Die Rache des Ungeheuers – Revenge of the Creature

21.01.2016 Walter Gasperi

Bereits ein Jahr nach «Der Schrecken vom Amazonas» drehte Jack Arnold 1955 eine Fortsetzung der Geschichte des Kiemenmannes. Die Handlung spielt dabei nicht mehr im Amazonasdschungel, sondern in Florida, wo das Ungeheuer aus einem Meerespark entkommt und einer Biologin nachstellt. Bei Koch-Media ist der smarte B-Horrorfilm auf Blu-ray erschienen.


Schon beim Dreh von «Der Schrecken vom Amazonas - The Creature of the Black Lagoon» wurde beschlossen ein Sequel zu drehen, falls das Original ein Erfolg würde. Nachdem der urzeitliche Kiemenmensch am Ende des ersten Films in den Tiefen der Lagune verschwand, macht sich in der Fortsetzung ein anderes Forscherteam auf die Suche nach dem vermeintlich toten Ungeheuer.

Vom Himmel herab taucht die Kamera in den Amazonasdschungel ein, erfasst das Boot, dessen Kapitän wie in «The Creature of the Black Lagoon» Captain Lucas ist, die einzige Figur aus dem Original. Er warnt die Forscher vor dem Kiemenmenschen, doch diese machen sich nur über ihn lustig. Ihre Meinung ändert sich aber, als einer von ihnen bei einem Tauchgang vom Ungeheuer angegriffen wird.

Mit Sprengstoff gelingt es aber, dieses unschädlich zu machen, und bewusstlos nach Florida zu transportieren, wo es in einem Meerespark den Massen präsentiert und gleichzeitig dessen Verhalten mit brutalen Methoden von zwei Wissenschaftlern untersucht wird. Doch bald kann der Kiemenmensch entkommen, scheint in den Ozean zu flüchten, stellt aber in Wirklichkeit der Biologin nach, die ihn untersucht hat.

Unübersehbar ist das Vorbild von «King Kong». Hier wie dort wird ein urzeitliches Wesen aus seinem ursprünglich-natürlichen Habitat in die moderne Zivilisation gebracht, wo es sich in eine Frau verliebt. Da der Kiemenmensch freilich schon aus dem ersten Film bekannt ist, kann Jack Arnold hier keine Spannung aufbauen, indem er mit Unbekannten und Geheimnisvollen spielt, das die Fantasie des Zuschauers freisetzt, sondern muss sein Ungeheuer schon bald zeigen.

Dieses freilich kann kaum Schrecken erzeugen, sondern wirkt eher lächerlich und erinnert an die naiven Figuren in Georges Méliès «Die Reise zum Mond». Die Handlung ist zwar routiniert aufgebaut, doch recht lange zieht sie sich hin, bis dieses Monster aus dem Meerespark entkommt. Gefallen hat Arnold hier offensichtlich an den Unterwasseraufnahmen gefunden, denen schon fast zu viel Platz eingeräumt wird, da sie die Handlung im Grunde nicht vorantreiben.

Dramatischer und dynamischer wird der Film, in dem man auch eine Variation von «Die Schöne und das Biest» sehen kann, erst mit dem Ausbruch des Kiemenmenschen nach rund 50 Minuten. Da kommt Action auf, wenn das Wesen beim Umkippen eines Autos seine Kräfte demonstriert, und spannend wird es, wenn es sich nachts der Biologin in einem Motel zu nähern versucht.

So strahlt «Die Rache des Ungeheuers» zwar durchaus den naiven Charme anderer Horrorfilme von Arnold aus, doch um zu dessen großen Filmen zu zählen, fehlt es ihm doch an Ambivalenzen und Vielschichtigkeit. Auch sind hier die logischen Unstimmigkeiten noch größer als in anderen Filmen dieser Art, wenn der Kiemenmensch aus dem Süßwasser kommt und dann doch mit Delphinen und Haien in ein Becken gesperrt wird, wenn er unter Wasser mit einem Elektrostab traktiert wird oder wenn die Biologen unter Wasser miteinander reden oder dem angeketteten Ungeheuer verbal Befehle geben.

Dennoch sollte auf «Die Rache des Ungeheuers» mit «Das Ungeheuer ist unter uns» («The Creature Walks Among Us») 1956 eine weitere Fortsetzung folgen, bei der Arnold aber seinem Assistenten John Sherwood die Regie überließ.

An Sprachversionen verfügt die bei Koch Media erschienene Blu-ray über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. Die Extras umfassen außer dem englischen Trailer und einer Bildergalerie die 3-D-Fassung des Films sowie etwa 10-minütige englische und deutsche Super-8-Fassungen und einen Audiokommentar der Hauptdarstellerin Lori Nelson sowie der Filmhistoriker Tom Weaver und Bob Burns.

Trailer zu «Die Rache des Ungeheuers»

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