Hammer Films Edition

29.10.2015 Walter Gasperi

Vier Horrorfilme aus den Hammer-Studios hat Studiocanal in einer Box auf DVD herausgebracht. Das klingt vielversprechend - doch nicht alles, was aus dem Hause Hammer kommt, kann überzeugen. Einblick in Tendenzen des Horrorfilms der frühen 1970er Jahre bietet diese Edition aber immerhin.


In den späten 1950er Jahre belebte das britische Unternehmen Hammer Films mit Neuverfilmungen von «Dracula» und «Frankenstein» das Horrorgenre. Hier wurde nicht nur expressiv mit Farben gespielt, sondern mehr Gewicht konnte nun auch die erotische Komponente erhalten. Konnte man mit den Fortsetzungen in den frühen 1960er Jahren das Niveau der ersten Filme noch halten, so zeigten sich mit den Jahren doch Abnützungserscheinungen, aber auch neue Zielsetzungen.

Deutlich auf ein jugendliches Publikum ausgerichtet, sind die vier 1970 und 1971 gedrehten Filme, die nun bei Studiocanal in einer Box auf DVD erschienen sind. Nicht nur die Protagonisten, die bei «Dracula – Nächte des Entsetzens» (Roy Ward Baker, 1970) in die Fänge des Fürsten der Dunkelheit geraten, sind Studenten, sondern auch Jimmy Sangsters «Frankensteins Schrecken» (1970) beginnt mit dem noch studierenden Professor und lässt ihn dann auch als jungen Erwachsenen aus Leichenteilen einen neuen Menschen schaffen. Und auch im Mittelpunkt von Seth Holts «Das Grab der blutigen Mumie» (1971 steht nicht eine schon halbverweste ägyptische Mumie, die wieder zum Leben erwacht, sondern eine junge hübsche Göttin.

Typisch für die Entstehungszeit und den Blick auf das jugendliche Publikum ist hier auch die Forcierung der erotischen Komponente. Große Busen und tiefe Dekolletés kennzeichnen die jungen Frauen, die der Student in «Dracula» ebenso wie der junge Frankenstein der Reihe nach ins Bett holt. – Gezeigt wird letztlich dabei aber nicht allzu viel.

Von diesen Veränderungen abgesehen bewegen sich der «Dracula» und der «Frankenstein»-Film leider sehr im Formelhaften, wirken in ihren atmosphärelosen Kulissen und der stereotypen und flachen Figurenzeichnung billig und schnell gemacht. Wenig stimmig auch die zeitliche Verortung von «Dracula – Nächte des Entsetzens» und «Frankensteins Schrecken», wenn Kutschen und die bäuerliche Bevölkerung oder auch der Hörsaal einer Universität den Eindruck eines historischen Ambientes vermitteln, die Jugendlichen allerdings in ihrem Äußeren und ihren Frisuren direkt den frühen 1970er Jahre entsprungen scheinen.

Spärlich sind die originellen und ansatzweise auch witzigen Momente wie das Ende Draculas, den hier noch einmal Christopher Lee spielt, in einem Gewitter oder – letztlich allerdings wenig ergiebige – selbstreferenzielle Spielchen, wie der Umstand, dass der Freund der Protagonistin von «Das Grab der blutigen Mumie» wie der Regisseur des «Dracula»-Films von 1931 Tod Browning heißt.

Unterhaltung bieten diese Filme, die sich auch nur auf Charaktere, aber nicht die Handlung der Romane von Bram Stoker und Mary Shelley berufen, weniger durch geschickten Spannungsaufbau als vielmehr durch den – wohl unabsichtlichen – Hang zum Trash.

Mit Originalität punkten kann immerhin Jimmy Sangsters «Nur Vampire küssen blutig» (1970), in dem sich ein Schriftsteller in eine hübsche Vampirin verliebt. Hier spielt der Großteil des Films nämlich zur Abwechslung mal in einem Mädcheninternat, was die Gelegenheit bietet, einerseits zahlreiche junge Mädchen ins Bild zu rücken, andererseits den Biss des weiblichen Vampirs auch stark mit einer lesbischen Komponente zu verknüpfen.

An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienenen DVD die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf Trailer und eine Fotogalerie.

Trailer zu «Nur Vampire küssen blutig»

  • Dracula - Nächte des Entsetzens (Roy Ward Baker, 1970)
  • Frankensteins Schrecken (Jimmy Sangster, 1970)
  • Das Grab der blutigen Mumie (Seth Holt, 1971)
  • Nur Vampire küssen blutig (Jimmy Sangster, 1970)

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