God Loves the Fighter

31.03.2016 Walter Gasperi

Mit seinem Debüt gelang Damian Marcano ein karibisches Pendant zu Fernando Meirelles «City of God»: Ein roher, fiebriger Trip durch die Gewalt und die Prostitution im Armenviertel von Port of Spain, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago. Bei Mad Dimenson ist «God Loves the Fighter» auf DVD und Blu-ray erschienen.


Kein gutes Zeichen ist es, wenn in der ersten Szene ein Schreiner Särge zimmert. Am Ende wird Damian Marcano zu dieser Szene zurückkehren und nochmals werden Särge für drei Männer gezimmert werden. Einzelfälle sind das im Armenviertel der Hauptstadt von Trinidad und Tobago freilich nicht, denn alle 17 Stunden wird hier ein Mensch ermordet, wie auch eine Mischung aus Gewaltszenen und Zeitungsschlagzeilen während des Vorspanns deutlich machen.

Als Erzähler führt der Landstreicher King Curtis, während er durch die Straßen zieht, teils mit gereimten Texten durch die Handlung und greift moralisierend nicht nur die Politik, sondern auch die Kirche an. Er macht nicht nur auf die gesellschaftliche Kluft zwischen dem vornehmen Teil von Port of Spain, in dem die Bonzen leben, und dem Slum Laventille, in dem Gewalt, Drogenhandel und Prostitution den Alltag bestimmen, aufmerksam, sondern stellt auch die Protagonisten vor, greift immer wieder ins Geschehen ein und hält die Erzählstränge zusammen.

Denn auch in diesem Viertel des Verbrechens gibt es selbstverständlich Mächtige auf der einen und Ausgebeutete auf der anderen Seite. Zu letzteren gehört die Prostituierte Dinah, die für den chinesischstämmigen Gangster Putao arbeiten muss, aber aus dieser Welt ausbrechen will. Erlösung sucht sie zunächst in der Kirche, nimmt dann aber die Dinge selbst in die Hand, als ein kleines Mädchen einem Kunden angeboten werden soll. Doch nur der Titel behauptet, dass Gott die Kämpfer liebt, im Film bewahrheitet sich das höchstens teilweise.

Wie Dinah träumt auch der junge Charlie von einem besseren Leben, doch er gleitet zunehmend in die Kriminalität und in die Gangsterwelt ab, aus der es kaum mehr ein Entkommen gibt. Wie man schon im Kindesalter langsam in dieses Milieu kommt, zeigt sich wiederum am kleinen «Chicken» und seinem Freund, die mal mit einer Pistole rumspielen, mal sich in einem Supermarkt einsperren lassen, um Lebensmittel zu klauen.

Alles andere als rund und glatt ist Damian Marcanos Langfilmdebüt, will es auch gar nicht sein, sondern entwickelt aus seiner Rohheit und Natürlichkeit die Kraft. Nicht sorgfältig ausgeleuchtet sind hier die Bilder, sondern immer wieder grell in Farben und Lichtsetzung. Gerade dadurch gewinnen sie freilich fiebrige Intensität, erzeugen eine dichte Atmosphäre.

Wie Fernando Meirelles in «City of God» versteht es Marcano großartig mit schnellen Schnitten, überraschenden Perspektiven und schmutzig-realistischen Schauplätzen die Stimmung dieses Milieus zu evozieren und einen authentischen Eindruck vom Leben in diesem Viertel zu vermitteln.

Nebensache ist dabei eher die Handlung, hat vor allem Trägerfunktion für die Milieustudie und auch mehr Zurückhaltung beim Einsatz von King Curtis als Erzähler hätte nicht geschadet. Doch diese Schwächen wiegen gering angesichts der Kraft, die dieser düster-faszinierende Film in seiner Rohheit entwickelt. Merken sollte man sich den Namen des Regisseurs und zu hoffen bleibt, dass sein Stil bei kommenden Filmen und durch potentiell größere Budgets nicht geglättet wird.

An Sprachversionen bietet die bei Mad Dimension erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber bedauerlicherweise keine Untertitel. Denn gerade bei einem so stark in einem Unterschichtmilieu verankerten Film wäre die Sichtung in Originalsprache, die die Atmosphäre nochmals entscheidend verstärkt, einer sprachlich vieles glättenden Synchronfassung unbedingt vorzuziehen. An Extras bietet die DVD nur eine Trailershow zu weiteren Titeln des Labels.

Trailer zu «God Loves the Fighter»

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