Star ohne Glamour: Zum 100. Geburtstag von Glenn Ford

02.05.2016 Walter Gasperi

In über 80 Filmen spielte Glenn Ford, wurde aber nie mit einem Oscar ausgezeichnet, nicht einmal für die begehrte Statuette nominiert. Nie spielte er sich in den Vordergrund, sondern bestach nicht nur in Klassikern wie «Gilda», «The Blackboard Jungle – Die Saat der Gewalt» oder «The Big Heat» gerade durch seine Zurückhaltung. Am 1. Mai wäre der am 30. August 2006 verstorbene Hollywood-Star 100 Jahre alt geworden.


Im Alter von acht Jahren kam der im kanadischen Quebec Gwyllyn Samuel Newton mit seinen Eltern nach Kalifornien. Erst später nannte er sich nach dem Ort Glenford, in dem er den Großteil seiner Kindheit verbrachte, Glenn Ford. Schon als Jugendlicher arbeitete er zwar als Stalljunge beim Western-Star Will Rogers, doch nach der High School musste er sich zunächst als Vertreter und Busfahrer durchs Leben schlagen.

Nach kleinen Theaterrollen stand er 1937 im Kurzfilm «Night in Manhattan» erstmals vor der Kamera. Schon 1940 spielte er in der in Frankreich spielenden Komödie «The Lady in Question» (Regie: Charles Vidor) an der Seite von Rita Hayworth, doch der Durchbruch gelang ihm erst – wiederum an der Seite Hayworths und wiederum unter der Regie von Charles Vidor – sechs Jahre später im Film noir «Gilda».

Vor allem in Western und Film noir trat er in den folgenden Jahren auf, schaffte aber nie den Sprung in die allererste Reihe der Hollywoodstars. Zu unauffällig war dazu wohl sein Spiel, zu sehr stellte er sich in den Dienst der Rolle, spielte kaum einmal irgendwie außergewöhnliche Männer, sondern vorwiegend durchschnittliche amerikanische Bürger oder wie er selbst sagte: «Ich kann nur mich selbst spielen, nicht, wie Laurence Olivier, in andere Charaktere eintauchen. Das Schlimmste für mich wäre, Shakespeare spielen zu müssen.»

Zu Fords berühmtesten Filmen gehören Fritz Langs Film noir «The Big Heat» (1953) und Richard Brooks «The Blackboard Jungle – Die Saat der Gewalt» (1955). Während er bei Lang einen Polizisten spielt, der nach der Ermordung seiner Frau Rache übt, verkörperte er bei Brooks einen engagierten Lehrer, der versucht seine aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammenden aggressiven Schüler zu überzeugen, dass Gewalt keine Lösung ihrer Probleme bringt.

Ford stand für Anstand, Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit und verstand es auch das Publikum für den zur Selbstjustiz greifenden Cop in «The Big Heat» zu gewinnen. Schurkenrollen übernahm oder erhielt er nur selten, doch nachdrücklich spielte er sich auch als Mörder und Postkutschenräuber in Delmer Daves´ «3:10 to Yuma» («Zähl bis drei und bete», 1957) ins Gedächtnis der Zuschauer. In diesem Western, der 50 Jahre später von James Mangold mit Russell Crowe und Christian Bale in den Hauptrollen neu verfilmt wurde, lieferte sich Ford einen fulminanten Psychokrieg mit einem von Van Heflin gespielten biederen Farmer.

Aber auch in Komödien konnte er überzeugen. Die Bandbreite reicht hier von einem Berufsspieler in George Marshalls parodistischem Western «The Sheepman» («In Colorado ist der Teufel los», 1958) über Daniel Manns im von amerikanischen Truppen besetzten Japan spielenden «The Teahouse of the August Moon» («Das kleine Teehaus», 1956) bis zu Frank Capras «Pocketful of Miracles» («Die unteren Zehntausend», 1961).

Mit dem Niedergang des alten Hollywood-Kinos in den 1960er Jahren wurden auch die großen Rollen für die klassischen Hollywood-Stars spärlicher. Kontinuierlich spielte Ford zwar in diesem Jahrzehnt im Schnitt in zwei Filmen pro Jahr, doch große Filme finden sich darunter nicht.

Spärlicher wurden seine Auftritte in den 70er Jahren, doch gelang ihm hier mit dem Ziehvater von Superman in Richard Donners zur Entstehungszeit spektakulärer Realverfilmung des Comics (1978) noch eine starke Nebenrolle.

Im Gegensatz zu seinen Filmrollen war sein Privatleben mit vier Ehen, von denen drei nur kurz währten, durchaus turbulent, doch mehr als die Scheidungen brachten ihn seine Affären mit Stars wie Judy Garland, Rita Hayworth und Joan Crawford in die Klatschpresse.

Seinen letzten Film drehte er 1991 mit David Priors Thriller «Raw Nerve», zog sich danach nach mehreren Schlaganfällen aus der Öffentlichkeit zurück und starb vier Monate nach seinem 90. Geburtstag am 30. August 2006 in Beverly Hills.

Trailer zu «The Big Heat»

  • Glenn Ford (1.5. 1916. - 30.8. 2006)
  • Gilda (Charles Vidor, 1946)
  • The Big Heat (Fritz Lang, 1953)
  • The Blackboard Jungle - Die Saat der Gewalt (Richard Brooks, 1955)
  • 3:10 to Yuma - Zähl bis drei und bete (Delmer Daves, 1957)
  • The Sheepman - In Colorado ist der Teufel los (George Marshall, 1958)
  • Superman (Richard Donner, 1978)

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