Wer braucht eine Landesgalerie?

11.05.2015 Kurt Bracharz

So war die Podiumsdiskussion neulich im vorarlberg museum zwar nicht betitelt, so hätte sie aber heißen können oder sollen. Die Antwort wäre dieselbe wie jene auf die Formulierung «Wer fordert eine Landesgalerie?»: Die Vorarlberger Künstlerinnen und Künstler der aktuellen Szene. Ob Angelika Kauffmann, Rudolf Wacker oder Edmund Kalb sich einer solchen Forderung angeschlossen hätten, kann man Jahrzehnte nach ihrem Tod naturgemäß nicht sagen.


Dass die lebenden Künstler plus ein paar Kuratoren gerne eine Landesgalerie hätten, kann man verstehen, auch wenn es ihnen wohl nicht primär um die Sichtbarkeit von Kalbs Werk, sondern eher um die des eigenen geht. Einen Minderwertigkeitskomplex hat bei ihnen bisher nur der KUB-Kurator Rudolf Sagmeister diagnostiziert, der das mit einem besonders feinen Instrument gemessen haben muss, denn dieses Phänomen ist sonst noch keinem aufgefallen – eher im Gegenteil. Aber Spott beiseite – klar wäre eine Landesgalerie für die, die darin ausgestellt werden, ein großer Vorteil gegenüber der aktuellen Situation.

Es müsste aber schon ein eigenes, am besten neues Gebäude sein, Verlegenheitslösungen wie ein oder zwei Stockwerke des vorarlberg museums oder ein Umbau des Postgebäudes oder des Palais Thurn & Taxis bringen es nicht. Zum Thema Neubau ließen die zuständigen Politiker vom Leiter des Landeskulturamts Winfried Nußbaummüller ausrichten, so etwas sei jedenfalls jetzt nicht finanzierbar. Damit war wieder einmal schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Die Kuratorinnen Ulrike Shepherd und Christine Lederer (diese auch Künstlerin & als solche Gfaders «rookie of the year» gewesen) forderten ohne besonders vertiefte Begründungen noch einmal eine Landesgalerie, und Wilhelm Meusburger als Präsident der Künstlervereinigung und Andreas Rudigier vom vm lieferten sich einen durchaus hörenswerten Schaukampf zur Frage, ob im vm Platz für eine solche Galerie vorhanden wäre oder nicht.

Rudigier sagte mehr als einmal, dass er von zeitgenössischer Kunst nichts verstünde – was offenbar als Ausflucht angesehen wurde, aber, wenn es den Tatsachen entspricht, ein gutes Argument dagegen wäre, Kunst unbedingt in seinem Haus präsentieren zu wollen. Aus dem Publikum gab es auch noch Stimmen von Künstler, Künstlerin und Kulturamtsleiter, aber interessanterweise fragte den ganzen Abend niemand, ob eigentlich die Kunstinteressierten – die reichlich erschienen waren und in Schweigen verharrten – eine Vorarlberger Landesgalerie brauchen und fordern. Vielleicht, weil jeder außerhalb der gegenwärtigen Vorarlberger Kunstszene dieselbe Vermutung hinsichtlich der Antwort auf diese Frage hat?

Beim Nachjassen in den Medien beklagten die eine, dass mit der Diskussion «eine alte Wunde neu aufgerissen» worden sei, und der andere, dass Rudigier und Nussbaumer «nicht wirklich Position bezogen» hätten. Niemand erwähnte, dass sich alle Diskutanten immerhin in einem Punkt einig waren, nämlich in der Ablehnung der Kulturberichterstattung der VN. Das ist doch auch ein bisserl ein Ergebnis, jedenfalls ein besseres als der gütige Rat, «Fokussieren (...) würde auch einem Museumsdirektor nicht schaden», er solle mal sein Sammlungsdepot durchforsten, «keine Angst, Kunst beißt nicht!» Das dürfte zwar für die eingelagerte Kunst ganz besonders zutreffen, aber so war es von der Ratgeberin nicht gemeint.


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