Der schwarze Prinz - The Dark Avenger / The Warriors

05.11.2015 Walter Gasperi

Zur Zeit des 100-jährigen Krieges (1337 - 1453) muss Prinz Edward von Wales nicht nur gegen widerständische französische Adelige kämpfen, sondern auch seine Geliebte Lady Joan vor den Feinden retten. Henry Levins Ritterfilm, der von Errol Flynn in der Hauptrolle über Degengefechte bis zu romantischer Liebe alles bietet, was zum Genre gehört, ist bei Koch Media auf DVD erschienen.


Die 1950er Jahre waren die Blütezeit des Ritterfilms. Mit Technicolor, Cinemascope und effektvollen Kampfszenen wollte man wie mit dem Monumentalfilm im Kino dem aufkommenden Fernsehen Paroli bieten. Auch Henry Levins Film über eine fiktive Episode im Leben des historischen Prinz Edward von Wales entstand in dieser Zeit, konkret 1955.

Mit Errol Flynn spielt DER Star der Piratenfilme der 1930er und 1940er Jahre die Hauptrolle, ist hier aber sichtlich gealtert, versprüht längst nicht mehr so viel Eleganz und Witz wie in Michael Curtiz´ legendärem «The Adventures of Robin Hood» (1938). Immer noch versteht er es den Frauen den Hof zu machen, sie für sich zu interessieren, doch wirkliche Leidenschaft im Spiel spürt man hier kaum.

Das muss man leider auch dem Regisseur vorwerfen. Routiniert inszeniert er zwar die Geschichte um den Prinzen, der für seinen Vater nach einem Sieg über die Franzosen Aquitanien verwalten soll, dabei aber im Graf de Ville (Peter Finch) einen entschiedenen Gegner findet, der die Engländer aus Frankreich vertreiben will, doch Originalität und Spritzigkeit sucht man vergebens.

Das Programm mit Degenkämpfen und Reitergefechten sowie einer romantischen Liebe wird heruntergespult, dazu kommt ein Spionageplot, wenn Edward als schwarzer Ritter verkleidet sich im Schloss von de Ville einschleicht, um seine entführte Geliebte Lady Joan (Joanne Dru) zu befreien.

Kurzweilig gestalten sich die 80 Minuten zwar, bieten flotte Unterhaltung, doch haften bleibt hier nichts, denn Levin vertieft keinen Aspekt, zeichnet keine differenzierteren Charaktere, entwickelt keine dichten Konflikte, sondern beschränkt sich auf einfache Handlungsführung und oberflächliche Schauwerte. Weder die Ausbeutung der Bauern durch die französischen Adeligen, der der Einsatz Edwards für die Unterdrückten gegenübergestellt wird, wird detaillierter ausgeleuchtet noch die persönlichen Differenzen zwischen Edward und einem Ritter de Villes.

An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene DVD die englische Originalfassung und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Zu den Extras gehören neben dem deutschen Kinotrailer und einer Bildergalerie ein Interview mit Christopher Lee, in dem es nicht speziell um diesen Film, in dem Lee – ohne in den Credits erwähnt zu werden – eine kleine Rolle in einem Wirtshaus spielt, sondern um seine schauspielerische Laufbahn insgesamt geht.



Trailer zu «Der schwarze Prinz - The Dark Avenger»

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