It Follows

14.01.2016 Walter Gasperi

Ein Teenager fühlt sich von Personen verfolgt, die für andere unsichtbar bleiben. – David Robert Mitchells unspektakulärer, aber atmosphärisch dichter und visuell sowie akustisch brillanter Horrorfilm ist bei Weltkino auf DVD und Blu-ray erschienen.


Die Kamera erfasst eine menschenleere Vorstadtstraße, schwenkt zu einem Haus, aus dem ein Teenager nur mit Dessous bekleidet herausstürzt, bald panisch zum Haus zurückeilt, dann wieder herauskommt, zum Wagen rennt und wegfährt.

Nicht in einer schnellen Schnittfolge, sondern mit einem ruhigen und distanzierten 360° Panoramaschwenk inszeniert David Robert Mitchell diese Eröffnungsszene und die wummernde Elektro-Musik von Disasterpeace steigert die Spannung. Nach einem Schnitt sieht man die Frau nachts am Meer sitzen und mit ihren Eltern telefonieren, doch nach einem weiteren Schnitt liegt ihre Leiche am nächsten Morgen bestialisch zugerichtet am Strand.

Dieser ebenso knappe wie schockierende Prolog lässt von Anfang an Schlimmes befürchten für den Teenager Jay (Maika Monroe), die nun die Szene betritt, sich auf ein Date freut, aber nach dem Geschlechtsverkehr im Wagen vom vermeintlichen Freund betäubt und an einem Stuhl gefesselt in einem Abbruchsgelände darüber informiert wird, dass es ihm leid tue, er aber nur so seine geheimnisvollen und für andere unsichtbaren Verfolger loswerden konnte. Nun freilich werde Jay von diesen Geistern oder Untoten verfolgt, die zwar langsam sind, aber wenn sie ihr Opfer mal ergriffen haben, nicht mehr loslassen.

Aufgeklärt wird das Unerklärliche nicht werden, lässt somit viel Interpretationsspielraum für den Zuschauer. Spannung entwickelt der Film weniger aus der geradlinig erzählten, geradezu minimalistischen Handlung als vielmehr aus der atmosphärischen Dichte, für die vor allem einerseits der Elektro-Soundtrack von Disasterpeace, der die Verunsicherung steigert, andererseits die brillante Kameraarbeit von Michael Gioulakis sorgen.

Betörend schöne Cinemascope-Bilder schafft hier Gioulakis und sorgt sowohl mit Kamerafahrten durch die leeren Vorstadtstraßen als auch mit Schwenks und ungewöhnlichen Kameraperspektiven für Verunsicherung. Wirkungsvoll arbeitet er auch mit dem Raum, wenn er immer wieder im Hintergrund diese Geister vorbeiziehen oder sich aus dem Hintergrund Jay nähern lässt

Dazu kommt, dass David Robert Mitchell das Leben der Jugendlichen ausgesprochen realistisch schildert, sich auf das Alltägliche konzentriert, in das dann aber immer wieder das Unglaubliche und Mysteriöse einbricht.

Geschickt spielt der in Detroit gedrehte Film aber auch mit dem Gegensatz von properer Vorstadt und verfallenen anderen Stadtteilen: Ist diese Heimsuchung als Rache der verarmten und entwurzelten Bevölkerung am amerikanischen Mittelstand zu verstehen oder ist der Fluch, der sich ja durch den Geschlechtsverkehr ausbreitet, eine Metapher für das Coming-of-Age und das Ende der sorgenfreien Kindheit? – «It Follows» lässt viele Deutungen offen, provoziert sie geradezu im Verzicht darauf Antworten zu geben.

An Sprachversionen bieten die bei Weltkino erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Extras umfassen neben dem Trailer und einer Trailershow ein Interview mit Disasterpeace, dem Komponisten des Soundtracks, sowie einen – auch deutsch untertitelten – Audiokommentar des Filmkritikers Scott Weinberg, der allerdings nicht in die Tiefe geht, weder den Einsatz der filmischen Mittel noch den Inhalt tiefschürfend und fundiert analysiert.

Trailer zu «It Follows»

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