Rache für Jesse James - The Return of Frank James

14.04.2016 Walter Gasperi

1940 drehte Fritz Lang eine Fortsetzung von Henry Kings »Jesse James - Mann ohne Gesetz« – und machte daraus trotz klassischer Westernelemente in erster Linie einen Film, in dem er zahlreiche wiederkehrende Motive seines umfangreichen eigenen Werks variierte. Bei Koch Media ist „Rache für Jesse James“ auf Blu-ray erschienen.


Langs Film knüpft direkt an Henry Kings «Jesse James - Mann ohne Gesetz» an: Mit dem Mord an Jesse James durch die Ford-Brüder, mit dem Kings klassischer Western endet, setzt Langs Fortsetzung ein – und schon stellt sich mit dem Schuss in den Rücken des Outlaws die Parallele zur Ermordung Siegfrieds in den Nibelungen ein, die Fritz Lang 1924 verfilmt hat.

Glaubt Jesses Bruder Frank James (Henry Fonda), der inzwischen unter falscher Identität als Farmer lebt, zunächst, dass die Mörder bestraft werden, so holt er selbst seinen Colt hervor, als er erfährt, dass die Ford-Brüder vom Gouverneur begnadigt wurden. Mit der Frage nach Recht, Gerechtigkeit und Selbstjustiz kommt hier ein weiteres Motiv ins Spiel, das sich durch Langs Werk zieht.

Denn schon in «M – Eine Stadt sucht einen Mörder» organisierten die Kriminellen selbst die Jagd auf einen Triebtäter, dessen die Polizei nicht habhaft werden konnte, und 13 Jahre nach diesem Western holte Glenn Ford als Polizist in «The Big Heat» nach der Ermordung seiner Frau zu einem privaten Rachefeldzug aus.

Wie in vielen Filmen Langs sieht sich auch hier das Individuum einer übermächtigen Organisation – hier der Eisenbahngesellschaft – gegenüber, die mit ihrem Geld und ihren Helfershelfern das Recht biegt. Eine zentrale Rolle spielt aber auch die Presse, mit der man das Volk lenken und manipulieren kann, im konkreten Falle Frank James mit Falschnachrichten über seinen Tod die Mörder seines Bruders aus ihrem Versteck locken kann.

Wie wenig sich Lang dagegen für eine Verfolgungsjagd zu Pferd interessiert, sieht man an den hanebüchenen Rückprojektionen und den schnell und lieblos heruntergespulten Reitszenen. Viel Zeit nimmt er sich dagegen für einen Gerichtsprozess, in dem der Verteidiger geschickt den Fokus von der Tat auf die beim Volk – speziell bei den Südstaatlern - verhasste Eisenbahngesellschaft der Nordstaatler verschiebt.

Durchaus Zweifel am Prozesssystem mit Geschworenen will und kann Lang hier schüren, wenn er zeigt, wie die vom Anwalt manipulierten Geschworenen wohl mehr aus politischen als aus rationalen Gründen Frank James letztlich freisprechen. Ganz bei sich und seinen Themen ist Lang damit, hat er doch schon in den 1920er Jahren in seinem Gangsterfilm und Zeitporträt «Dr. Mabuse» einen dämonischen Manipulator und Verführer der Massen ins Zentrum gestellt.

Keiner der großen Filme im umfangreichen Werk des deutschen Meisterregisseurs mag dies sein, aber dennoch ist dies zweifelsohne eine in vielen Punkten interessante Arbeit, die wieder zu entdecken sich lohnt.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Blu-ray die englische Originalfassung und englische Untertitel sowie zwei deutsche Synchronfassungen. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie.

Eröffnungsszene von «Rache für Jesse James»

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