Coltman – sein Colt, seine Waffe: die Musik

10.02.2016 Rosemarie Schmitt

Kennen Sie die Musik von Nathaniel Adams Coles? Vielleicht, wenn ich Ihnen den Namen nenne, den er als Künstler hatte. Also, kennen Sie die Musik von Nat King Cole? Sie glauben? Ich nicht. Jedenfalls nicht so!


Bis vor nicht allzu langer Zeit, genau gesagt bis zum 15. Januar 2016, vermochte mich die Musik von King Cole nicht wirklich zu begeistern. Nun beschimpfen Sie mich doch nicht gleich. Musik ist ein Gefühl, ein Spiegel, ein Soundtrack des Lebens, etwas sehr Persönliches eben.

Dann, am 15. Januar, hörte ich Coles Songs interpretiert von dem in Paris lebenden Briten Hugh Coltman, und ich sage Ihnen: diese Musik passt sowas von gut in mein Leben, schmiegt sich perfekt hinein in mein Sein (in mein Fühlen auch, reimt sich aber nicht).

What a Nature Boy!: www.hughcoltman.com/photo-videos/2015/11/19/hugh-coltman-session-acoustique-nature-boy

Vielleicht touchieren mich Coltmans Interpretationen, weil er nicht einfach nur die Songs coverte, sondern sich mit der Biografie von Nat King Cole ebenso intensiv beschäftigte, wie mit dessen Musik. Coltman fragte sich, lässt seine Plattenfirma wissen, wie der Alltag eines schwarzen Musikers im Amerika der 1940er Jahre ausgesehen haben mochte, in der Hochphase der Rassentrennung, als die meisten Musiker die Konzertsäle durch den Dienstboteneingang betraten. Ein Alltag, der etwas anders gewesen sein dürfte, als viele heute glauben. Nat King Cole war der erste afro-amerikanische Musiker, der im Fenrsehen auftrat, stets lächelte (die Presseabteilung schreibt, er habe stets ein Lächeln im Gesicht gehabt. Ich schreibe das nicht, denn ich wüsste nicht, wo er es sonst gehabt haben könnte.)

Während seiner Recherche kam Coltman in den Sinn, dass sich einige Songs von Cole auch ganz anders «lesen» lassen. Er hörte in dem Cole-Klassiker «Smile» viel eher einen Ausdruck von Verzweiflung und Resignation, als von Hoffnung. Die ersten Zeilen von «Pretend» empfand Coltman als ein Geständnis: «Tu so, als wärest du fröhlich, auch wenn du traurig bist. (...) Es ist nicht so schwer.»

Diese Schatten, die in und über Coles Musik liegen, wollte Hugh Coltman mit seinem Album «Shadows – Songs of Nat King Cole» (Okeh / Sony Music) deutlich machen.

Das sind keine Songs von Nat King Cole, doch schauen und hören Sie sich mal an (was Coltman kann): www.hughcoltman.com/photo-videos/2014/12/14/at-last-ric-legnini-hugh-coltman-victoires-du-jazz-2013

Hinreissend melancholisch, romantisch, reif, mit einer Blues-Stimme zum niederknien (wahlweise ist auch liegen oder tanzen möglich), transportiert er die (mit Verlaub) etwas angestaubten Songs von Nat King Cole in das Hier und Heute. Coltman – sein Colt, seine Waffe, ist die Musik, und damit trifft er mitten ins Herz, ganz ohne Waffenschein. Selbstverständlich im metaphorischen Sinne, denn ich habe mein Herz noch, und es ist völlig «Okeh».

Also dann,
herzlich,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • Hugh Coltman; (c) Foto by Marc Obin
  • Shadows sessions; (c) Marc Obin

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