Mörderspinnen - Kingdom of the Spiders

15.10.2015 Walter Gasperi

Statt Insekten suchen sich Spinnen in Arizona Rinder und schließlich Menschen als Nahrung. – John «Bud» Cardos´ gelang 1977 mit «Captain Kirk» William Shatner in der Hauptrolle ein kompakter und spannender Horrorfilme im Stil von Jack Arnolds Klassiker «Tarantula!». Das starke B-Movie ist bei Koch Media als erster Titel der Reihe «Creature Features Collection» auf DVD erschienen.


Nach Ansichten der roten Sandsteinlandschaft von Arizona und einen Country Song zum Vorspann setzt die Handlung ansatzlos ein. Man ahnt schon, dass das Böse naht, wenn ein Bauer stolz auf sein Kalb ist, und übernimmt als Zuschauer auch die Perspektive der Spinnen, wenn die Krabbeltiere das Kalb angreifen.

Als das Tier wenig später schwer erkrankt, tritt Tierarzt «Rack» Hansen (William Shatner) auf, der wiederum eine Blutprobe an die Uni schickt, von der bald eine Insektenkundlerin eintrifft. So entwickelt sich einerseits eine Beziehung zwischen dem Womanizer «Rack» und der Städterin, andererseits steigert sich die Bedrohung zunehmend. Werden zunächst nur Tiere angegriffen, so gibt es ziemlich genau in der Mitte des Films den ersten toten Menschen.

Bald fallen die Spinnen auch in großer Zahl über die Stadt her, während sich «Rack» mit einer kleinen Truppe in einem im Wald gelegenen Hotel verschanzt, wo sich «Mörderspinnen» quasi zum Home-Invasion-Thriller entwickelt.

Geradlinig und stringent ist das erzählt, orientiert sich an Jack Arnolds «Tarantula!» ebenso wie an Hitchcocks «The Birds» und an Steven Spielbergs «Jaws – Der weiße Hai». Nicht ins Riesige wachsen lässt freilich John «Bud» Cardos seine Spinnen, sondern belässt ihnen die normale Größe, lässt sie aber ihre Nahrung ändern.

Als wahrhafte Monster hinter den Tieren erscheinen so die Menschen, die durch Bespritzen mit Pestiziden die ursprüngliche Nahrung der Spinnen vernichteten und diese veranlassten sich umzustellen. Bestimmte den Horrorfilm der 50er Jahre die Angst vor Atombombe und Radioaktivität, so ist es im Horrorfilm der 1970er Jahre, in denen der Umweltschutzgedanke an Gewicht gewann, die vermeintlich heilbringende Chemie, die sich als Büchse der Pandora entpuppt.

Gleichzeitig bekommen wie in «Jaws» auch die Politiker ihr Fett ab. Während dort der Bürgermeister den Strand trotz Haigefahr wegen der bevorstehenden Sommersaison nicht schließen will, stellt er sich hier gegen eine Quarantäne für die Farm, weil damit die Besucher bei der anstehenden Landwirtschaftsausstellung, die für die Region großen Profit bringt, ausbleiben würden. Stattdessen gibt er Befehl die Gefahr mit Pestiziden zu bekämpfen, was freilich zu einem Schuss nach hinten wird.

Überraschungen mag «Mörderspinnen» abgesehen vom Ende, das zur pessimistischen US-Stimmung der 70er Jahre mit Vietnam-Kriegs-Trauma und Watergate-Skandal passt, wenig bieten, versteht es aber bis zum Ende Spannung und Schrecken zu verbreiten. Das liegt einerseits am geschickten Handlungsaufbau mit sich sukzessive steigender Bedrohung und zunehmender Verschärfung des Tempos von langsamem Beginn zu geradezu hysterischem Finale, andererseits aber auch am Aufbau einzelner Szenen. Nicht auf Schock setzt «Bud» Cardos, sondern erzeugt immer wieder Momente der Bedrohung, bei denen der Zuschauer mehr weiß als die Figuren und ihn folglich um diese zittern lässt.

Und schließlich wird hier natürlich auch Unbehagen und Angst erzeugt durch die Wahl der auch im Alltag verbreiteten, aber bei der breiten Öffentlichkeit wenig beliebten Tierchen als Aggressoren. – Auf einem anderen Blatt steht freilich, dass dabei laut Wikipedia zahlreiche der 5000 benutzten Spinnen getötet wurden und die Produktion des Films damit wohl kaum heutigen Tierrechtsvorschriften entspricht.

An Sprachversionen bietet die bei Koch-Media als erster Titel in der «Creature Features Collection» erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem deutschen und englischen Trailer sowie Interviews mit Hauptdarsteller William Shatner und Autor Stephen Lodge Features zum Spinnentrainer sowie zum Geschehen während der Dreharbeiten, vor allem aber einen Audiokommentar von Regisseur Cardos, Produzent Igo Kantor, Spinnentrainer Jim Brockett und Kameramann John Morrill.

Trailer zu «Mörderspinnen - Kingdom of the Spiders»

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