Lilting

10.03.2016 Walter Gasperi

Hong Khaou erzählt in seinem Langfilmdebüt von zwei Menschen, die der Schmerz über den Unfalltod des Sohnes bzw. Liebhabers trotz sprachlicher und kultureller Barrieren zusammenführt. Der kleine, aber äußerst feinfühlige und großartig gespielte Film ist in der Edition Salzgeber auf DVD erschienen.


Seit beinahe 30 Jahren lebt die kambodschanische Chinesin Junn (Cheng Pei-Pei) in England, doch nie hat sie sich in die britische Gesellschaft integriert und Englisch gelernt. Völlig angewiesen war sie auf ihren Sohn Kai, der sie aber vor ein paar Monaten in ein Seniorenheim gebracht hat, weil in der Wohnung seines Freundes Richard (Ben Wishaw) nicht auch noch Platz für die Mutter ist.

Dass er schwul und Richard seit vier Jahren sein Liebhaber ist, wagte Kai der Mutter, die eifersüchtig auf diesen «Freund» reagiert, nie zu sagen. Als er endlich den Mut dazu aufbrachte, kam er bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Erst nach dem Tod Kais setzt Hong Khaous Langfilmdebüt ein, doch immer wieder ist der Tote durch die Erinnerungen oder Wunschdenken von Mutter und Liebhaber in Szenen präsent. Um Kai in gewissem Sinne über seinen Tod hinaus nahe zu sein, nimmt Richard aber auch Kontakt zu Junn auf.

Zusätzlich zu vereinsamen droht diese in ihrem Zimmer im Seniorenheim, auch wenn sie in Alan einen Freund findet. Schwierig gestaltet sich freilich die Verständigung, auch wenn Richard die junge Vann als Übersetzerin engagiert, um mit Junn kommunizieren zu können.

Behutsam und nicht ohne leisen Humor erzählt Khaou von dieser langsamen Öffnung und Annäherung. Alter und Kultur mögen Richard und Junn doch die gemeinsame Beziehung zum Verstorbenen verbindet sie, bis er schließlich die Wahrheit über seine Beziehung zu Kai preisgibt und sie ihre Eifersucht eingesteht. Spürbar wird dann, wie sie im Reden über ihren Schmerz und ihre Trauer diese gemeinsam auch leichter tragen können.

Trotz Trauer und Verlust wird diese kleine Filmperle dabei nie niederschmetternd, sondern wird von sanfter Melancholie durchzogen. Emotionen werden hier nicht aufgebauscht, sondern bewegend wird diese kleine Geschichte gerade durch die Zurückhaltung der Inszenierung und die Konzentration auf wenige Personen und Schauplätze.

Getragen wird «Lilting» dabei von zwei großartigen Hauptdarstellern. Eindrücklich vermittelt Ben Wishaw Richards tiefe Trauer und Sehnsucht nach dem Verstorbenen, während die ehemalige Martial-Arts-Heldin Cheng Pei-Pei («Tiger & Dragon») hinter der stets gefassten Fassade doch immer Trauer über den Verlust spüren lässt. Weiter in die Einsamkeit treibt sie der Tod Kais, droht sie vollends von der Welt auszuschließen.

An Sprachversionen bietet die in der Edition Salzgeber erschienene DVD erfreulicherweise die mandarin-englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Die Extras umfassen neben dem Kinotrailer, Interviews mit dem Cast und nicht verwendete Szenen, vor allem aber einen – englischen – Audiokommentar von Regisseur Hong Khaou und Cutter Mark Towns sowie ein Booklet mit einem Text zum Film von Patrick Heidmann.

Trailer zu «Lilting»

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