Suffragette - Taten statt Worte

09.02.2016 Walter Gasperi

Als auch engagierte Reden die britische Politik am Vorabend des Ersten Weltkriegs nicht dazu bewegen, den Frauen das Wahlrecht zuzugestehen, versuchen die Kämpferinnen für Frauenrechte mit Sabotageakten ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. – Sarah Gavron erzählt zwar sehr konventionell und arbeitet mit den klassischen Strategien des Mainstreamkinos, erinnert aber dank starker Darsteller und kompakter Erzählweise doch eindrücklich an diesen langen Kampf fürs Frauenwahlrecht.


Geschickt mischen Sarah Gavron und Drehbuchautorin Abi Morgan Fakten und Fiktion, wenn sie einerseits die fiktive Wäschereiarbeiterin Maud Watts (Carey Mulligan) aus dem Londoner East End zur Protagonistin machen, andererseits die historische Frauenrechtsaktivistin Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) in einer kurzen, aber mitreißenden Rede ebenso auftreten lassen wie die sich für den Kampf ums Wahlrecht schließlich opfernde Emily Davison (Natalie Press).

Denn die Wahl einer fiktiven Protagonistin gibt der Regisseurin die Möglichkeit knapp und prägnant von der Politisierung einer Arbeiterin und deren – auch privaten – Folgen zu erzählen, während gleichzeitig die historischen Fakten dem Film Glaubwürdigkeit und Nachdruck verleihen.

Realistisch betrachtet ist nämlich kaum glaubwürdig, dass eine brave Arbeiterin so schnell ein politisches Bewusstsein entwickelt, dafür auch bald ins Gefängnis geht und Familie und Beruf aufs Spiel setzt. Im Film aber funktioniert das durchaus, auch wenn - oder gerade weil? - Gavron/Morgan sich dabei ganz auf klassische Strategien verlassen.

Auf Augenhöhe mit Maud (Carey Mulligan) ist der Zuschauer, lernt nicht nur die harten Arbeitsbedingungen in der Wäscherei, in der der Chef die Frauen nicht nur schikaniert, sondern auch sexuell belästigt und missbraucht, kennen, sondern wird mit ihr auch mit einer ersten Revolte der Frauen konfrontiert.

Nur als Begleiterin geht sie zu einer Anhörung ins Parlament, muss dann aber doch anstelle einer Mitstreiterin Ministerpräsident Lloyd George Rede und Antwort stehen. Bewegt macht er das Zugeständnis das Frauenwahlrecht durchzusetzen, doch als er sein Versprechen nicht hält, nehmen Zorn und Engagement Mauds für die Suffragetten - das Wort bezeichnet vom englischen «suffrage» (Wahlrecht) die Kämpferinnen fürs Frauenwahlrecht - zu.

Gleichzeitig kann Gavron über diese Politisierung am Verhalten von Mauds Mann Sonny (Ben Wishaw) auch die patriarchalen Strukturen im privaten Bereich aufzeigen, während im öffentlichen Bereich der Antagonismus durch die Konfrontation mit Polizeiinspektor Steed (Brendan Gleeson) personifiziert wird.

Wie hier der Polizeiapparat gegen die Suffragetten einschreitet, sie überwacht und mit Spitzel zu unterwandern versucht, kann durchaus Assoziationen zum heutigen Kampf gegen Terroristen auslösen, freilich mit dem umgekehrten Vorzeichen, dass das Aufbegehren der Frauen heute unbestritten als gerechtfertigt angesehen wird.

Simplifizierend ist diese Schilderung der vielfältigen Unterdrückung der Frau ebenso wie die starke Personalisierung der Konflikte und des Kampfes, doch gerade dadurch gewinnt das solide Geschichtsdrama, in dem die Dominanz von Grau- und Blautönen überzeugend die Atmosphäre einer bleiern-schweren Zeit evozieren, an Durchschlagskraft.

Stärkste Waffe des Films ist freilich ein Ensemble von Schauspielerinnen, die mit sichtlicher Leidenschaft spielen. Da mag der Auftritt von Meryl Streep noch so kurz sein, man spürt in ihrer flammenden Rede, dass sie voll hinter der Sache steht. Wunderbar zurückhaltend spielt Helena Bonham Carter die Apothekerin Edith und macht spürbar, wie ihre Berufsträume an den Beschränkungen für Frauen gescheitert sind.

Doch den Film tragen muss und kann Carey Mulligan, die eindrücklich die Wandlung Mauds verkörpert. Sie lässt spüren, wie die Hoffnung wenigstens der folgenden Generation von Mädchen und Frauen bessere Lebenschancen zu sichern, sie alles aufs Spiel setzen lässt, während Brendan Gleeson als Polizeiinspektor brilliert, der zunehmend an den harten Maßnahmen zu zweifeln beginnt, da sie den Widerstand nur weiter anfachen.

Geschickt führt Gavron im Finale die fiktiven Bilder in schwarzweißes Archivmaterial über, mit dem sie das Gesehene nochmals beglaubigen will und macht im Nachspann mit Auflistung der Jahre der Einführung des Frauenwahlrechts in einzelnen Ländern deutlich, wie lange dieser Kampf, der auch ein Kampf um Würde und Selbstbestimmung ist, dauerte und dass er immer noch nicht zu Ende ist.

Läuft derzeit im Kino Rio in Feldkirch (O.m.U. + Deutsche Fassung)
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 17.2., 20 Uhr + Fr 19.2., 22 Uhr (engl. O.m.U.)

Trailer zu «Suffragette - Taten statt Worte»

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