Die Klimax

13.12.2015 Haimo L. Handl

Das Grundsatzabkommen des Weltklimagipfels im terrorgelähmten Paris wurde gleich nach der Vereinbarung, noch bevor es verbindlich bestätigt ist, als Riesenerfolg gefeiert. Lobesworte, siegesbewusstes Auftreten, Demonstration der Stärke. Das ominöse WIR und die Vernunft hätten gesiegt, heißt es. Nun, in Zeiten, da Absichtserklärungen, Vereinbarungen und Verträge so viel wert sind, wie es einigen nützlich dünkt, ist das nicht viel. Es sind keine Sanktionsmöglichkeiten vorgesehen und es überzeugt nicht, dass jetzt, gerade jetzt, da die ultima ratio der Politik immer noch Krieg heißt, eine andere Vernunft bestimmend wirken sollte.


Es fällt auch auf, dass man von Verkehrsbeschränkungen redet, von neuen Technologien und teuren Maßnahmen, von weniger Plastik und sauberen Meeren, von Hilfsprogrammen für Dritte-Welt-Länder und dergleichen. In den Grafiken und Schaubildern als Begleitmaterial der Statistiken scheinen aber nie die negativen Werte auf, die die Waffeneinsätze verursachen und die «Verkehrsmaßnahmen», die dazu notwendig sind. Eine parallele Welt, die einfach, aus höheren, wichtigeren Gründen, ausgespart wird.

Wäre ja auch ein Gustostückerl gewesen, für einen «sauberen» Vernichtungskrieg zu werben, mit weniger CO2-Belastung! Für Urangeschosse, ohne Umwelteinwirkungen, für atomare, chemische und biologische Kriegsstoffe, die dank neuester Forschung einen Beitrag zum sauberen Klima leisten, keine wesentliche Mehrbelastung der Umwelt darstellen.

Wäre ja auch überraschend gewesen, wenn die Abhängigkeitspolitik vor allem amerikanischer Konzerne z. B. im Bereich der Saatmittel, die eine ganze Kette von Umweltbelastungen, neben den primären der ökonomischen Strangulierung, nach sich ziehen, hinsichtlich Klima und Nachhaltigkeit Gegenstand seriöser Untersuchungen geworden wäre.

Aber die Medien feiern, die Delegierten feiern. Sollen wir feiern? Nein.

Zufällig «erlitt» Bejing Dunstglocken extremen Ausmaßes just zur Zeit des Klimagipfels, und musste Fabriken temporär schließen, den Verkehr drastisch einschränken, besondere Gesundheitsnotprogramme leisten. Aber nach einigen Tagen war das vorbei, der Wind räumte auf, und alles geht weiter. Man müsse Verständnis haben mit dem Land, das mit den USA zu den weltgrößten Verschmutzern gehört. Alles andere sei unrealistisch. Umstellungen dauern lange usw. usf. Die USA erleiden einen Druck, der noch zu gering erscheint, als dass er fordernd auf die Konzerne und die Regierung, die sie vertritt, wirklich verändernd einwirken könnte. Dafür gibt es Konferenzen und neue Geschäfte. Eine Sicherung zur rücksichtslosen Durchsetzung dieser Interessen stellt TTIP dar, dem jetzt in Deutschland auch die abgehalfterte SPD zustimmte.

Jubelstimmung? Fragt sich, für wen.

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