Gusi, Schande des Dschungels

22.06.2015 Kurt Bracharz

Das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hatte Mitte Juni Fotos von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, Ex-Innenminister Otto Schily und Ex-Bundespräsident Horst Köhler auf seinem Titel, wobei diese Bilder wie Polizeifotos aufgemacht waren. Das Titelthema war: «Das Kasachstan-Komplott: Wie sich deutsche Politiker von den Millionen eines Diktators und seiner Diener locken ließen.»


Als regelmäßiger SPIEGEL-Leser der 1970er- und frühen 1980er Jahre, in denen man sich nahezu jeden Montag von diesem Magazin eine kleine oder größere Enthüllung zuungunsten der CDU/CSU erwarten konnte, hatte ich in den folgenden Jahrzehnten den sich von anderen deutschen Zeitschriften kaum noch unterscheidenden SPIEGEL nie mehr gekauft. Aber diese Titelgeschichte behandelte einen österreichischen Skandal, da würde es vielleicht doch interessant zu lesen sein, was ein deutsches Nachrichtenmagazin darüber schrieb.

Und das war dann auch so, vor allem, als sich der österreichische Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky als die im Untertitel angesprochenen «Diener» des kasachischen Diktators Nursultan Nasarbajew herausstellten. Ihre Dienste werden anscheinend sehr gut bezahlt: Laut SPIEGEL leitet Gusenbauer «den Lobbykreis der Kasachen, heuert neue Mitglieder an und soll deshalb 400.000 Euro im Jahr verdienen – deutlich mehr als die anderen Berater».

Hinsichtlich Gabriel Lansky, dem «Initiator und Drahtzieher» der ganzen Lobbyisten-Partie, die Nasarbajew als einen guten Mann hinstellen soll, zitierte DER SPIEGEL das österreichische Magazin «Profil», das den Geldfluss von Kasachstan zur Wiener Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger + Partner mit 14 Millionen Euro angibt.

Der SPIEGEL-Artikel handelt natürlich auch von der merkwürdigen Alijew-Affäre, in der sich Österreichs Justiz nicht mit Ruhm bedeckt hat, was da auch immer in Wirklichkeit passiert sein mag. Nasarbajews Schwiegersohn Alijew soll über 100 Millionen Euro veruntreut und zwei Menschen ermordet haben, was er zu einem Konstrukt des kasachischen Geheimdienstes erklärt hat. Sicher ist nur, dass er seinem Schwiegervater in einem 2009 veröffentlichten Buch dasselbe vorgeworfen hat, also Korruption und (Auftrags)morde, und dass er im Februar in der Untersuchungshaft erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde.

Aber in dieser Kolumne geht es um Gusenbauer, den «Sozialdemokraten», der sich nicht entblödet, seine Kasachstan-Connection mit den Worten zu verteidigen: «Natürlich hat das Land keine Westminster-Demokratie – aber es gibt keine politischen Gefangenen.» Letzteres liegt möglicherweise daran, das Nasarbajew keine Gefangenen macht ...

Schamröte kann man sich von abgehalfterten Roten wie Gusenbauer oder Schröder nun wirklich nicht erwarten, auch nicht angesichts von 400.000 Euro fürs Diktatoren-Lobbying, aber auch für den Österreicher gilt, was der Leserbriefschreiber Albert Waldhoff im folgenden SPIEGEL über die beteiligten Deutschen schrieb: «Eitel, schamlos, raffgierig und ehrlos! Überversorgte Politpensionäre schaffen es, über alle Parteigrenzen hinweg die Politikverdrossenheit zu fördern.»


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