Piranhas

19.11.2015 Walter Gasperi

Genmanipulierte Piranhas brechen aus einem militärischen Forschungsgebiet aus und fressen sich durch einen amerikanischen Fluss. – Joe Dantes 1978 gedrehter Tier Horrorfilm ist zwar ein Ableger von Steven Spielbergs «Jaws», überzeugt aber mit stringenter Handlungsentwicklung, Lust am Doppelbödigen und Spitzen gegen Militär und Politik. Bei Koch Media ist dieser von Roger Corman produzierte B-Film als zweiter Titel in der «Creature Features Collection» auf DVD und Blu-ray erschienen.


Zwei jugendliche Wanderer durchbrechen nachts eine Absperrung, baden in einem Becken und schon spritzt das Blut, kippt der Badespaß in puren Horror. Erst jetzt folgt der Vorspann.

Joe Dante fackelt nicht lange, eröffnet seinen Film wie Steven Spielberg «Jaws - Der weiße Hai» mit einer hochdramatischen Szene, mit der er dem Zuschauer auch einen Wissensvorsprung verschafft. Geschickt kann er damit in der Folge Suspense aufbauen, denn während die Filmfiguren ahnungslos sind, fürchtet der Zuschauer bei jedem Griff ins Wasser einen Angriff aus der Tiefe.

In knappen Zügen werden eine Detektivin (Heather Menzies), die nach den Vermissten sucht, und ein in der Nähe des Sperrgebiets in der Wildnis lebender Mann (Bradford Dillman), dessen Tochter in einem Feriencamp weiter unten am Flusslauf weilt, vorgestellt und zusammengeführt. In der militärischen Anlage treffen sie auf einen Forscher, der das Duo nach Zögern über das militärische Forschungsprojekt informiert, durch das es den Piranhas möglich wurde, auch in kalten Gewässern und sogar im Salzwasser zu überleben.

Weil die Detektivin aber das Wasser aus dem Becken auslaufen ließ, verbreiten sich die Piranhas nun im Fluss, greifen zunächst einzelne Personen an, stellen dann – in sukzessiver Steigerung des Blutzolls - auf ihrem Weg Richtung Meer aber auch für das Ferienlager und ein Ferienresort, das gerade eröffnet wird, eine Gefahr dar.

Die Handlung ist ziemlich vorhersehbar, doch deren stringente Entwicklung, die Verzögerung einer Rettung durch den Umstand, dass den Warnungen des ungleichen Duos niemand Gehör schenkt, das Spiel mit der Zuschauererwartung durch sein Mehrwissen und die Perspektivenwechsel zwischen Badegästen und Piranhas sorgen für Spannung.

Das Beste an diesem Tier-Horrorfilm ist aber zweifellos die Lust von Joe Dante und seinem Drehbuchautor John Sayles an bösem Witz und Doppeldeutigem sowie die politischen Seitenhiebe.

Da reden die Teenager von blutiger Rache, bevor sie ins Becken springen, die Detektivin spielt ein Computerspielt mit dem Namen «Jaws», im Ferienresort liest ein Gast «Moby Dick», im Fernsehen läuft einmal Jack Arnolds «Creature from the Black Lagoon», im Ferienlager erklären die Leiter, dass man sich vor dem Wasser nicht fürchten müsse, da doch nur kleine und harmlose Fische drin seien – der Zuschauer weiß freilich, dass dem nicht so ist - und, während das Grauen naht, wird in der Werbung noch von einem malerischen Flusstal gesprochen.

Spaß macht auch, wie sich der Film selbst nicht allzu ernst nimmt, sich Dante komödiantische Einlagen erlaubt, wenn die Piranhas ein Floß zerlegen, wenn die Detektivin einem Polizisten die Hose ausziehen muss, um an die Schlüssel zu kommen. Weder die Spannung noch die Spitzen gegen Militär, Politiker und Forscher haben aber darunter zu leiden.

Da wird mit dem Einsatz von Spezialwaffen im Vietnamkrieg, die sich auch gegen Zivilisten richten, ebenso abgerechnet wie mit militärischer Forschung und der Vertuschung von Pannen und Katastrophen. Aber auch die Wissenschaftler, die sich in den Dienst der Militärs stellen und sich keiner Verantwortung für die Folgen bewusst sein wollen, bekommen ihr Fett ab.

Dabei wird freilich auch der Missstand kritisiert, dass für militärische Forschung wesentlich mehr Geld aufgewendet wird als für zivile. Und schließlich steht auch die Politik in schlechtem Licht, wenn der Bürgermeister ohne Rücksicht auf die drohende Gefahr das neue Freizeitzentrum eröffnet, erst geschockt reagiert oder vielleicht auch nur den Geschockten spielt, als es Opfer gibt.

An Sprachversionen bietet der bei Koch Media als zweiter Titel der «Creature Features Collection» auf DVD und Blu-ray erschienene Film die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben diversen Trailern, einer Bildergalerie, nicht verwendeten Szenen und einem Featurette «Behind the Scenes» vor allem einen – allerdings nur englischen Audiokommentar von Regisseur Joe Dante und Produzent Jon Davison.

Trailer zu «Piranhas»

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