Komet

08.01.2016 Bernhard Sandbichler

Es soll welche geben, die schauen zwar auch in die Zukunft, aber vor allem ins Glas - tief. Es sind dies bestimmt nicht Weise, sondern zumeist Liederliche, und da mag es dann sein, dass sie einen «dalketen» Kometen entdecken; der «kommt in ein Jahr, nachher geht eh’ die Welt z’grund». Zu was soll man sich also plagen im letzten Jahr? Es rentiert sich nicht mehr.


  • Achse 1: Diagnose
    Das Astralfeuer des Sonnenzirkels ist in der goldnen Zahl des Urions von dem Sternbild des Planetensystems in das Universum der Parallaxe, mittelst des Fixstern-Quadranten, in die Ellipse der Ekliptik geraten.
     
  • Achse 2: Prognose
    Folglich muss durch die Diagonale der Approximiation der perpendikulären Zirkel, der nächste Komet die Welt zusammenstoßen.* (Jahreszeitlicher Effekt: Die Sterne werden sich verkühlen, er sagt’s voraus, sie setzen sich zu stark der Nachtluft aus.)
     
  • Achse 3: Entwicklung
    Der Komet ist quasi ein Flüchtling am Firmament: Er reist ohne Unterlass und hat keinen Pass. Und jetzt richtet ein so ein Vagabund uns die Welt bei Butz und Stingel z’grund.
     
  • Achse 4: Intelligenz
    * Die Berechnung ist so klar wie Schuhwix. Wer nicht dran glaubt, wird Augen machen. Weitere Beweise gefällig?
     
  • Achse 5: Körper
    Die Fixstern, sagen sie, sind immer auf einem Fleck; es ist aber erlogen, bei Tag sind alle weg! Es bringt der beste Astronom im Lande keine saubere Sonnenfinsternis mehr zustande! Sogar die Venus verliert ihre schöne Gestalt, - wer kann dafür? - sie ist eben auch schon alt.
     
  • Achse 6: Psyche
    Da wird einem halt angst und bang, die Welt steht auf keinen Fall mehr lang.
     
  • Achse 7: Alltag
    Auch der minder Gebildete kann alle Tag Sachen genug bemerken, welche deutlich beweisen, dass die Welt nicht lang mehr steht.
     

Johann Nestroy: Der böse Geist Lumpazivagabundus. Zauberposse mit Gesang in drei Akten (1833)

  • William Turner: Knieriem’s Comet (1858/59)

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