Das Zebra unterm Bett

… sieht man, wenn die Tücher unterm Hochbett mit einem Ruck beseite gezogen werden; oder wenn man das Buch von Markus Orths und Kerstin Meyer aufschlägt: Beide haben sich eine wunderbare Geschichte einfallen lassen, zum Verlieben und Gernhaben.


1. Die Story: Es ist früh am Morgen und irgendetwas hustet. Unglaublich: ein Zebra! Ein echtes Zebra! Ein lebendes, atmendes Zebra! In der Schule - dort muss Hanna wie jeden Tag hin - ist es flugs integriert, solange bis sich die Schulbehörde einschaltet. Frau Lehrerin Jeremias kratzt sich am und Herr Direktor Doktor Flausch wiegt sorgsam den Kopf. Bräuninger kann zwar lesen, schreiben, rechnen, aber ein Zebra in der Schule - das ist gegen die Vorschrift. Bräuninger muss weg, aber die Geschichte endet trotzdem nicht traurig, sondern mit einem Coup.

2. Die Helden: Bräuninger? Ein komischer Name für ein Zebra, aber so heißt es nun einmal. Bräuninger kann ein Palindrom («SEI, MEIN REITTIER, NIE MIES.») und fesselnd erzählen und zum Erzählen anregen. Traumstunde nennt er das.

3. Der Sound: «Bräuninger schlürft das braune Gebräu.» Hustensaft ist der Anlass für dieses Stabreimen. Orths Sprache hält unter Hand aber noch viele andere Feinheiten bereit. Ein Schenkelklopfer muss auch sein: «Als die beiden einen Zebrastreifen überquerten, sagte Bräuninger: »Hallo, du platte Sau, wer hat dich denn überfahren?«»

4. Coole Bilder: Kerstin Meyers Illustrationen kommen so leichtfüßig und raffiniert daher wie der Text. Tusche, ein wenig Blei- und Farbstift, Wasserfarben: fertig. Aber gekonnt!

5. Coole Wörter: Hannas Papas sind «homosensationell» und haben Hanna «adoptioniert». Ihre Mama hat sie nie kennen gelernt, und ihren «leidlichen» Vater auch nicht. Bräuninger hinwieder nimmt schon mal Wörter wie «Quantenchromodynamik» ins Maul.

6. Zum Nachdenken: Nutella oder Gras? «In der Schule sagen sie, Zebras fressen Gras.» (Hanna) - «In der Schule lernt man auch, dass Zebras nicht klettern können und nicht reden, oder?» (Bräuninger). Ist Bräuninger also «ein komisches Biest» (Direktor Flausch)? Hanna hat die bessere Antwort: «Bräuninger ist Bräuninger, nicht mehr und nicht weniger.»

7. Die Autoren und der Verlag: Kerstin Meyer hat schon einige Bücher von Cornelia Funke oder Christine Nöstlinger illustriert. Auch für Markus Orths - dessen Erwachsenen-Bücher nebenbei empfohlen werden - zeichnet sie ebenfalls famos! Und das alles erscheint in dieser kleinen feinen Moritz-Reihe, über deren Titel man nur schwärmen kann!

8. Das Buch: Markus Orths, Kerstin Meyer: Das Zebra unterm Bett. Frankfurt am Main: Moritz Verlag 2015, 69 Seiten, 10,30 Euro

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