Ein reinigendes Blutbad

14.06.2007

Der in Feldkirch geborene und in Wien lebende Autor Christian Futscher, er hat im vergangenen Jahr das Vorarlberger Landesstipendium für Literatur erhalten, füllt die aktuelle Nummer der Zeitschrift Miromente unter dem Titel «Die Blumen des Blutes» mit einer Sammlung erstaunlicher Gedichte.


Da wird ohne Rücksicht auf Kinder, alte Leute und Tiere gefoltert, gemordet, gestorben und verblutet, da paart sich das höchste Gefühl mit dem niedrigsten Trieb, springt von einem Vers zum nächsten der Witz ins Grauen um und umgekehrt, und immer ist man leicht schockiert, vom Inhalt der makabren Geschichten sowieso, aber vor allem von der eigenen Reaktion darauf. Denn «Die Blumen des Blutes» sind ein außergewöhnliches Lesevergnügen. Man möchte hin und wieder laut hinaus lachen, aber in anbetracht der Gemeinheit, mit der man soeben konfrontiert wurde, hält man sich besser den Mund zu:

Ich habe die Katze angelockt
Ich habe ihr Futter gegeben
Ich habe sie liebkost
Gestreichelt
Geherzt
Ich habe ihr den Hals umgedreht
Das Geräusch war interessant

Es wäre leicht zu denken: schwer gestört, aber bemerkenswerter als die Störung, ist die Leichtigkeit, mit der Futscher sie in die lyrische Form bringt. Liebe, Hass, Eifersucht, Tod, Futscher nimmt die großen, heißen Brocken in die Hand, hackt sie klein und serviert sie kalt. Wer sich angeekelt abwendet, und dem einen oder anderen zart Besaiteten könnte es in einem ersten Reflex passieren, dem sei empfohlen, einen Moment lang mutig auf die eigene Zartheit zu vergessen, und sich statt dessen zu fragen, warum man angesichts der unlyrischen Realität so oft aufs Kotzen vergisst. All das Blut, das aus den Versen Futschers fließt, ist kein Beweis für ein Verbrechen, sondern es verweist auf die Kraft einer Urmetapher:

Ich bade gerne
Ich liebe es
Es gibt nichts Schöneres
Als sich zu reinigen
Vom Schmutz des ungelebten Lebens
In einem Blutbad

Der Redaktion der Miromente muss gedankt werden für diesen Blick in die Werkstatt eines bemerkenswerten österreichischen Schriftstellers. (G.H.)


Hinweis:
MIROMENTE - Zeitschrift für Gut und Bös
Herausgegeben von Kurt Bracharz, Daniela Egger, Ulrich Gabriel, Wolfgang Mörth. Art-director: Clemens Schedler. Verlag: Unartproduktion Dornbirn-Wien.
Abo-Inland: Euro 12 für 5 Ausgaben inkl. Versand
Auslandsabo: Euro 21,00 für 5 Ausgaben inkl. Versand
Abo-Bestellung: http://shop.unartproduktion.at
Preis für 1 Einzelexemplar: Euro 4,00 zzgl. Euro 2,00 Versandkosten
Einzelexemplare-Bestellung nur über: info@miromente.at

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.