Runaway - Spinnen des Todes

11.02.2016 Walter Gasperi

Der Untertitel weckt falsche Erwartungen, denn es handelt sich hier nicht um einen Horrorfilm, sondern um einen in der nahen Zukunft spielenden Thriller, in dem ein Cop einen Gangster jagt, der gefährliche Computer-Chips an den Meistbietenden – und das heißt an Mafia und Terroristen – verkaufen will. Bei Koch Media ist Michael Crichtons zwar insgesamt recht konventioneller, aber spannender Film auf DVD und Blu-ray erschienen.


Science-Fiction war beim 2008 verstorbenen amerikanischen Autor Michael Crichton immer auch Science und nie von jeder Realität abgehobene Fantasy. Vorlagen lieferte er zu Robert Wises «Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All» (1971) ebenso wie zu Steven Spielbergs «Jurassic Park». Crichton verschaffte sich aber nicht nur als Autor einen Namen, sondern verfilmte auch einige seiner 26 Romane und 11 Drehbücher selbst.

Durchaus packende Unterhaltung gelang ihm dabei nicht nur mit dem Krankenhausthriller «Coma» (1978), sondern auch 1984 mit «Runaway – Spinnen des Todes». Warnt «Coma» vor illegalem Organhandel, so zeigt «Runaway» die Gefahren einer voll technisierten Welt und des möglichen Missbrauchs der Technik.

Stark und ungewöhnlich ist dieser Thriller in der Schilderung eines von Robotern bestimmten Alltags. Statt Verbrechen aufzuklären muss Sergeant Ramsay (Tom Selleck) hier mit seiner Kollegin Roboter, die in der Landwirtschaft, auf Baustellen oder im Haushalt nicht mehr ordnungsgemäß ihren Dienst verrichten, ausschalten. Auffallend ist freilich bald nicht nur die rasante Zunahme dieser Fälle, sondern auch die Aggressivität, die ein Haushaltsroboter entwickelt.

Gegenbeispiel dazu ist Ramsays privater Roboter, der ihm die verstorbene Frau ersetzt und sich auch um seinen Sohn Bobby kümmert. Witz entwickelt der Film im Blick auf diesen Roboter, der bald eifersüchtig auf Ramsays neue Partnerin reagiert. Vorhersehbar ist damit schon, wie «Runaway» enden wird und auch den Bösewicht erkennt man auf den ersten Blick.

Auf die konventionellen Bahnen einer Verbrecherjagd begibt sich somit dieser Thriller etwa ab der Hälfte, kann aber trotz stereotyper Figuren durchaus die Spannung bis zum Ende hochhalten, kommt nicht wie eine anonyme Retortenproduktion daher, sondern bewahrt Eigenheiten und Charme.

Das liegt auch am zwar gezielten, aber nie übermäßig forcierten Spiel mit Vorbildern und Zitaten. Denn wenn Ramsay an Höhenangst leidet, Probleme hat dem Verbrecher in einem Treppenhaus zu folgen und sich der Showdown auf einer Hochhaus-Baustelle abspielt, wird man unweigerlich an Hitchcocks «Vertigo» denken, der zumindest in einer Einstellung auch explizit zitiert werden dürfte.

Gleichzeitig weckt der Tod eines Haushaltsroboters Erinnerungen an das Ende des Bordcomputers Hal 9000 in Kubricks «2001» und auch die Aussage Ramsays, dass fehlerhafte Menschen Roboter bauen, die dann verständlicherweise wieder fehlerhaft sind, erinnert an die Filme Kubricks.

Solid und durchaus spannend ist das inszeniert und auch die Schauspieler agieren, angeführt von Tom Selleck, der damals als Hauptdarsteller der TV-Serie «Magnum» ein Star war, routiniert, ohne freilich den Figuren nachhaltig Profil verleihen zu können. Nur eine Nebenrolle spielen hier die im Untertitel angeführten Spinnen, die freilich auch nicht real, sondern elektronisch sind.

An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalversion und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den englischen und den deutschen Kinotrailer sowie auf eine Fotogalerie.

Trailer zu «Runaway - Spinnen des Todes»

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