Knight of Cups

15.09.2015 Walter Gasperi

Auf der Suche nach Lebenssinn lässt Terrence Malick Christian Bale als erfolgreichen, aber ausgebrannten Drehbuchautor durch die hohle Partywelt Hollywoods schweifen, sich an eine gescheiterte Ehe und einen übermächtigen Vater erinnern. – So grandiose Bildfolgen und Tonmontagen der assoziative Fluss von fragmentarischen Szenen auch bietet, so sehr dreht sich der zweistündige Bilderrausch doch im Kreis und ermüdet mit seinen Wiederholungen.


Nur fünf Filme hat der 1943 geborene Texaner Terrence Malick zwischen 1973 und 2011 gedreht, um dann in den letzten vier Jahren gleich drei zu vollenden. Während er von «Badlands» (1973) über «Days of Heaven – In der Glut des Südens» (1978) und «The Thin Red Line – Der schmale Grat» (1998) bis zu «The New World» ( 2005) noch mehr oder weniger geradlinig Geschichten erzählte, so nimmt er die Narration seit «The Tree of Life» (2011) zunehmend zurück, entwickelt Szenen immer fragmentarischer und setzt auf einen assoziativen Bilderstrom.

Damit einher geht auch, dass die Dialoge immer mehr gegenüber Voice-over und Off-Erzähler, die bei Malick schon immer eine wichtige Rolle spielten zurückgenommen werden. So setzt auch «Knight of Cups» mit von Ben Kingsley gesprochenen Passagen aus John Bunyans «The Pilgrim´s Progress» ein, das von einer Suche nach dem und einer Pilgerreise ins verheißene Land erzählt.

Malicks Pilger oder «Knight of Cups» – der Titel bezieht sich auf eine Tarot-Karte – ist der erfolgreiche, aber ausgebrannte Drehbuchautor Rick (Christian Bale), der nach einem tieferen Sinn seines Lebens zu suchen beginnt. «From Darkness to Light» soll sein Weg führen und Autofahrten durch Tunnels, das Eintauchen ins mal klare Pool-, mal schlammige Ozean-Wasser, das vergebliche Haschen von Hunden nach Tennisbällen im Pool ebenso wie die Geschichte von der Perle im Meer aus «The Pilgrim´s Progress» verweisen immer wieder auf diese Bewegung. Ein Erdbeben scheint Rick zu erschüttern, doch bei seiner Sinnsuche dreht er sich im Kreis.

So sehr die gleitenden und kreisenden Kamerabewegungen von Emmanuel Lubezki, der fließende, einen Sog erzeugende Schnitt (Geoffrey Richman, Keith Fraase, A.J. Edwards) und die Tonmontage mit wechselnden Erzählern, Musik und ganz sparsamem Dialog zunächst begeistern, so sehr wiederholen sich die Szenen bald mehr oder weniger.

Zusammengehalten nur durch den Protagonisten Rick mischen sich hier Erinnerungen an seine Ex-Frau (Cate Blanchett), an seinen übermächtigen Vater (Brian Dennehy) und den Selbstmord seines Bruders, Begegnungen mit seinem zornigen zweiten Bruder und immer wieder Besuche von Partys mit zahlreichen leicht bekleideten jungen Frauen in der ebenso prunkvollen wie dekadenten, oberflächlichen Scheinwelt Hollywoods.

Rick streift bald durch Kulissenstädte oder leere Fabrikshallen, vergnügt sich mit zwei Prostituierten in einem Hotel, verbringt Zeit mit seiner Geliebten (Natalie Portman), knüpft bei einem Fotoshooting Kontakt zu einem Model (Freida Pinto) und in einem Sexclub zu der Stripperin Karen (Teresa Palmer).

Gleichzeitig führt ihn seine Suche von dem von modernen Stahl- und Betonbauten dominierten Hollywood immer wieder ans Meer und in die Wüste. Der Kultur und Zivilisation stellt Malick damit die Natur gegenüber. Wenn Bale dabei in der Wüste immer wieder vor einem Berg steht, weckt das Erinnerungen an Moses und kann natürlich auch als ein Spiel mit Bales Rolle in Ridley Scotts Moses-Film «Exodus» angesehen werden.

Schließlich lässt Malick seinen Pilger auch einem Prediger (Armin Müller-Stahl) begegnen, der ihn von der Bedeutung des Leids als einem Geschenk Gottes überzeugen will, bis der Film mit einer Autofahrt ins offene Land – ins Nirgendwo - endet.

«Freiheit» heißt zwar das letzte der acht, laut Wikipedia nach Tarot-Karten benannten Kapitel von «Knight of Cups», doch ob Rick nun Freiheit oder Sinn gefunden hat, lässt sich bei diesem assoziativen Strom sehr fragmentierter Szenen letztlich so wenig entscheiden, wie die Frage, welche Szenen nur Erinnerung und welche real sind.

So grandios das aber auch gefilmt ist, so begeisternd einzelne Szenen sind, so unbefriedigt lässt Malicks siebter Film letztlich zurück, weil sich der Film eben wie der Protagonist im Kreis dreht, weil sich die an Sorrrentinos «La grande bellezza» und Fellinis «La dolce vita» erinnernde Vorführung der Partywelt Hollywoods nach gewisser Zeit ebenso in Wiederholungen erschöpft wie seine Kontakte zu Frauen oder die Fahrten in die Wüste.

Mehr nervend und hohl wirken auf die Dauer auch die unterschiedlichen Erzählstimmen, weil hier eben auch in Variationen immer wieder das Gleiche wiederholt, aber nichts weiter getrieben wird und zudem ausgiebig Phrasen gedroschen werden.

Dazu kommt freilich, dass Malick hier – abgesehen vom Blick auf die hohle Filmwelt – weitgehend Motive aufgreift, die sich schon in «The Tree of Life» fanden. Auch hier gibt es Kindheitserinnerungen, einen übermächtigen Vater und einen verstorbenen Bruder und die Rolle des verlorenen Erwachsenen, der verzweifelt nach Sinn sucht, die in «The Tree of Life» Sean Penn spielte, übernimmt hier Christian Bale. Wie eine Variation dieses Meisterwerks wirkt so «Knight of Cups» in vielem, nur dass hier eben die kosmologische und evolutionsgeschichtliche Ebene fehlt, die wesentlich zur Bildmacht und Faszination, die dieser Vorgängerfilm ausstrahlte, beitrug.

Kinok, St. Gallen: Fr 18.9., 19.15 Uhr; Sa 19.9., 21.30 Uhr; Mi 23.9., 18.15 Uhr (engl. O.m.U.)

Trailer zu «Knight of Cups»

Kinok - Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7
CH-9000 St.Gallen
T: 0041 (0)71 245 80 89
F: 0041 (0)71 245 80 89
E: kinok@kinok.ch
W: http://www.kinok.ch
weiterführende Links:

Knight of Cups

Kinok - Cinema in der Lokremise
Grünbergstrasse 7
CH-9000 St.Gallen
T: 0041 (0)71 245 80 89
F: 0041 (0)71 245 80 89
E: kinok@kinok.ch
W: http://www.kinok.ch
weiterführende Links:

Knight of Cups

ähnliche Beiträge:

The Tree of Life

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.