The Martian - Der Marsianer

13.10.2015 Walter Gasperi

Bei einer Mars-Expedition wird ein für tot gehaltener Astronaut auf dem roten Planeten zurückgelassen. In lebensfeindlicher Umwelt muss er um sein Überleben kämpfen, kann aber auch Kontakt zur Erde herstellen, von wo eine Rettungsaktion gestartet wird. – Ridley Scott verzichtet auf großes Spektakel, sondern vertraut bei diesem Mix aus «Apollo 13» und «Robinson Crusoe» auf großartige Bilder, einen bestens aufgelegten Matt Damon und eine gehörige Portion trockenen Witzes.


Mit dem Weltraumfilm «Alien» gelang Ridley Scott Ende der 1970er Jahre der internationale Durchbruch. Verbreitete dort ein Ungeheuer auf einem Raumschiff zunehmend Schrecken, so verzichtet der Brite in seiner Verfilmung von Andy Weirs Roman auf jeden Horror und jedes Spektakel, inszeniert den Überlebenskampf des Astronauten Mark Watney (Mark Watney) als ausgesprochen lockere Angelegenheit.

Dramatisch ist der Beginn mit einem Sandsturm, der während einer Mars-Expedition aufzieht. Rasch muss die Crew ins Raumschiff zurück und den roten Planeten verlassen, doch Watney wird im Sandgestöber von einem Trümmerteil getroffen, verliert den Kontakt zu seinen Kollegen und wird für tot gehalten. Erst als der Sturm sich legt und das Raumschiff längst wieder Kurs Richtung Erde genommen hat, kommt Watney wieder zu sich.

Hoffnungslos scheint seine Lage, doch der Botaniker nimmt die Dinge recht locker, rechnet mit Galgenhumor damit, dass er kaum eine Chance hat, je wieder die Erde zu sehen, beginnt sich aber in der Station einzurichten, mit seinem Wissen Wasser herzustellen und ein Gewächshaus einzurichten, in dem er Kartoffeln anpflanzt. Bald kann er auch Kontakt zur Erde herstellen, von wo aus versucht wird, eine Rettungsaktion zu starten, doch sowohl die NASA als auch Watney selbst müssen auch Rückschläge einstecken.

Im Kern ist «The Martian» in der rein funktionalen Verwendung des Schauplatzes und der Raumfahrt damit weniger ein Science-Fiction-Film als vielmehr ein universeller Film über die Fähigkeit des Menschen eine aussichtslose Lage einerseits mit Optimismus und Humor, andererseits mit seinem Wissen, seinem Denkvermögen und teilweise auch ungewöhnlichen Lösungsansätze, zu denen auch der Einsatz der eigenen Exkremente zählt, bewältigen zu können. Dass sich damit Watneys Probleme auf dem lebensfeindlichen Planeten so rasch und reibungslos lösen, ist freilich trotz angeblich durch aktuelle Theorien gestützter technischer Details wenig realistisch. Vergnügen bereitet «The Martian» dennoch.

Denn das ist zunächst einmal ein visuell grandioser 3-D-Film (Kamera: Dariusz Wolski). Großartig, aber nie selbstzweckhaft, sondern ganz der Geschichte untergeordnet sind nicht nur die Mars-Bilder, die im jordanischen Wadi Rum gedreht wurden, sondern auch die Bilder der Schwerelosigkeit an Bord der Raumstation und die Weltraumaufnahmen.

Großartig ist auch Arthur Max´ Production Design vom Raumschiff bis zur Nasa-Zentrale, das aber ebenfalls nie breit ausgestellt wird, sondern einfach nur da ist. Spaß macht es so einfach zuzusehen, wie locker der mit sichtlichem Vergnügen agierende Matt Damon als Watney mit seiner Situation umgeht. Kein schweres Drama über beklemmende Einsamkeit auf einem fernen Planeten und einen quälenden Überlebenskampf ist das, sondern ein erstaunlich leichtes, mit einer gehörigen Portion trockenen Witzes garniertes Weltraumdrama im Stil von «Robinson Crusoe». Verzichtet wird dabei nicht nur weitgehend auf das bei solchen Filmen sonst übliche Technik-Gequatsche, sondern auch auf einen philosophischen Unterbau.

Zur locker-flockigen Tonlage trägt freilich auch ein ungewöhnlicher Soundtrack bei. Weil Watney nur die Musiksammlung von Commander Lewis (Jessica Castain) geblieben ist, sieht er sich gezwungen Disco-Hits wie Donna Summers «Hot Stuff» oder «Waterloo» von Abba anzuhören. Trefflich wird so teilweise auf der Musikebene bis hin zu «I will survive» von Gloria Gaynor, das dem Nachspann unterlegt ist, Watneys Situation kommentiert. Nicht fehlen darf dabei freilich auch David Bowies «Starman», den Scott einer großartigen, rund vierminütigen Montagesequenz unterlegt, in der die verschiedenen Schauplätze verknüpft werden.

Die Leichtigkeit führt freilich auch dazu, dass «The Martian» nie ein lange nachwirkendes und tiefschürfend existentielle Fragen aufwerfendes Drama wie Alfonos Cuarons «Gravity», Duncan Jones´ «Moon» oder J. C. Chandors wortloses Seefahrerdrama «All Is Lost» wird. Auch aufgrund des Pendelns zwischen mehreren Schauplätzen kann Scotts Film nie die Dichte, Durchschlagskraft und Tiefe dieser großen Filme erreichen.

Von einem Meisterwerk kann man folglich sicher nicht sprechen, aber im umfangreichen, aber auch sehr inhomogenen Werk des 77-jährigen Briten gehört «The Martian» sicher zu den stärkeren Filmen, überzeugt nach dem bombastischen Moses-Film «Exodus», der schrägen Cormac McCarthy-Adaption «The Counselor» und dem wenig inspirierten «Robin Hood» gerade durch die Reduktion auf eine im Grunde kleine, geradlinig erzählte Geschichte sowie die entspannte, ebenso souveräne wie spielerisch-leichte Inszenierung.

Man spürt hier einfach, dass ein Vollprofi am Werk ist, der sein Handwerk sicher beherrscht, immer Herr der Lage ist und die Zügel sicher im Griff hat. Dass das Ganze eine ziemlich rührselige Angelegenheit ist, dass sogar eine internationale Zusammenarbeit zur Rettung des Verlorenen zustande kommt, muss man dabei wohl in Kauf nehmen. Genug Schönheiten um darüber hinwegzusehen, bieten diese 140 entschlackten Minuten, die den Zuschauer nicht erschlagen, sondern ihm Zeit zum Sehen und Staunen lassen, aber auch einen hochdramatischen Showdown im Weltraum bieten, dennoch.

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Trailer zu «The Martian - Der Marsianer»

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