George Sherman Western-Box

24.12.2015 Walter Gasperi

Über 100 Filme drehte der 1908 in New York geborene George Sherman, doch nie schaffte er den Durchbruch zum Starregisseur. Drei Beispiele für seine routiniert inszenierten und durchaus unterhaltsamen kleinen B-Western sind bei Koch Media in einer Box auf DVD erschienen.


Von den späten 1930er Jahre bis zu den frühen 1970er Jahren spannt sich das Werk von George Sherman, doch einzig sein letzter Film «Big Jake» (1971) dürfte aufgrund des Hauptdarstellers John Wayne einem größeren Publikum bekannt sein. Die bei Koch Media erschienene DVD Box enthält mit «Rivalen am reißenden Strom – River Lady» (1948) und «Die rote Schlucht – Red Canyon» (1949) zwei Filme aus den späten 1940er und mit «Kampf auf Leben und Tod – The Last of the Fast Guns» (1958) einen aus den späten 1950er Jahren.

Shermans Filme zeichnet kein typischer Stil aus, doch lässt sich zwischen den drei Filmen doch ein wiederkehrendes Thema feststellen, aber auch eine Entwicklung des Genres. Zwar muss man bei «Red Canyon» einen schwer zu ertragenden einführenden Kommentar zu einem prächtigen Wildpferd über sich ergehen lassen und bei «River Lady» miserable Rückprojektionen in Kauf nehmen, doch sind das insgesamt dennoch routiniert inszenierte und vor allem in leuchtenden Technicolor-Farben prächtig fotografierte Filme.

Vorzüglich verstehen es Sherman und seine Kameramänner (Irving Glassberg bei «Red Canyon» und «River Lady», Alex Philips bei «The Last of the Fast Guns») die Handlung dieser jeweils kompakte 80 Minuten langen Western in der rotbraunen Sandsteinlandschaft des Südwestens der USA («Red Canyon»), den Wäldern um den Mississippi («River Lady») und dem weiten und menschenleeren mexikanischen Bergland («The Last of the Fast Guns») zu verankern.

Recht harmlos ist freilich die Handlung von «Red Canyon», bei dem das Fangen und Bändigen eines Wildpferds und ein finales Pferderennen im Mittelpunkt steht, während «River Lady» und «The Last of the Fast Guns» doch etwas daran leiden, dass Sherman nicht das Letzte aus den aufgebauten Konflikten herausholt.

Während bei «Red Canyon», die Geschichte um das Pferd mit der einer jungen Frau korrespondiert, die den Cowboy, der das Pferd fängt, für sich gewinnen will, will in «River Lady» die reiche Besitzerin eines Mississippi-Dampfers die Liebe eines Holzfällers erkaufen und mit ihm ein bürgerliches Leben beginnen. Doch hinter dem Holzfäller ist auch die Tochter des Besitzers eines Sägewerks her.

Durchaus aktuelle Bezüge gewinnt «River Lady» dabei dadurch, dass ein Syndikat das Monopol im Holzhandel anstrebt und die kleinen Sägewerke verdrängen oder aufkaufen will. Nur durch die Bildung eines Kollektivs können sich die Kleinbetriebe sich gegen den scheinbar übermächtigen Konzern behaupten.

Wie man hier – für die Zeit des beginnenden Kalten Kriegs ungewöhnliche – kapitalismuskritische Töne herauslesen kann, so kann man in «Red Canyon» am Ende eine Absage an die Ausbreitung der menschlichen Herrschaft über die Natur sehen, wenn der Cowboy das Pferd wieder frei lässt.

Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Kapitalismus kann man auch in «The Last of the Fast Guns» sehen, in dem sich ein reicher Amerikaner von seinem Unternehmen nach Mexiko zurückgezogen hat und dort als einfacher Padre auf dem Land Glück und Zufriedenheit gefunden und sich die Liebe der Landbevölkerung erworben hat.

Seine Ruhe wird freilich gestört, als sein Bruder einen Revolverhelden schickt, um ihn in die USA zurückzubringen, um zu verhindern, dass das Unternehmen an einen dritten Kompagnon fällt. Das Ende des alten Westen und auch des Western-Genres deutet sich hier schon an, wenn der Revolverheld den Job nur annimmt, weil er sich mit dem Honorar – ähnlich wie die reiche Frau in «River Lady» - den Traum von einer Farm und einem ruhigen Leben verwirklichen will.

Diesen Traum gibt es freilich auch schon in «Red Canyon», in dem sich der Protagonist von seiner verbrecherischen Familie distanziert und ebenfalls das ruhige Leben eines Farmers führen will.

Während aber in «Red Canyon» die Welt noch recht heil ist, kündet sich in «The Last of the Fast Guns», mit dem ganz in schwarz gekleideten Revolverhelden, der seines Jobs müde ist, auch das Ende einer Ära an. Keine glorreichen Helden gibt es hier mehr, sondern der Protagonist erledigt den Job nur noch, um ein anderes Ziel zu verwirklichen.

An Sprachversionen verfügen die drei DVD über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber über keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Bildergalerien sowie auf die DVD-Hüllen gedruckte Texte zu den einzelnen Filmen.

  • Die rote Schlucht - Red Canyon (1949)
  • Rivalen am reißenden Strom - River Lady (1948)
  • Kampf auf Leben und Tod - The Last of the Fast Guns (1958)
  • Kampf auf Leben und Tod - The Last of the Fast Guns (1958)
  • Kampf auf Leben und Tod - The Last of the Fast Guns (1958)

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