Charmant, elegant und vielfältig: Zum 100. Geburtstag von Gregory Peck

04.04.2016 Walter Gasperi

Auf eine Rolle wollte sich Gregory Peck nie festlegen lassen. Er spielte Seemänner ebenso wie Westerner, den Journalisten in William Wylers «Roman Holiday» und natürlich den Anwalt Atticus Finch in «To Kill a Mockingbird», der ihm 1963 der Oscar einbrachte. Am 5. April wäre der 2003 verstorbene Hollywood-Star 100 Jahre alt geworden.


Mangelware waren Schauspieler in Hollywood während des Zweiten Weltkriegs, standen doch viele an den Fronten. Entscheidend beflügelt wurde dadurch Gregory Pecks Karriere, der aufgrund einer Rückenverletzung nicht eingezogen wurde. Nach Auftritten im Theater der University of California, Berkeley, wo er Anglistik studierte, Ende der 1930er Jahre und seinem Broadwaydebüt 1942 wechselte er nach Hollywood. Aussuchen konnte er sich hier seine Rollen und stand gleichzeitig bei vier Studios unter Vertrag.

Nach seinem Debüt in Jacques Tourneurs «Days of Glory» (1944) schaffte er mit Alfred Hitchcocks «Spellbound» («Ich kämpfe um dich», 1945) und King Vidors Western «Duel in the Sun» (1946) der Durchbruch. Keine reinen Helden sind das, sondern auf der einen Seite rebellisch und impulsiv der Sohn eines Ranchers bei Vidor, auf der anderen zerrissen der an Amnesie leidende Protagonist bei Hitchcock – und doch strahlen diese Figuren aufgrund der stattlichen Größe Pecks von 1,90 Meter und seiner Schönheit Eleganz aus, wirken anziehend.

Typisch sind diese Rollen für Peck, denn auch in der Folge werden auch im Grunde negative Figuren durch seine Darstellung geadelt, werden zu Sympathieträgern. Das gilt vor allem für Henry Kings «The Gunfighter» (1950), in dem Pecks Darstellung eines Revolverhelden so gar nichts Heroisches und Glanzvolles an sich hat, er gleichwohl nicht als negative Figur, sondern vielmehr als durch die Umstände in eine Rolle gedrängt erscheint, aus der er nur noch tot entkommen kann.

Und spielt er in William A. Wellman´s «Yellow Sky» («Herrin der toten Stadt», 1949) am Beginn auch einen Gangster, so erlebt dieser in einer Wüstenstadt unter dem Einfluss einer Frau doch eine Wandlung, die ihn sich schließlich gegen seine eigenen Bandenmitglieder stellen lässt.

Scheitern musste dieser Schauspieler, der über Jahre als der schönste Mann der Welt galt, zwangsläufig an einer wirklich düsteren Rolle wie dem Captain Ahab in John Hustons Verfilmung von Herman Melvilles «Moby Dick» (1956). Nicht abnehmen will man Peck einfach die Verbissen- und Verbohrtheit, mit der dieser einbeinige Kapitän den weißen Wal jagt. Ungleich strahlender und überzeugender war er da schon als Admiral in Raoul Walshs prächtigem «Captain Horatio Hornblower» («Des Königs Admiral», 1951).

Auf eine Rolle – wie John Wayne oder Cary Grant - ließ sich Peck nie festlegen, spielte in Kriegsfilmen wie «The Guns of Navarone» (J. Lee Thompson, 1960) ebenso wie in einem Monumentalfilm «David and Bathsheba» (Henry King, 1951) und drehte dabei mit zahlreichen großen Hollywoodregisseuren von Hitchcock über Henry King und Raoul Walsh bis zu William Wyler und John Huston.

Begeistern konnte er auch in der romantischen Komödie «Roman Holiday» («Ein Herz und eine Krone», 1953), in der er als Journalist eine von der blutjungen Audrey Hepburn gespielte Prinzessin in Rom aus ihrem Goldenen Käfig holt und mit ihr die Stadt erkundete. Doch selten versuchte er sich in diesem Genre, wohl weil er nicht in Konkurrenz mit Cary Grant treten wollte, von dem er die Rolle in «Roman Holiday» quasi geerbt hatte, nachdem das ursprüngliche Projekt mit Frank Capra als Regisseur aufgrund des McCarthysmus geplatzt war.

Seine prototypische Rolle fand Peck aber im Anwalt Atticus Finch in Robert Mulligans «To Kill a Mockingbird» («Wer die Nachtigall stört», 1962). Sichtlich identifizierten konnte sich der Schauspieler mit dieser Figur, die mit der Verteidigung eines jungen Schwarzen, der einer Vergewaltigung angeklagt ist, Leben und Ruf riskiert.

Denn Peck engagierte sich auch selbst politisch, setzte sich an der Seite von Martin Luther King für die Rechte der Schwarzen ein, kritisierte den Vietnamkrieg und engagierte sich 1980 für die wirtschaftlich schwer angeschlagene Chrysler Corporation, um den Verlust tausender Arbeitsplätze zu verhindern. Das Angebot 1970 als demokratischer Gegenkandidat zu Ronald Reagan für die Wahl des Gouverneurs von Kalifornien zu kandidieren lehnte er aber ab.

Spärlicher wurden seine Filmrollen ab den 1970er Jahren, doch holte er sich auch hier noch zwei Golden Globe-Nominierungen für seine Darstellungen des umstrittenen US-Generals Douglas MacArthur in Joseph Sargents «MacArthur» (1977) und seine Verkörperung des KZ-Arztes Josef Mengele in Franklin J. Schaffners «The Boys from Brazil» (1978), auch wenn man diesem Strahlemann - wie schon den Kapitän Ahab - den dämonischen Kriegsverbrecher nicht abnehmen wollte.

Seine letzte Filmrolle hatte Peck, der am 12. Juni 2003 im Alter von 87 Jahren in Los Angeles starb, schließlich 1998 in Frank Roddams Neuverfilmung von «Moby Dick». Während nun Patrick Stewart die Rolle des Kapitän Ahab übernahm, spielte er Pfarrer Mapple. Doch nicht nur hier, sondern schon acht Jahre zuvor in Martin Scorseses «Cape Fear – Kap der Angst» (1991) war sein Auftritt eine Referenz auf einen seiner früheren Filme, hatte er doch 1961 in J. Lee Thompsons «Cape Fear – Ein Köder für die Bestie» die Hauptrolle eines Anwalts gespielt.

Ausschnitt aus «To Kill a Mockingbird»

  • Gregory Peck (1916-2003)
  • Spellbound (Alfred Hitchcock, 1945)
  • The Gunfighter (Henry King, 1950)
  • Roman Holiday (William Wyler, 1953)
  • Moby Dick (John Huston, 1956)
  • To Kill a Mockingbird (Robert Mulligan, 1962)
  • The Boys from Brazil (Franklin J. Schaffner, 1978)

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