Vegan, nein danke!

04.05.2015 Kurt Bracharz

Drei Autoren stehen auf dem Titel des Buches «Don’t Go Veggie!», der bekannteste davon ist der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, der zusammen mit Co-Autoren schon eine ganze Reihe von Büchern verfasst hat, in denen er gegen die ständig wechselnden Theorien und daraus abgeleiteten Empfehlungen der sogenannten Ernährungswissenschaft anschreibt.


Georg Keckl ist ein niedersächsischer Agrarstatistiker mit Spezialgebiet Milchwirtschaft, Klaus Alfs ein Sozialwissenschaftler und gelernter Landwirt. Der polemische Stil des Buches, der sich schon im Untertitel «75 Fakten zum vegetarischen Wahn» zeigt, dürfte auf Pollmers Konto gehen.

Der Veganismus hat zwar etwas Pseudoreligiöses an sich, das ihn gegen rationale Argumente immunisiert, aber «normales» Vegetariertum beruht eher auf diffusen Meinungen und Vorurteilen, die man diskutieren kann. Wer kein Fleisch isst, weil er glaubt, der menschliche Verdauungsapparat sei für Pflanzennahrung eingerichtet, wird vielleicht seine Meinung ändern, wenn er sich mit naturwissenschaftlicher Literatur – also biologischen und medizinischen Werken – auseinandersetzt. Wer aber allen Ernstes glaubt, dass alle Tiere dieselben Rechte wie Menschen haben sollten, ist wohl keinen vernünftigen Argumenten zugänglich, auch wenn Pollmer solche Einfalt nicht gleich «Wahn» nennen müsste.

Das Buch ist durchaus lesenswert, vor allem jene Abschnitte, in denen sich die Autoren mit den mittlerweile durch die Medien immer wieder verbreiteten Fehlrechnungen auseinandersetzen, also beispielsweise der schon x-mal gelesenen Behauptung, aus 16 kg Korn werde 1 kg Rindfleisch, oder die unsinnigen Zahlen über den angeblichen Wasserverbrauch (15.000 Liter Wasser für 1 kg Rindfleisch).

Interessant sind auch die Gegenrechnungen, wie viel Fleisch etwa für Haustiere verbraucht wird (wenn nicht Hunde und Katzen von Veganern mit Pflanzenkost gequält werden), oder dass die 3,4 Milliarden Hektar, die mehr als zwei Drittel der weltweit insgesamt 5 Milliarden Hektar Agrarland ausmachen, zwar tatsächlich der Produktion tierischer Lebensmittel dienen, aber zum größten Teil aus klimatischen Gründen für jeden Ackerbau ungeeignetes Dauerweideland sind – also keineswegs für einen Futtermittelanbau zu Ungunsten der pflanzlichen Lebensmittelproduktion verwendet werden, wie der übliche Vorwurf lautet.

Als eine Dreistigkeit wird der Bestseller der Veganer-Szene «China Study – die wissenschaftliche Begründung einer veganen Lebensweise» von 2013 bezeichnet, in dem China als ein Musterland veganer Ernährung hingestellt wird – ausgerechnet China, in dem seit je her die Menschen aus Armut alles gegessen haben, was sie auftreiben konnten.

Einer der Autoren dieses neuen Buches hatte an einer Studie teilgenommen, deren Ergebnisse 1990 unter dem Titel «Diet, Life-style and Mortality in China» veröffentlicht wurden. Das war ein 900 Seiten starker Band , ein Teil davon auf Chinesisch verfasst, «der überwiegende Rest auf Fachchinesisch» (Pollmer), der mittlerweile schwer aufzutreiben sein dürfte. «China Study» tut nun so, als referiere es den Inhalt jenes Werkes, während Pollmer schreibt, es täten sich Abgründe auf, wenn man die Bücher vergleiche: «Die Originalstudie widerlegt die Behauptungen des veganen Bestsellers gnadenlos in allen Punkten.»

Veganer werden allerdings «Don’t Go Veggie!» nicht einmal mit der Feuerzange anfassen. Aber allen Vegetariern, die guten Willens sind, kann die Lektüre empfohlen werden.


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