Gevatter Tod will heiraten

31.08.2015 Kurt Bracharz

Der amerikanische Genpflanzen- und Saatgutkonzern Monsanto wird von seinen Gegnern gerne als skelettierter Sämann dargestellt, der – na was wohl? klar – den Tod aussät. Vorige Woche waren es vielleicht die Chinesen, die durch ihren Börsen-Crash unabsichtlich verhindert haben, dass Monsanto sich ein weiteres Standbein in der Pestizidproduktion zulegen konnte.


Monsanto will genmanipulierte Pflanzen zusammen mit den für diese maßgeschneideren Pestiziden verkaufen. Die Amerikaner umwerben deshalb schon seit 2011 den Schweizer Agrarchemiekonzern und führenden Pestizid-Hersteller Syngenta. Genau genommen und wie im Kapitalismus üblich, wollen sie ihn einfach kaufen. Anfang Mai 2015 boten sie 45 Milliarden Dollar, was das Management des Basler Unternehmens als zu niedrig zurückwies: die Zukunftsaussichten des Pestizidgeschäfts von Syngenta seien mehr wert. Monsanto legte noch einmal 2 Milliarden drauf, aber die Schweizer zierten sich weiter.

Um den 20. August herum gab es Gerüchte, dass Monsanto den Einsatz noch einmal erhöhen wolle, aber dann riss offenbar der von den Chinesen ausgelöste Kurssturz an allen Börsen die überspannten Erwartungen mit und Monsanto steigerte sein Angebot nicht nur nicht mehr, sondern zog es gleich ganz zurück. Der Aktienkurs von Syngenta, der während der Lizitation auf über 400 Franken hochgeschossen war, fiel wieder auf 310 Franken zurück – wie vor dem Publikwerden von Monsantos Ansinnen. Auch sonst fragen sich die Aktionäre, ob es schlau war, sich zu verweigern, Syngenta baut 1800 Stellen ab und will die Entwicklung neuer Produkte forcieren, was Geld kostet und einige Zeit dauern wird.

Monsanto als Weltführer im Geschäft mit Gentech-Saatgut hat mittlerweile seine Märkte in den USA und in Brasilien beinahe gänzlich gesättigt und muss sich nach neuen Abnehmern umschauen, Stichwort TTIP. Der Konzern wird sich einen kleineren Partner suchen müssen, Syngenta hatte bei den Verhandlungen über eine Fusion auch darauf hingewiesen, dass eine Vereinigung von Monsanto und Syngenta in vielen Ländern marktbeherrschend geworden wäre, was zum Beispiel die EU nicht akzeptiert hätte.
Die Imker konnten jedenfalls wieder einmal kurz aufatmen.


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