Der Staat als Beutelschneider

25.05.2015 Kurt Bracharz

Der Staat, der einem bisher nur in die Geldbörse gegriffen hat, will sie einem nun angeblich ganz wegnehmen. Die Abschaffung des Bargelds klang vor ein paar Jahren, als man zum ersten Mal davon hörte, nach einer Schnapsidee, die man eigentlich nicht diskutieren musste, so absurd schien sie. Jetzt liest und hört man allerdings in allen Medien davon, Auslöser war ein Interview mit einem deutschen «Wirtschaftsweisen» namens Peter Bofinger im SPIEGEL, der die Barzahlung als «Anachronismus» bezeichnet.


Ja, für alle die, die das nicht mitgekriegt haben, weil sie sich für die Ansichten von «Wirtschaftsexperten», «Wirtschaftsweisen» und «Topökonomen» nicht interessieren, sei es noch einmal gesagt: In deren Kreisen wird ernsthaft über die Abschaffung des Bargelds gesprochen. Der zuerst genannte Grund ist die Anonymität von Bargeld, durch deren Aufhebung Schwarzmarktgeschäfte aller Art schwierig gemacht werden sollen, der wirkliche Hintergrund dürfte die Angst der Banken sein, dass die Leute lieber zuhause Geld und Gold horten, als es ihnen «anzuvertrauen», und der Glaube der Notenbanken, durch Negativzinsen die Wirtschaft anschieben zu können (eine weitere Schnapsidee der «Wirtschaftsexperten»).

Dabei ist gar nichts oder nur wenig dagegen einzuwenden, mehr Transaktionen per E-Banking vorzunehmen oder im Supermarkt jeden Kaugummi mittels Karte zu bezahlen (von der Meinung der Leute in der Schlange an der Kasse hinter dem im Eingabegerät Herumstochernden einmal abgesehen). Auch die Festlegung von Höchstgrenzen für Barzahlung bei etwa 1000 Euro ist noch akzeptabel. Aber nur noch elektronisches Geld (verbunden mit einem Verbot, privat Gold zu besitzen), das geht gar nicht. Es ginge wohl auch technisch nicht, erstens hat nicht jeder ein Konto, zweitens würde die Gesamtzahl der Transaktionen gigantisch anschwellen, drittens könnte man nur noch lachen, wenn man das Wort «Sicherheitsstandard» hört, und viertens würde das nun ohne jede Übertreibung den «gläsernen Konsumenten» erzeugen.

Wenn es nun tatsächlich zu einem Verbot von Bargeld käme, würden die meisten Leute auf Ersatzgeld umsteigen. In der Nachkriegszeit waren das Zigaretten, die werden es allerdings in Zukunft wohl nicht sein können. Aber lokale oder regionale Pseudo-Währungen oder die Valuten eines Staates, der das Bargeld noch nicht abgeschafft hat, würden wohl sehr schnell in Umlauf kommen. Hinsichtlich der Schweiz hat man in Schweizer Zeitungen die Meinung gelesen, das Stimmvolk dort sei nicht so blöd, einer Abschaffung des Bargelds zuzustimmen, Geld sei «geprägte Freiheit». Woanders wählen sich die dümmsten Kälber nach wie vor den Metzger selber, und in Dänemark sollen angeblich ab 2016 einfach keine neuen Banknoten mehr gedruckt werden.

Die ÖVP nimmt die Sache immerhin ernst genug, um in ihrem neuen Grundsatzprogramm die Bekenntnis zum Bargeld festzuschreiben.


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