Das große Oldtimer-Rennen

18.01.2016 Kurt Bracharz

Wenn meine Mutter beim Jassen ein schlechtes Blatt aus lauter niedrigen Werten in allen vier Kartenfarben in die Hand bekam, kommentierte sie das mit der stehenden Formel: «Aus jedem Dorf ein Hund, und aus Hundsdorf zwei.» Unter den Präsidentschaftskandidaten ist jetzt zwar nur ein Hundstorfer, aber die Wertigkeit des Blattes – derzeit ein Quartett – ist auch nicht gerade hoch.


Die FPÖ lässt sich Zeit mit ihrer Kandidatenauswahl, aber einen Hochkaräter müsste sie ja echt aus dem Hut zaubern oder aus dem Ärmel ziehen, es fällt einem für diese Partei niemand ein, der auf dem üblichen Weg, sich sowohl ein gewisses (positives) Ansehen als auch einen Popularitätsgrad verschafft zu haben, als österreichischer Bundespräsident oder Bundespräsidentin in Frage kommt.

In einer Hinsicht passend wäre vielleicht Ursula Stenzel, dann müsste sich Andreas Khol nicht mehr als die einzige «Schiachpercht» im Wettbewerb fühlen (eine richtige physiognomische Selbsteinschätzung, die jetzt aber durch Mascheks «Gollum»-Video übertroffen und ins Positiv-Sympathische verkehrt wurde). Aber Khols Sager von 2001, es habe wegen der SPÖ im ORF Zeiten gegeben, «wo einem, immer wenn man den Einschaltknopf betätigt hat, rote Gfrieser entgegen geronnen» sind, würde ihm weiterhin nachschleichen, falls es ihm gelingen sollte, der Neujahrsansprache etc. ein schwarzes Gfries zu verleihen.

Hundstorfer und Khol sind alte Apparatschiks ihrer Parteien. Das Amt des Bundespräsidenten spielt zwar in der Theorie eine wichtige Rolle in den Checks and Balances der Konstruktion der Zweiten Republik, aber eben eher in der Theorie als in der Praxis. Van der Bellen hat angekündigt, tatsächlich in die Politik eingreifen zu wollen (statt nur besorgt mahnende Worte zu sprechen, wie bisher üblich), indem er beispielsweise Strache nicht als Bundeskanzler angeloben würde, relative Mehrheit hin oder her. Strache hat deshalb in Van der Bellen ja auch schon einen «Antidemokraten» erkannt, eigentlich ein gelungener Witz von jemandem, der für sich selbst angekündigt hat: «Ich gehe den Weg, den auch Ungarns Viktor Orban geht.» Den für Straches Pläne vielleicht noch besser passenden Namen Jarosław Aleksander Kaczyński konnte Strache wahrscheinlich nicht aussprechen, deshalb hat er sich mit dem Ungarn begnügt, der noch ein Alzerl weniger weit rechts steht als der Pole.

Aber zurück zur Bundespräsidentenwahl. Strache wird nicht selbst kandidieren, weil er immer noch glaubt, Kanzler werden zu können. Frau Griss tritt ja auch an, hat aber in einem Staat, in dem es Landesregierungen ohne Frauen gibt, keine guten Karten. Vielleicht meldet sogar Richard Lugner noch einmal seinen Anspruch auf das höchste Amt im Staate an, das er realpolitisch-realistisch sieht: «Ich würde für mehr Glamour in der Hofburg sorgen, denn die politische Macht des Bundespräsidenten ist äußerst begrenzt.»


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