Flammen über Fernost

10.12.2015 Walter Gasperi

Ein traumatisierter britischer Pilot findet im Zweiten Weltkrieg in Burma durch eine Liebe neuen Lebensmut, gerät dann aber in eine schier aussichtslose Situation. – Robert Parrishs 1954 gedrehtes packendes Überlebensdrama, in dem Gregory Peck in der Hauptrolle brilliert, ist bei Pidax auf DVD und Blue-ray erschienen.


Fluglärm und das Geräusch von Bombeneinschlägen reißen den britischen Piloten Bill Forrester (Gregory Peck) im Dschungel von Burma aus dem Schlaf. In Panik rennt er über das Flugfeld, beschimpft einen verdutzten Kollegen und fordert ihn auf das Flugzeug schleunigst startklar zu machen. – Erst als dieser ihn ohrfeigt, erkennt Forrester, dass er den Angriff nur geträumt hat.

Auf eine Exposition verzichtet Robert Parrish, wirft den Zuschauer mitten in die 1945 spielende Handlung hinein. Noch deutlicher wird die Traumatisierung Forresters und die Gefahr, die davon für seine Kollegen ausgeht, bei einem Einsatz, bei dem er gegen den Befehl in waghalsigem Sturzflug eine japanische Stellung angreift und sein Bordschütze verletzt wird.

Niemand kann diesen Verrückten im Lager leiden, er selbst scheint nur den Tod zu suchen. Bald wird mit einer Rückblende auch klar, dass der Grund dafür im Tod seiner Frau während eines Bombenangriffs auf London liegt. Doch dann lernt Forrester in einer Missionsstation die einheimische Anna (Win Min Than) kennen. Sofort sind sie sich sympathisch und kommen sich näher, doch wenig später stürzt er bei einem Transportflug im Dschungel ab und muss sich mit zwei Mitfliegenden bei Hitze und mit nur wenig Wasser zu den eigenen Truppen durchschlagen.

Die Kriegshandlung bildet nur den Hintergrund des von Kameramann Geoffrey Unsworth stark fotografierten Films. Nie wird der Feind sichtbar, die Kampfhandlungen beschränken sich auf den kurzen und technisch ziemlich einfach inszenierten Angriff auf die japanische Stellung, sowie auf einen japanischen Bombenangriff auf die Missionsstation, bei dem sich schon Forresters Verlust seiner Frau zu wiederholen scheint.

Im Zentrum steht vielmehr die Wandlung eines Menschen durch die Liebe, die Schilderung, wie einer, der mit dem Leben schon abgeschlossen hat, durch eine neue Beziehung wieder Mut fasst und alles unternimmt, um zu überleben.

Statt theoretisch die Frage zu diskutieren, was denn einen Menschen am Leben erhält und wofür er kämpft, wird diese freilich wie im klassischen Hollywoodkino üblich direkt aus einer konkreten Handlung heraus entwickelt. Den Osterchoral, der hier einmal gesungen wird, kann man auch auf Forrester beziehen, der mit der neuen Liebe quasi seine eigene Auferstehung erlebt. Überstrapaziert werden solche Implikationen aber nie.

Beiläufig werden nach dem Absturz mit Forrester und seinem Schicksalsgefährten Blore (Maurice Denham) auch zwei unterschiedliche Verhaltensmuster in Extremsituationen vorgeführt. Denn während Blore auf Hilfe von außen warten will, tritt Forrester dafür ein, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und aktiv zu werden.

Keine überflüssigen Dialoge gibt es hier und keine inhaltlichen Schnörkel. Sicher entwickelt Parrish den packend inszenierten Überlebenskampf aus der mehr kurz angedeuteten als breit ausgespielten zarten Liebesgeschichte heraus. So unvermittelt der Einstieg ist so knapp gehalten ist das Ende dieses britischen Films, der auch von einem starken Gregory Peck getragen wird, der eindringlich die Wandlung Forresters vermittelt.

An Sprachversionen bietet die bei Pidax erschienene Blu-ray und DVD die englische und die deutsche Fassung, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den deutschen Kinotrailer.

Originaler deutscher Kinotrailer zu «Flammen über Fernost»

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