Ich sehe schwarz!

03.02.2016 Rosemarie Schmitt

Als ich mich in der CD-Abteilung nach diesem Album erkundigte, sagte mir die Verkäuferin: «Also, ich persönlich würde ja sagen, dass es das beste Album des Jahres ist!» Soso, sie persönlich (oder etwa doch nur sie?) würde sagen (unter welchen Bedingungen frage ich mich, nicht sie). «Aber», erwiderte ich stattdessen, «es ist Ende Januar. Das Jahr hat gerade erst begonnen!» «Ja, aber trotzdem!», trotzte die Verkäuferin.


Dass es das für sie beste Album des Jahres ist, mag daran liegen, dass er am 10. Januar 2016 gestorben ist, zwei Tage nachdem «Black Stars» an seinem 69. Geburtstag veröffentlicht wurde. Jetzt ist er der Größte, der Beste, der, Ach-ich-weiss-nicht-was-alles. Es gibt Nachrufe zuhauf und ich ärgere mich über jeden einzelnen. Das tue ich bei jedem Nachruf. Weshalb ruft ihr den Toten hinterher? Weshalb sagt ihr ihnen nicht zu Lebzeiten all diese wunderbaren Dinge? Wer weiss, hätten die ein oder anderen gewusst, wie viel sie euch bedeuteten, lebten sie vielleicht noch.

Lazarus war auch gestorben. Seinem Freund tat das unendlich weh und er wollte diesen Verlust nicht akzeptieren. Nach vier Tagen hatte er die Schnauze voll und erweckte seinen Freund wieder zum Leben. Er konnte das. Er hieß Jesus. «Lazarus», so heisst ein Titel auf dem letzten Album (und es wird das letzte bleiben, denn Jesus hat David nicht wieder zum Leben erweckt). Ich finde, David Bowie hat Ähnlichkeit mit dem Lazarus auf de Flanders Gemälde (siehe Foto). Schade, dass er nicht so einen Freund hatte wie der. «Lazarus», mein Favorit auf dieser CD!

«Sieh hoch, ich bin im Himmel.
Ich habe Narben, die keiner sehen kann.
Ich habe Drama, das keiner stehlen kann.
Jeder kennt mich JETZT (!).
(...)
Oh, ich werde frei sein.
Ist das nicht typisch für mich?»

Dieser Song wurde bereits im Dezember 2015 veröffentlicht. Ich fürchte, verstanden wird er erst jetzt.

Ich sehe schwarz, jedenfalls was die Gestaltung des Covers betrifft (siehe Foto). Es ist extrem edel-düster gestaltet und man muss sich schon etwas bemühen, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt. Gänsehaut bereitete mir die erste Sekunde des zweiten Titels («‘Tis a Pity»). Das Atmen David Bowies ist laut und deutlich zu hören. Übers Ohr unter die Haut geht‘s. Ebenso, wie dieser Song:

«I know something is very wrong
The post returns for prodigal songs
With blackout harks with flowered muse
With skull designs upon my shoes

I can’t give everything
Away

Seeing more and feeling less
Saying no but meaning yes
This is all I ever meant
That’s the message that I sent

I can’t give everything
Away

Einige der Songs erzeugen eine beinahe unerträgliche Spannung. Aus Harmonie droht Disharmonie zu werden und aus Einigkeit Zwietracht. Doch jene Drohung entpuppt sich nur als ein Spiel, ein geniales musikalisches Spiel.
»(…) Something happend on the day he died (…)« (aus dem Titel »BlackStar")

Typisch David Bowie!

Herzlich, Rosemarie Schmitt

  • Juan de Flandes: Die Auferweckung des Lazarus

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