Michael Kohlhaas - Der Rebell

07.01.2016 Walter Gasperi

Im Kampf um sein Recht kennt der Pferdehändler Michael Kohlhaas kein Maß und greift zur Selbstjustiz. – Bei Winkler Film ist Volker Schlöndorffs 1969 entstandene Verfilmung von Heinrich von Kleists berühmter Novelle auf DVD erschienen.


Um Freiheit und Unterdrückung, Recht und Gerechtigkeit, um verschiedene Rechtsauffassungen und Legitimität sowie Grenzen von Selbstjustiz, angesichts des Machtmissbrauchs der Mächtigen geht es in Heinrich von Kleists 1810 erschienener Novelle.

Brandaktuell waren diese Themen im Europa der späten 1960er Jahren, als die Studenten auf die Barrikaden gingen, sich die Jugendlichen gegen die Generation der Väter erhoben. Unübersehbar aus dieser Situation heraus drehte Volker Schlöndorff 1969 seine Verfilmung der berühmten Novelle, macht diesen Aspekt in der deutschen Fassung auch durch die Eröffnung mit schwarzweißen Dokumentaraufnahmen von den Studentenunruhen evident. In der internationalen Fassung fehlt dagegen dieser Anfang.

Die eigentliche Handlung setzt nach diesem Vorspann mit Bildern von frei auf einer idyllischen Wiese herumtollenden Pferden ein. Am Ende wird diese Szene wiederaufgenommen und so rahmen diese Bilder der Freiheit den Film.

Ein Off-Erzähler stellt nicht nur Michael Kohlhaas (David Warner) vor, sondern nimmt auch schon vorweg, wie maßlos er in seinem Kampf um Gerechtigkeit übers Ziel schießen wird.

Ganz harmlos beginnt der Konflikt an einem Grenzbaum, der schon als Metapher auf die kommenden moralischen Grenzfragen vorverweist. Ohne Zögern akzeptiert Kohlhaas die Forderung des neuen Gutsherrn Wenzel von Tronka (Inigo Jackson) nach einer Abgabe für die Durchreise ebenso wie die nach Vorlage eines Passagierscheins. Weil er aber letzteren nicht hat, lässt er zwei Pferden als Pfand dafür zurück, dass er dieses Schreiben nachliefern wird.

Doch als Kohlhaas nach wenigen Wochen vom Markt zurückkehrt, findet er die Pferde zerschunden und abgemagert vor, während man seinen Diener, der sich darum kümmern sollte, verprügelt und vom Hof vertrieben hat.

Ganz sachlich fordert der Pferdehändler in Wittenberg Gerechtigkeit, doch seine Klage wird abgewiesen und seine Frau (Anna Karina) kommt beim Versuch am Hof in Dresden ein Bittgesuch zu stellen durch einen Unfall ums Leben. So stellt Kohlhaas an von Tronka ein Ultimatum und versucht, als dieses Ultimatum ohne Reaktion verstreicht, mit Gewalt, sein Recht durchzusetzen.

Als er die Burg in Brand steckt, schließen sich ihm bald Bauern und Studenten, aber auch ein Deserteur und Banditen an. Während Kohlhaas nur sein Recht will, dabei aber zunehmend jedes Maß verliert, sind Teile seiner Anhänger einerseits nur auf Beute aus, während andere sich von der Rebellion einen Umsturz der gesellschaftlichen Verhältnisse erhoffen.

Routiniert und mit viel Action hat Schlöndorff bei dieser international besetzten und auf Englisch gedrehten Produktion für das amerikanische Studio Columbia Pictures Kleists Novelle für die Leinwand adaptiert. Allerdings bleibt er dabei in der klassischen Inszenierung ganz dem vom Neuen Deutschen Film, der damals aufkam, heftig attackierten «Opas Kino» verhaftet. Formal riskiert der auch später auf Literaturverfilmungen spezialisierte Schlöndorff nichts, zeigt sich vielmehr in der Brutalität vieler Szenen unübersehbar vom Italo-Western beeinflusst.

Spannende Unterhaltung wird so zwar geboten, doch bleibt «Michael Kohlhaas – Der Rebell» oberflächlich, setzt auf äußere Handlung statt die rechtsphilosophischen Fragen, die Kleists Novelle aufwirft, auszuloten.

Die bei Winkler Film erschienene DVD bietet neben der 90-minütigen internationalen Fassung auch die um fünf Minuten längere deutsche Kinofassung. An Sprachversionen gibt es die deutsche und die englische Fassung sowie Untertitel in beiden Sprachen, Extras finden sich auf der DVD dagegen keine.

Beginn der deutschen Fassung von «Michael Kohlhaas - Der Rebell»

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