Ärztliche Kinderkrankheiten

11.07.2015 Bernhard Sandbichler

Der Kinderarzt Michael Hauch warnt vor der Lösung pädagogischer Probleme mithilfe medizinischer Diagnosen die zu Therapien mit fragwürdiger Wirksamkeit führen. Bei umweltbedingten Entwicklungsstörungen sind sie oft nicht das Richige, sondern: das Falsche.


  • Achse 1 und 7: Diagnose & Alltag
    Sprachverzögerung, Störung der Grob- und Feinmotorik, Koordinationsstörung, Störung der kognitiven Kompetenz, Aufmerksamkeitsstörung, Wahrnehmungsstörung - und immer neue Morbiditäten kommen dazu: schon ist das nicht normal entwickelte Kind ein medizinischer Fall. Therapien sollen reparieren: Logo, Ergo, Physio und noch 1000 andere Versprechungen bietet der Markt. Dabei sind die ErzieherInnen die wahren ExpertInnen. Diese Diagnose zu vermitteln ist schwierig und die wahre Herausforderung!
     
  • Achse 2: Prognose
    Wir müssen beginnen, vom Kind her zu denken. Wir werden erkennen, dass weniger mehr ist. Aber dazu braucht es Mut und Vertrauen: zu uns selbst, zu unseren Kindern und zum Leben.
     
  • Achse 3: Entwicklung
    Das Zeitfenster für die psychosoziale und kognitive Entwicklung steht für normal entwickelte Kinder in einer liebevollen und fördernden Familie lange Zeit sperrangelweit offen.
     
  • Achse 4: Intelligenz
    Gute TherapeutInnen trainieren das Kind und coachen die Eltern, so dass zuvor definierte Ziele erreicht werden können. Gute Therapien sind Beziehungstherapien: Eltern werden angeregt, sich mit dem Kind zu beschäftigen, Bindung aufzubauen und eine fördernde Umgebung zu schaffen, in der es sich entwickeln kann.
     
  • Achse 5: Körper
    Inhalt einer guten Therapie ist es, Möglichkeiten und Ziele zu formulieren und das Kind in seiner Eigenaktivität zu stärken, sodass es handelnd neue Erfahrungen machen kann und sich als selbstwirksam erlebt.
     
  • Achse 6: Psyche
    Unser Selbstbild entsteht durch das, was wir über uns von der Außenwelt lernen. Hält sie uns für dumm, hässlich und unnütz, fühlen wir uns schnell genau so. Das gilt im umgekehrten Fall ebenfalls: Wir fühlen uns intelligent, attraktiv und bereichernd.
     

Michael Hauch: Kindheit ist keine Krankheit. Wie wir unsere Kinder mit Tests und Therapien zu Patienten machen. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2015, 320 S., EUR 15,50


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