Hoffmanns Erzählungen - The Tales of Hoffmann

07.04.2016 Walter Gasperi

Michael Powells und Emeric Pressburgers Verfilmung von Jacques Offenbachs Oper ist ein hochartifizieller Rausch in Farben und Ausstattung. Bei Studiocanal ist dieser 1951 entstandene Technicolor-Film in einer hervorragend restaurierten Fassung, die seine visuellen Qualitäten voll zur Geltung bringt und bei der auch vermeintlich verlorene Teile ergänzt wurden, auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mit «The Red Shoes» drehten Michael Powell und Emeric Pressburger 1948 den wohl berühmtesten Ballettfilm der Filmgeschichte. Drei Jahre später wollten sie mit der Verfilmung von Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen» sichtlich daran anknüpfen, besetzten sie doch nicht nur eine der weiblichen Hauptrolle mit dem «Red Shoes»-Star Moira Shearer, sondern machten sid doch auch aus der Opernsängerin der Vorlage eine Balletttänzerin.

Mit einer visuell grandiosen Ballettszene, die wie ein Stummfilm ganz ohne gesprochenes Wort abläuft, beginnt diese Opernverfilmung. Mit verliebten Augen folgt der Dichter Hoffmann (Robert Rounseville) der Aufführung und auch die Tänzerin (Moira Shearer) liebt ihn, doch Hoffmanns Gegenspieler (Robert Helpman) lässt sie nicht zueinander finden.

So zieht sich Hoffmann in eine Weinschenke zurück, wo er mit Kumpanen zunächst die Macht des Weins besingt und dann in drei Geschichten von Liebesbeziehungen erzählt, bei denen er sich am Ende immer um die Liebe betrogen sieht und niedergeschlagen von dannen zieht.

Ganz in Gelb getaucht ist die erste Episode, die in Paris spielt und um die Liebe zur Puppe Olympia (Moira Shearer) kreist. Vermischen sich hier Puppenszenen und reale Welt und kommt das Ballett dabei nicht zu kurz, so führt die zweite in Grün und ins Rot der Leidenschaft getauchte Episode in ein völlig künstliches Venedig, in dem sich Hoffmann in die Kurtisane Giulietta verliebt.

Das Blau der griechischen Inselwelt, aber auch der Kälte und Isolation bestimmt schließlich die dritte Geschichte, in der Hoffmann eine an Tuberkulose leidende junge Opernsängerin nicht retten kann. Operngesang statt Ballett bestimmt diesen Abschnitt, ehe der Film den Kreis zum Anfang schließt, in die Weinschenke zurückkehrt, wo der betrunkene Hoffmann nun Emma abweist.

Problematisch sind Opernverfilmungen immer, scheint doch das Künstliche der Oper im Widerspruch zum Realismus eines Films zu stehen. Powell/Pressburger forcieren aber in ihrer Inszenierung gerade die Künstlichkeit, lassen jeden Realismus weit hinter sich und führen den Zuschauer in eine Traumwelt.

Grandios ist die Ausstattung von Hein Heckroth, der in diesem Technicolor-Film einen Rausch an Farben entfaltet, meisterhaft die Kameraarbeit von Christopher Challis, der in langen Einstellungen und fließenden Bewegungen Moira Shearer bei ihren Ballettszenen und den Sängern viel Raum lässt.

Kongenial ergänzen sich bei diesem meisterhaft durchkomponierten Film Bild und Musik, aber das Artifizielle verhindert auch die emotionale Involvierung des Zuschauers. – Man bewundert jedes Detail, bleibt aber unberührt, sodass sich bei aller Brillanz doch Längen einstellen.

An Sprachversionen bietet die unter der Leitung von Martin Scorseses Cutterin Thelma Schoonmaker brillant restaurierte Fassung, in der auch ein bislang unbekannter Epilog, in dem Schauspieler und Sänger vorgestellt werden, ergänzt wurde, die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel und englische Untertitel für Hörgeschädigte.

An Extras bietet die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray neben dem deutschen Trailer eine Einführung von Martin Scorsese in diesen von ihm sehr bewunderten Film, sowie ein Interview mit Thelma Schoonmaker, in dem sie die Qualität und den Detailreichtum von «Hoffmanns Erzählungen» anhand einzelner Szenen eindrücklich aufzeigt.

Trailer zu «Hoffmanns Erzählungen»

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