Salman ist kein Salomon

04.01.2016 Kurt Bracharz

Der saudi-arabische König Salman ibn Abd- al-Aziz, der auch als Premierminister, militärischer Oberbefehlshaber und «Hüter der heiligen Stätten» fungiert, ist 80 Jahre alt. Wenn er jetzt an einem einzigen Tag 47 Regimegegner hinrichten ließ, dann ist solches Köpferollen zwar altbekannter arabischer Brauch, aber wenn sich unter diesen angeblichen IS- und al-Kaida-Terroristen (alle Sunniten) ein schiitischer Ayatollah befindet, der zwar schon seit einiger Zeit gegen das wahhabitische Königshaus aufgetreten ist, dabei aber nicht zu Gewalttaten aufgerufen hat, dann ist es kaum angebracht, sich über eine solche «politische Dummheit» zu wundern, als welche die Hinrichtung Nimr Baqir al-Nimrs in manchen deutschen Kommentaren eingeschätzt worden ist. So dumm wäre nicht einmal der Einfältigste der überflüssigen 7000 Prinzen des saudischen Königshauses, geschweige denn Salman selbst.


Jedenfalls der frühere Salman. Jener Salman, der ab 1962 als Gouverneur der Provinz Riad das «rasche Wachstum der Hauptstadt überwacht und gefördert hat» (wie Wikipedia dieses zentrale Mandat für Korruption beschreibt; die größten Bauunternehmer war übrigens der Bin Laden-Clan). Jener Salman, der während der 1980 und 90er Jahre djihadistische Kämpfer in Bosnien mit Geld und Waffen versorgte. (Der Ex-CIA-Agent Robert Baer schreibt in seinem Buch «Die Saudi-Connection»: Salman war «de facto Vorsitzender der saudischen Wohltätigkeitsorganisationen, die al-Kaida einen Teil ihres Geldes zukommen ließen.») Natürlich auch jener Salman, der als Verteidigungsminister ab Ende 2011 deutsche Waffen einkaufte.

Im Juni 2012 wurde Salman nach dem Tod seines Bruders Naif zum Kronprinzen und Vizepremierminister ernannt, und am 23. Jänner 2015 nach dem Tod seines Halbbruders Abdallah zum König. Sein Vorgänger als König, Fahd, war nach einem Schlaganfall 1995 praktisch dement gewesen, weshalb ihn Abdallah nach außen hin vertreten hatte. Salman hatte 2014 einen Schlaganfall, nach dem er einen Arm nicht mehr richtig bewegen konnte, und bei einem 80-Jährigen, dessen Vater schon dement war, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass er jetzt auch schon reichlich gaga ist und nicht begriffen hat, was er mit der Hinrichtung Nimr al-Nimrs anrichten würde.


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