Es kann nur einen geben

12.10.2015 Kurt Bracharz

Ein in Linz lebender Mathematiker wies mich neulich im Gespräch darauf hin, dass der Sieger der oberösterreichischen Landtagswahlen eindeutig der Landeshauptmann Josef Pühringer war. Er bzw. seine Partei hatte die meisten Stimmen bekommen, war also Erster, und der Erste ist der Sieger einer Wahl. Auch wenn er gegenüber der vorigen Wahl Verluste erlitten hat und eine andere Partei ihren Stimmenanteil verdoppelt hat, das ist alles schnurz: Es kann rein rechnerisch nur einen Ersten geben, und alle anderen können vielleicht nächstes Mal Sieger werden, aber für dieses Mal ist das Rennen gelaufen, und sie haben nicht gesiegt.


Diese Bemerkung fiel mir am Abend der Wiener Wahl wieder ein, als einige der Talking Heads in der Glotze wieder die FPÖ als den «eigentlichen» Wahlsieger bezeichneten, weil sie stark zugelegt hatte, oder sogar die Handvoll Neos triumphieren sahen, weil sie immerhin den Einzug ins Stadtparlament geschafft hatten. Nur das Ergebnis der ÖVP ließ sich beim besten Willen nicht schönreden, das versuchte auch niemand.

Die Patent-Erklärung der drei «Kleinen» für ihr mäßiges (Grüne), marginales (Neos) oder miserables (ÖVP)Abschneiden lautete, es sei alles auf das Duell Häupl-Strache hinausgelaufen, die SPÖ hätte Stimmen gegen Strache von den Grünen «geliehen» bekommen, die Neos hätten wegen der allgemeinen Fixierung auf das Duell ihre viel wichtigeren Anliegen im Bildungsbereich etc. nicht ans Volk bringen können, und auch Lopatka meinte, die ÖVP sei irgendwie deshalb untergegangen. Vorher hatte es noch geheißen, es gehe ausschließlich um die Ausländerfrage, und die FPÖ-Propaganda sei schuld an dieser Verkürzung der Fragestellung.

Das immer noch rote Wien ist bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent mit ein paar blauen Flecken davongekommen, darunter einem ziemlich großen, dem Arbeiterbezirk Simmering. Dass die neuen Mundls die Blauen wählen, wusste man schon vorher, unklar ist nur, welches Missverständnis dieser Präferenz zu Grunde liegt. Für den wiedergeborenen Kreisky werden ja wohl auch die Simmeringer den Strache nicht halten.

Ein erfreuliches Detail der Bezirkswahlergebnisse: Ursula Stenzel wird nicht mehr Bezirksvorsteherin im 1. Wiener Gemeindebezirk sein. Bei der FPÖ wird auch sie feststellen müssen, dass man zwar den Verrat, nicht aber den Verräter liebt.


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