Der Brief an den Kreml - The Kremlin Letter

14.07.2016 Walter Gasperi

1970 schleust die USA in die Sowjetunion ein Team von Spionen, das einen Brief beschaffen soll, der einen Krieg gegen China auslösen könnte. Bei Winkler Film ist John Hustons mit Stars wie Orson Welles und Max von Sydow in Nebenrollen besetzter Spionagefilm aus der Zeit des Kalten Kriegs auf DVD und Blu-ray erschienen.


Die Handlung dieser 1970 gedrehten Verfilmung eines Romans von Noel Behn ist einerseits rasch erzählt, andererseits typisch für die Spionagefilme aus der Zeit des Kalten Kriegs reichlich kompliziert. Im Mittelpunkt steht der ehemalige US-Offizier Rone (Patrick O´Neale), der einen Job beim amerikanischen Geheimdienst übernimmt. Für diesen muss er zunächst ein Team von Experten zusammenstellen, das dann in die Sowjetunion eingeschleust wird, um einen verschwundenen «Brief an den Kreml» zu beschaffen und zu vernichten.

Typisch für John Huston werden die Spione nicht heroisiert, sondern scheinen – wie der Detektiv Sam Spade in Hustons fulminantem Debüt «The Maltese Falcon» - in einen Netzwerk von Intrigen hoffnungslos verloren. Auch agieren hier die westlichen Agenten nicht weniger skrupellos als ihre sowjetischen Kollegen. Kalt und vernichtend ist Hustons Blick auf diese Welt, routiniert inszeniert er die reichlich verworrene Handlung.

Doch in dieser routinierten Inszenierung lässt er auch jede Leidenschaft vermissen, spult wie die Spione professionell sein Programm herunter. Gleiches gilt auch für die Schauspieler, die zwar nicht schlecht spielen, aber ihren Figuren auch kein Profil mit Ecken und Kanten verleihen können. Das gilt auch für Stars wie Max von Sydow oder dem zwar immer noch beeindruckenden, gegenüber seinen ansonsten dominanten Darstellungen aber doch zurückhaltenderen Orson Welles in Nebenrollen.

Die wendungsreiche Handlung sorgt zwar dafür, dass man bis zum Ende dem Film interessiert folgt, doch wirkliche Hochspannung kommt hier kaum auf. Das liegt eben einerseits an der zu flachen und schonungslosen Figurenzeichnung, die keinen der Protagonisten zum echten Sympathieträger werden lässt, zum anderen an der fehlenden Verdichtung einzelner Szenen.

Statt einzelne Momente packend auszuformulieren, verliert «Der Brief an den Kreml» nämlich gerade durch die Fülle an Personen und Schachzügen nicht nur sein Zentrum, sondern auch an Dichte und plätschert nur leidlich spannend dahin. Da muss es dann auch auf der einen Seite eine Liebesgeschichte und auf der anderen Grabenkämpfe in den Reihen der Sowjets geben. Und ein Bordell in Moskau muss ebenso ins Spiel gebracht werden wie Drogenhandel und Schwarzmarkt, wohl um dem westlichen Zuschauer hinter der Spionageschichte auch eine alles andere als saubere sowjetische Gesellschaft zu präsentieren.

Grimmig und Huston pur ist schließlich das Ende, das über den Abspann hinaus nachwirkt. Denn auch wenn hier für die Amerikaner die Sache selbstverständlich gut endet, wird Rone mit einem Auftrag nach Hause geschickt, mit dem wie im Brennspiegel die ganze Brutalität dieser Agentenwelt zusammengefasst wird.

An Sprachversionen bietet die bei Winkler Film erschienene DVD und Blu-ray die englische Original und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in Deutsch und Englisch. Die Extras beschränken sich auf den englischen Trailer zum Film.

Trailer zu «Der Brief an den Kreml - The Kremlin Letter»

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