Lass es gut sein!

29.04.2015 Rosemarie Schmitt

Sie irritierte mich bereits beim Betrachten, diese just erschienene CD. Kronthaler? Das könnte ein volksmusikalisches Ensemble sein. Der Titel jedoch, «the living loving maid», ist angelehnt an einen Song der Rock-Band Led Zeppelin. Die Besetzung: Eine Mezzosopranistin, eine E-Gitarre und ein Kontrabass. Die zwölf Tracks der Aufnahme wurden komponiert von den Meistern des Barock: Monteverdi, Purcell, Frescobaldi, Händel und Cavalieri. Also stellte ich mich darauf ein empört zu sein, ob einer Verschandelung der von mir geliebten Barockarien, ob einer weiteren unsäglichen Cross-Over-Produktion.


Doch jene Empörung wollte nicht eintreten. Das Ensemble Kronthaler weckte mein Interesse bereits nach den ersten Takten und entließ mich nach diesem Dutzend Arien begeistert, berührt und Respekt zollend. Theresa Kronthaler (Gesang), Kalle Kalima (E-Gitarre) und Oliver Potratz (E- und Kontra-Bass) trauen sich was! Sicher, jede Arie, wird sie aus ihrer Oper heraus genommen und solo präsentiert, bekommt einen neuen Kontext. In diesem Falle mehr als das! Es muss den Arien eine Befreiung gewesen sein.

In einem Pressetext zu «the living loving maiden» (SONY Classical) las ich, es träfen auf diesem Album immer wieder musikalische Welten aufeinander. Dem vermag ich nicht zuzustimmen, denn für mich öffnet diese Musik ein Tor zu einer weiteren, einer neuen musikalischen Welt. Sicher, wir kennen die Elemente, aus denen jenes Neue entstand, wir kennen die Rock und auch die BaRock-Musik. In dieser Konstelation, dieser Instrumentierung und Interpretation ergeben sie doch etwas Neues, Einmaliges. Nur wer die Form beherrscht, darf mit ihr spielen! Die Kronthaler dürfen es, ohne Zweifel!

Die drei Led-Zeppelin-Fans überschreiten die Grenzen, sind in Ihrer Musikalität grenzenlos und erfüllen mir einen Wunsch, den ich wöchentlich gen Himmel schicke: Lass es bitte etwas Neues, etwas Unerhörtes, noch niemals Gehörtes sein! Lass es gut sein! Und es geschah!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

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