Macbeth

03.11.2015 Walter Gasperi

Justin Kurzel verzichtet bei seiner Verfilmung von Shakespeares berühmter Tragödie auf Modernisierungen. Er vertraut auf atmosphärisch starke Bilder einer düster-archaischen Landschaft, auf die Kraft von Shakespeares Sprache und seine beiden großartigen Hauptdarsteller Michael Fassbender und Marion Cotillard.


Hinlänglich bekannt ist die Geschichte vom schottischen Heerführer Macbeth, der, angestachelt von seiner machtgierigen Frau, mehrere Morde begeht, um zum König aufzusteigen, bald aber ständig in Furcht lebt, vom Thron gestürzt zu werden.

Wie viele andere Stücke Shakespeares wurde auch diese Tragödie schon mehrfach verfilmt (Shakespeare und das Kino), am berühmtesten sind die Versionen von Orson Welles (1948), Roman Polanski (1971) und Akira Kurosawa, der in «Das Schloss im Spinnwebwald» (1957) die Geschichte ins mittelalterliche Japan verlegte.

Der Australier Justin Kurzel, dem mit seinem Krimi «Die Morde von Snowtown» ein vielbeachtetes Debüt gelang, verzichtet in seiner Adaption auf jegliche Modernisierung, macht aber doch in der Brutalität des Tyrannen auf der einen Seite und seiner Furcht vor einem Sturz aufgrund seiner Terrorherrschaft auf der anderen Seite die zeitlose Aktualität des Stoffes sichtbar.

Weitgehend hält sich Kurzel an die Vorlage, nimmt aber im Detail markante Änderungen vor. So beginnt der Film mit der Brandbestattung des Kindes von Macbeth und seiner Frau. Die schwere Traumatisierung durch diesen Verlust führt bei Kurzel zur Machtgier von Lady Macbeth, mit der sie die Leerstelle in ihrem Leben füllen will.

Auch begeht hier Macbeth im Gegensatz zu Shakespeares Stück die Morde als König nicht im Geheimen, sondern lässt die Frau von Macduff und dessen Kinder öffentlich hinrichten, um so das Volk einzuschüchtern. Durchaus als Parallele zu modernen Terrorherrschaften ist diese Szene wohl angelegt.

Dem Theater verhaftet wirkt dieser «Macbeth» aber nur durch die Verwendung der Sprache Shakespeares, während er auf der visuellen Gestaltung durch und durch filmisch angelegt ist. Düstere Stimmung erzeugen Kurzel und sein Kameramann Adam Arkapaw von Anfang an: In einer winterlich kalten, von verschneiten Bergen umgebenen Landschaft findet die Bestattung des Kindes statt, auf die sogleich eine brutale Schlacht folgt, in der sich Blut mit Matsch mischt. Auch wenn der Schauplatz später wechselt und Macbeth mit seiner Frau in ein Schloss ziehen werden, wird die Atmosphäre düster bleiben, der Himmel wolkenverhangen, die Farben dunkel und kalt.

Atmosphärische Dichte gewinnt «Macbeth» durch diese großartig gefilmten Schauplätze, packende Intensität entwickelt die Verfilmung auch teilweise in den brutalen Schlachtszenen, bei denen wild zwischen Totalen und Großaufnahmen, zwischen Zeitlupe und normaler Geschwindigkeit gewechselt und so das Bild eines infernalischen Chaos evoziert wird.

So bildmächtig und fern von allem Theaterhaften dieser Film auf der einen Seite aber ist, so unentschlossen schwankt er zwischen Stilisierung und Realismus, wodurch auch der Zuschauer in ein Wechselbad geworfen wird. Denn in Kontrast zu den Landschaftstotalen stehen die Großaufnahmen, in denen Kurzel Michael Fassbender und Marion Cotillard viel Zeit lässt, ihre schauspielerischen Fähigkeiten zu demonstrieren und ausdrucksstark den Shakespeare-Dialogen Nachdruck zu verleihen.

Große Schauspielkunst bieten sie hier zweifellos, doch stehen diese stehen diese statischen Szenen isoliert neben den Massen- und Außenszenen, lassen den Film in Einzelteile zerfallen und keinen durchgängigen Erzählfluss aufkommen.

Diese erzählerischen Brüche werfen den Zuschauer auch immer wieder aus dem Film, der bald vom Geschehen mitgerissen wird, sich bald aber auch wieder in die distanzierte Beobachterposition versetzt fühlt. Durchgängig gelungen ist Kurzels zweiter Spielfilm somit kaum, dennoch sorgen die Bildmacht, die Sprache Shakespeares und das Spiel von Michael Fassbender und Marion Cotillard dafür, dass diese Klassiker-Verfilmung in Erinnerung bleibt.

Läuft derzeit im Cineplexx Hohenems

Trailer zu Macbeth

weiterführende Links:

Macbeth

weiterführende Links:

Macbeth

ähnliche Beiträge:

Shakespeare und das Kino

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.