Id/IoT/isches

08.06.2015 Kurt Bracharz

In der IT-Branche gibt es nur englische Bezeichnungen und die werden immer abgekürzt, was neben einer gewissen Vereinfachung auch den Zweck hat, Laien abzuschrecken. Den meisten genügt es zu wissen, dass sie mit dem Laptop ins Internet und mailen können, wenn sie sich in einem WLAN befinden, aber dass das die Abkürzung für «Wireless Local Area Network» ist, oder gar, was das nun auf Deutsch bedeutet, würden sie in die Abteilung «Unnützes Wissen» verweisen. Man spricht WLAN ja auch als «Wélan» aus.


oT ist die Abkürzung für Internet of Things, also das «Internet der Dinge». Das ist der neueste Hype und wird von manchen für den Beginn eines neuen Kondratieff-Zyklus oder gleich für eine neue industrielle Revolution gehalten. Mit einer exakten Definition tut man sich schon schwerer, der IT-Konzern Cisco zum Beispiel erklärt, IoT bedeute, dass sich «Internet und andere Netzwerke bis in Bereiche wie Fabrikanlagen, Energienetze, Gesundheitseinrichtungen und Verkehrswege ausdehnen».

Die Marktforscherfirma Gartner sagt es geschwollener: «Das Internet der Dinge ist ein Netz von dedizierten physischen Objekten (Dinge), die durch eingebettete Technologie ihren inneren Zustand oder die äußere Umgebung wahrzunehmen oder damit zu interagieren imstande sind. Das Internet der Dinge stellt ein Ökosystem dar, das die Dinge selbst, Kommunikation, Anwendungen und Datenanalysen umfasst.» Für das Jahr 2020 rechnet Gartner mit 25 Milliarden via Internet vernetzter Objekte. Inwiefern das ein «Ökosystem» sein könnte, bleibt Gartners Geheimnis.

(Einschub: Das Wort «dediziert» hat nichts mit «dezidiert» zu tun. Es kommt aus der IT-Technik und bedeutet in etwa «zugehörig», «zugeeignet», ein dedizierter Server beispielsweise wird ausschließlich vom Eigner benutzt.)

Ein simples Beispiel für das Internet der Dinge ist ein Smart-Home-System, also das «intelligente Haus», in dem eine Unzahl von Sensoren ständig alle möglichen Werte kontrolliert und gegebenenfalls SMS-Meldungen absetzt. Wenn die Wäsche aus der Waschmaschine in den Trockner soll, wenn der Braten im Rohr fertig ist, wenn der Rauchmelder etwas erschnuppert hat, wenn jemand das Haus oder einen bestimmten Raum betritt oder wenn man im Garten gießen sollte, dann schicken die Waschmaschine, der Herd, der Rauchmelder, die Türsensoren oder die Feuchtigkeitsmesser eine SMS an das Smartphone des Besitzers.

Der kann seinerseits, wo immer er unterwegs ist, die Heizung und die Klimaanlage mittels Handy fernsteuern oder mit der Beleuchtung, der Tiefkühltruhe oder dem Klo kommunizieren. Ist das nicht toll? Natürlich kann jeder Hacker, der nicht gerade selbstfahrende Autos sabotiert, das auch. Und Profi-Einbrecher werden sich für die Protokolle der zentralen Steuerung interessieren, die alles über das Haus und seine Bewohner verraten. Wenn jedes Ding im Internet eine eigene IP-Adresse besitzt, kann auch jeder Hacker darauf zugreifen. Dasselbe gilt natürlich für die industriellen Anlagen, wo feindliches Eindringen noch weit gefährlicher werden könnte.

Tröstlich ist bei alledem nur eines: Das Internet packt 25 Milliarden vernetzte Dinge kapazitätsmäßig nicht, jedenfalls nicht mit der heutigen Technik. Also hoffen wir, dass das intelligente Haus etc. doch weiter eine Spielerei von Gates & Co bleibt.


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