ray neben der 82-minütigen Kinofassung auch eine acht Minuten längere Fassung.

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