Mixed Pickles # 12

28.12.2015 Kurt Bracharz

Die ersten Yubari-Melonen werden jedes Jahr auf einer Obstauktion in Sapporo versteigert. Die Preise schwanken, 2008 wurde für eine Kiste mit zwei Yubaris 22.000 Euro bezahlt, 2009 sank der Preis auf unter 4000 Euro, üblicherweise liegt er um 13.000 Euro. Im Laden kostet ein Exemplar über 100 Euro. Yubari ist der Name eines 11.000-Einwohner-Ortes auf Hokkaido, in dem diese Melone vor vier Jahrzehnten zum ersten Mal gezüchtet wurde. Jetzt wird sie im Februar in Gewächshäusern ausgesät und nach 105 Tagen geerntet. Nur der städtische Landwirtschaftsverband darf die Yubari-Melone verkaufen und ihren Preis festlegen.


Durch den regelmäßigen Konsum von Crystal Meth wird die körpereigene Produktion von Ceramiden (d. s. Fettstoffe in der Haut) so gesteigert, dass sie sich in allen Körpergeweben anreichern und starke Entzündungen sowie eine beschleunigte Zellalterung auslösen.

In Deutschland wird die Anzahl von Personen, die an Zöliakie leiden, auf 0,3 Prozent der Bevölkerung, und der Anteil der Lebensmittelallergiker auf 2 bis 3 Prozent geschätzt. Diäten wegen angeblicher Allergien halten aber 13 Prozent ein.

Was auch immer man von Kopi Luwak hält ­– er ist schon vor 100 Jahren in einer deutschen Zeitschrift erwähnt worden. Im «Kosmos» 11 von 1915 steht auf Seite 394: «Nach einer Legende soll die Entdeckung der anregenden Wirkung des Kaffees auf die Beobachtung eines Ziegenhirten zurückzuführen sein, dessen Schutzbefohlene, nachdem sie die Blätter eines Kaffeestrauchs aufgezehrt hatten, in merkliche Unruhe verfielen. Auf Java lebt eine Marderart, die mit großer Vorliebe Kaffeekirschen verzehrt. Das unter dem Namen Loewak bekannte Tier begnügt sich mit dem Fleisch und gibt die Bohnen wieder zurück. Trotz des ungewöhnlichen Weges gelten sie nicht als unappetitlich, diese Bohnen werden ausgewählt, da sie ein Getränk von vortrefflichem Geschmack liefern.» Die Tiere werden heute angeblich in Käfigen gehalten, wodurch sie die Kaffeefrüchte nicht mehr selbst aussuchen könnten. Die hohe Qualität des Kopi Luwak soll aber nicht auf einer Fermentierung im Darm der Schleichkatzen beruhen, sondern darauf, dass sie in Freiheit nur die besten Früchte auswählen.

Die aus China stammenden Radieschen wurden in Europa im 16. Jahrhundert lange Zeit als Zierpflanze verwendet, bis man in Frankreich erkannte, dass Knollen und Blätter essbar sind. In anderen europäischen Ländern dauerte es noch geraume Zeit bis zum Radieschenverzehr.

Das «Eigenbrauer Syndrom» (Auto-Brewery-Syndrome, Gut Fermentation Syndrome) ist eine seltene Darmkrankheit, bei welcher Hefepilze bei der Verdauung von Zucker und Kohlehydraten Alkohol erzeugen, der ins Blut übertritt. Dieser Effekt kann auf die Dauer zur Leberzirrhose führen.

Die Fermentation von wasserlöslichen Ballaststoffen durch Darmbakterien setzt kurzkettige Fettsäureacetate frei, die als natürliche Appetitzügler wirken.

Laktosefreie Milch wird durch Zugabe des Enzyms Laktase erzeugt, das die Zweifach-Zuckermoleküle in die Einfachzucker Glukose und Galaktose aufspaltet. Diese Einfachzucker sind süßer als Milchzucker, weshalb laktosefreie Milch süßer schmeckt.

Laut einer in der Fachzeitschrift «Human Reproduction» veröffentlichten Harvard-Studie vermindert der häufige Verzehr von Sojaprodukten bei Männern die Spermienzahl.

Scheps oder Schäps hieß in Bayern ein aus dem Nachsud gewonnenes Dünnbier für Erntearbeiter, das so minderwertig war, dass das Wort auf jedes schlecht schmeckende Bier übertragen wurde. Mittlerweile gibt es aber auch ein bayerisches naturtrübes Leichtbier, das als «Scheps» vermarktet wird.

Der im hessischen Ort Schlüchtern ansässige Metzger Dirk Ludwig produziert eine Bratwurst aus Kobe-Beef. Ein Kilogramm dieser Würste kostet 400 Euro.

Frisen oder Frisellen sind apulische Brotscheiben aus Gersten- und Weizenmehl, Salz und Hefe, die nach dem Backen zweimal geröstet werden. Sie müssen vor Genuss kurz in Wasser eingeweicht werden. Im Handel ist die Marke «Palomba – frise d’orza».

Sogenannte Fettlegierungen werden als Gewürz verwendet. Ein Beispiel dafür ist die Haselnuss-Öl-Legierung nach einem Rezept von Gerd Wolfgang Sievers aus «Kochen & Küche» 9/2015, S. 78: «100 g gewürfelte Zwiebeln in 200 g nicht zu heißem Kokosfett bräunen, dann 50 g gehackten Knoblauch dazugeben und leicht mitrösten. Anschließend das Kokosfett durch ein Haarsieb streifen, abkühlen lassen und vor dem Festwerden 100 ml Haselnussöl einarbeiten, anschließend fest werden lassen und kalt stellen – schmeckt wunderbar zu gegrillten Hühnerbrüstchen, Gemüse oder auf Toast».

Migros verwendet in ihrem Bestellkatalog für Partyplatten für die japanischen Wörter Nigiri, Maki und Sashimi als deutsche Entsprechungen Häppchen, Rollen und «rohe Scheiben». Nur Sushi heißt «Sushi». Die «Sushi-Platte Moriawase» trägt aber ihren Namen zu Unrecht, denn «moriawase» bezeichnet das kunstvolle Arrangieren von Speisen, von dem auf der Platte nichts zu sehen ist, sie ist einfach bis zum Rand gefüllt.

Das israelische Unternehmen DouxMatok («zweimal so süß») hat einen Zucker entwickelt, der um 30 bis 60 Prozent süßer schmeckt als normaler Zucker, wobei das Verfahren nicht den Zucker an sich verändert, sondern bei der Aufnahme der Zuckermoleküle durch die Geschmacksrezeptoren ansetzt. Der «süßere» Zucker soll den individuellen Zuckerverbrauch senken.

Das Speiseeis der amerikanischen Marken Ben & Jerry’s und Häagen-Dazs ist koscher. Das heute Unilever gehörende Ben & Jerry’s ist nach der ersten Eiserzeugung von Ben Cohen und Jerry Greenfield 1978 in Vermont benannt. Häagen-Dazs erhielt seinen Namen von Rose Vesel Mattus und Reuben Mattus. Das Ehepaar gründete seine Eisfabrik 1959 in Brooklyn, der Phantasiename «Häagen-Dazs» sollte dänisch klingen, weil Reuben Mattus daran erinnern wollte, dass die Dänen in der Nazizeit Juden retteten. Seine ersten Eisbecher waren mit einer dänischen Landkarte geschmückt.


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