Das Schießen / Der Ritt im Wirbelwind

08.10.2015 Walter Gasperi

Im Stil eines absurden Theaters erzählt Monte Hellman in seinen beiden 1966 gedrehten Western in weiter, offener Landschaft von Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz. Bei Paragon Movies sind die beiden von Jack Nicholson coproduzierten Kultfilme auf DVD und Blu-ray erschienen.


Setzte Anfang der 1960er Jahre mit Sam Peckinpahs «Ride the High Country» (1962) und John Fords «The Man Who Shot Liberty Valance» (1962) der Spätwestern ein, so folgte wenige Jahre später mit den Filmen Monte Hellmans die Dekonstruktion des Genres, die Reduktion auf archetypische Szenen, die Befreiung von zeitlicher Verortung durch weitgehenden Verzicht auf Kulissen und Wahl zeitloser Schauplätze.

«The Shooting» beginnt an einem Fluss mit dem Goldgräber Willett Gashade (Warren Oates). Von Anfang an verbreiten die Kameraeinstellungen und Gashades Verhalten eine Stimmung der Unsicherheit und ein Gefühl beobachtet zu werden. Als er zu seinem Berggräbercamp zurückkehrt, stößt er auf seinen verwirrten und zutiefst verängstigten Kumpel Coley (Will Hutchins), der ihm berichtet, dass ein weiterer Kumpel getötet wurde, während Gashades Bruder geflohen sei.

Bald taucht auch eine namenlos bleibende Frau (Millie Perkins) auf, die Gashade und Coley als Führer durch die Wüste anheuert. Sie kommandiert die beiden Männer herum, ändert die Route, gibt mit Schüssen dem ihnen folgenden Kopfgeldjäger Billy Spear (Jack Nicholson) Signale, bis dieser sich direkt dem Trupp anschließt und die beiden Führer zu terrorisieren beginnt.

Immer karger wird die Landschaft, immer prekärer ihre Situation. Bald verliert der kleine Trupp ein Pferd, dann lassen sie Coley auf Befehl des Kopfgeldjägers in der Wüste zurück. Das Wasser wird knapper, ein weiteres Pferd bricht zusammen, bis sich Gashade und Spear im Wüstensand einen erbitterten Faustkampf liefern und es in den Bergen zwischen der Frau und dem von ihr gesuchten Mann zu einem Schusswechsel kommt. Ohne Hoffnung endet der Film in der Wüste.

Auf jede Psychologisierung und jede Erklärung für das Handeln verzichtet Hellman, verstärkt die Beunruhigung und Irritation, die schon die Wüstenlandschaft auslöst, noch durch eine ungewöhnliche Flötenmusik. Die Protagonisten von «The Shooting» bewegen sich zwar vorwärts, doch zunehmend absurder wird ihre Reise und es kann kaum verwundern, dass sie ihr Ziel nicht erreichen.

Schuld daran ist aber weniger die lebensfeindliche Landschaft als vielmehr die Figuren selbst, denn sie zerfleischen sich gegenseitig. Jeder Heroismus fehlt somit diesem Film, vielmehr kann man im pessimistischen Blick auf den Menschen eine Spiegelung der Krise der USA in den 1960er Jahren sehen.

Nicht ganz so weit wird die Reduktion und Abstraktion in «Ride in the Whirlwind» getrieben und nicht ganz so pessimistisch endet dieser Film. Unvermittelt setzt aber auch hier die Handlung mit einem Überfall auf eine Postkutsche ein, widmet sich aber danach drei Cowboys, die einen Gehängten passieren und schließlich zum Blockhaus der Postkutschenräuber kommen, in dem sie Unterschlupf für eine Nacht suchen. Als sich aber ein Suchtrupp des Sheriffs nähert, gerät das Trio zwischen die Fronten, wird ebenfalls für einen Teil der Bande gehalten und beschossen, doch zwei können – zumindest vorerst – fliehen.

Die Handlung ist auf Verfolgung und Flucht reduziert, nichts erfährt man über die Biographie und persönliche Situation der Figuren, auf jede Psychologisierung wird auch hier verzichtet. Und wie in «The Shooting» spielt die Handlung in einer lebensfeindlichen, halbwüstenhaften Gegend.

Eine Blockhütte bietet hier nicht nur Schutz, sond ern kann auch zum tödlichen Gefängnis werden, eine Farm bietet in dieser Wildnis nicht nur ein Zuhause, sondern ist auch ein Ort größter Einsamkeit.

Karg und spröd sind diese Filme in ihrer lakonischen Erzählweise, im bewussten Verzicht dem Zuschauer Identifikationsfiguren anzubieten, aber auch faszinierend in dieser Entschlacktheit, in ihrem Blick auf Menschen, die durch eine weite Landschaft reiten, in der sie einerseits verloren wirken, andererseits aber auch gefangen sind und für die es kaum Entkommen gibt. eneinem gelingt es hier am Ende in den Sonnenuntergang zu reiten.

An Sprachversionen bieten die bei Paragon Movies erschienenen Blu-ray und DVD die englische Originalfassung und zwei deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf einen Trailer zum ebenfalls bei diesem Label erschienenen «Hells Angels on Wheels».

  • The Shooting
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  • Ride in the Whirlwind
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