Des Bergers Kern

01.07.2015 Rosemarie Schmitt

Im Pressetext von NAXOS heisst es: Der Cellist Julius Berger hat mit seiner neuen Doppel-CD «Inspired by Bach» (Label: NIMBUS) musikwissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben. So weist er im Booklet dieser ausgesprochen spannenden CD nach, dass sich Melodien Bachs als Reverenz in weit mehr Werken bekannter Komponisten verbergen, als man bislang ahnte.


So konnte Berger etwa nachweisen, dass in Brahms‘ Sonate e-Moll Op.38 verschiedene Bach-Choräle verarbeitet sind. Auch in Beethovens Cellosonate Nr. 3, Op. 69 entdeckt Berger Bach-Einflüsse, ebenso in Werken Max Regers und Zoltán Kodálys. Zudem enthält die CD die neue Komposition «Relief Nr. 3» des 1985 geborenen Johannes X. Schachtner, die eigens für diese ganz besondere CD komponiert wurde. BR-Klassik erklärte dieses Album am 6. Juni 2015 zur «CD der Woche».

Ich freue mich, dass ich die CDs erst hörte, und anschließend erst das Booklet studierte (wofür in der Tat eigens ein Studium vonnöten wäre, es vollends beim einmaligen Lesen zu verstehen). Die musikwissenschaftliche Herangehensweise mag für den Interpreten sinnvoll für die Erarbeitung eines Werkes sein, meinen Hörgenuss indes schmälert ein Zuviel an Wissenschaft. Musik ist eine meiner sehr persönlichen Angelegenheiten. Was das Hören in mir bewirkt, hat in hohem Maße mit meinem Wesen, meinen Erfahrungen und deren Verknüpfungen zu tun. Musik ist ein Lebensgefühl. Die intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit einem Werk überlasse ich gerne dem Musiker. Ich genieße das Ergebnis.

Julius Berger sagt: «Die geistige Beschäftigung mit einem Werk wie der Brahmssonate führt den Interpreten zu einer inneren Haltung, zu einem Respekt gegenüber dem Schöpfer und seiner Schöpfung. Dies betrifft die Fragen der Klanggebung, der charakteristischen Mittel, der Wahl des Tempos. (...)» Wie bereits gesagt, ich genieße das Ergebnis, besonders in diesem Falle.

Berger überspannt den Bogen nämlich nicht, damit meine ich keineswegs den Cellobogen. Mögen seine Schlüsse und Deutungen der Zusammenhänge verrückt und wirr erscheinen, seine Interpretation strotzt nur so vor Ruhe, Wissen und Gelassenheit. Seine Cellospiel hat jene Tiefe, Kraft und Ausdrucksstärke, die sowohl der technischen Brillanz und Überlegenheit, als auch dem Denken über Sinn und Werk geschuldet sind.

Doch da gibt es noch jenen Part, dessen Interpretation mich nicht minder beeindruckt, wie das Cellospiel von Berger. Es ist der Mann am Klavier. Sozusagen des Bergers Kern. Möglicherweise zunächst als reiner Begleiter bestimmt, nimmt dieser Pianist mit jedem Takt für mich mehr musikalische Gestalt an. Seine Ausdrucksform beeindruckt mich zutiefst und das Klavierspiel rückt immer mehr in meinen Fokus – nein, dieses Klavierspiel! Das also ist des Bergers Kern! Oliver Kern, ein Pianist, von dem ich sicher noch mehr hören werde!

Sollten Sie diese, meine Aufnahme, «Inspired by Bach» (Nimbus NI 6302 / NAXOS) haben und hören wollen, so senden Sie mir bis zum kommenden Mittwoch die Antwort auf folgende Frage (an: w.rosemarie.schmitt.@gmail.com): Von wem stammt die Komposition «Relief Nr. 3», die eigens für diese CD geschrieben wurde? (Tipp: lesen Sie diesen Beitrag erneut) Möge das Glück mit Ihnen sein!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • 'Inspired by Bach'. Julius Berger & Oliver Kern
  • Der Pianist Oliver Kern; Foto: Boun Sook Koo
  • Julius Berger

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