Ein bekannter Vegetarier

15.06.2015 Kurt Bracharz

Knäckebrot: 20 Pakete von der Knäckebrotfabrik Badscheider, München. Knusperbrot: 20 Pakete von der Fa. Paul Mans, Dresden. Weizenflocken und Haferflocken: je 3 Pakete von der Nahrungsmittelfabrik Weghorn, Schwabach. Keimdiät: 3 Pakete von Dr. Grandls Pfladermühle, Augsburg. B – Tropon-Traubenzucker: 15 Pakete von den Tropon-Werken Köln-Mühlheim. Vitam A und R (Hefewürze): 2 Gläser von Vitam GmbH, Hameln.


Philozythin (Hefewürze): 1 Glas von Cenobis-Werke, München. Endokrines Vollsalz: 2 Pakete von der Fa. Madaus & Co, Radebeul. Hagebutten oder getrocknete Hagebuttenschalen: 2 Pakete von Madaus & Co, Radebeul,. Basica (basenüberschüssiger Mineralstoff): 4 Pakete von Fa. Klopfer, Dresden. Leinsamen: 1 kg vom Milch- und Fettwirtschaftsverband Bayern, München. Kamillentee: bisher von Apotheken bezogen Titrosalz: 2 Pakete, bisher von Apotheken bezogen

Diese Liste wurde am 30. Juli 1944 einem als «Geheime Reichssache» deklarierten Schreiben von Martin Bormann an Reichsführer der SS Heinrich Himmler beigeschlossen. Sie zählt auf, was an Lebensmitteln außer Obst, Gemüse und Kartoffeln sowie an Zusatzstoffen für Hitlers persönliche Diätküche monatlich zu beschaffen sei. Bormann schlug vor, die Waren durch die Sanitätszeugmeisterei der Waffen-SS in größeren Mengen zu besorgen und auf Lager zu nehmen.

«Von dort würden sie für die Diätküche angefordert und durch besonderen Kurier auf Abruf nach dem jeweiligen Aufenthaltsort des Führers geliefert. Selbstverständlich müssten sowohl hinsichtlich der mit dieser Aufgabe zu betrauenden Personen, als auch bezüglich des Einkaufes und der Aufbewahrung der Waren alle nur denkbaren Sicherheitsgarantien gegeben sein. Der Führer, dem ich die Angelegenheit vortrug, erklärte sich mit dieser Art des Warenbezugs einverstanden.»

Hitler äußerte sich über seine Essgewohnheiten zum Reichsjugendführer Baldur von Schirach: !Ich esse alles, was die Natur freiwillig hergibt: Obst, Gemüse, Pflanzenfett. Ich bitte, mir alles zu ersparen, was Tiere nur unfreiwillig hergeben: Fleisch, Milch und Käse. Vom Tier also nur die Eier.! Vegetarier waren auch Rudolf Heß und Heinrich Himmler. Himmler ließ im KZ Mauthausen Menschenversuche mit veganer Ernährung durchführen.

Hitlers Lieblingslokal in München war die «Osteria Bavaria» in der Schellingstraße, in der er mit Tischgenossen wie Himmler, Rosenberg, Schirach, Heß und Bormann die von einer österreichischen Köchin zubereitenen Mehlspeisen, Gemüseaufläufe und überbackenen Karfiol verspeiste. 1934 stellte der «Osteria»-Wirt Deutelmoser beim Gewerbeamt einen Antrag auf die Genehmigung des Ausschanks von Branntwein, in dessen Begründung er formulierte: «Wenn auch der Führer keinen Alkohol zu sich nimmt, so bringt er doch jedes Mal zahlreiche Begleitung mit, die ebenfalls zu bewirten ist. Es kommt zum Beispiel vor, daß nach einer anstrengenden Luft- oder Autofahrt die Begleitung wärmende Getränke (Tee mit Rum, Grog) oder aus anderen Gründen Branntwein verlangt.» Die Konzession zum Branntwein-Ausschank wurde umgehend erteilt.


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