Lolita bei den Grünen

13.04.2015 Kurt Bracharz

Im Göttinger Verlag Vandenhoeck und Ruprecht ist ein Buch über «Die Grünen und die Pädosexualität» erschienen, das auf einer Untersuchung beruht, welche die im Titel gemeinten deutschen Grünen selbst in Auftrag gegeben haben.


Nachdem schon seit einigen Jahren in Zeitungsartikeln und Leserbriefen immer wieder grüne Politiker wie Daniel Cohn-Bendit als Kinderschänder hingestellt worden waren und im Wahlkampf 2013 offiziell die Frage gestellt wurde, ob und in welchem Umfang die deutschen Grünen in den 1980er Jahren die Forderung von Päderasten nach Straffreiheit für sexuelle Handlungen an Kindern ins Parteiprogramm aufgenommen hatten, wollte man reinen Tisch machen.

Die Studie zur Akzeptanz pädophiler Forderungen in der Gründungszeit der Grünen Partei wurde von Mitarbeitern des Göttinger Instituts für Demokratieforschung erstellt, das Buch von Franz Walter, Stephan Klecha und Alexander Hensel herausgegeben. «Die Grünen und die Pädosexualität» liefert eine Sittengeschichte der drei Jahrzehnte von 1960 bis 1990. Sehr vereinfacht gesagt, kamen die Forderungen der Pädophilen mit der sexuellen Liberalisierung und der «Antipädagogik» der Sechzigerjahre auf, konnten im moralischen Klima der Siebzigerjahre zumindest in «progressiven» Zirkeln ernsthaft diskutiert werden und wurden erst in den Achtzigern vom Feminismus zurückgedrängt, der in den Motiven der männerbündischen Pädophilenvereinigungen primär die Ausübung maskuliner Macht an wehrlosen Opfern sah.

Zwei damals sehr bekannte Sexualwissenschaftler traten immer wieder für die Straffreiheit «freiwilliger» und «gewaltloser» Sexualkontake mit Kindern ein: Ernest Bornemann und Helmut Kentler. In der Wikipedia findet man über Bornemann (1915 – 1995), der ab 1970 in Oberösterreich wohnte und an der Salzburger Universität gut besuchte Vorlesungen hielt, kein Wort zu diesem Thema, nur in der Bibliographie sind seine einschlägigen Bücher wie «Reifungsphasen der Kindheit» (1981) und «Das Geschlechtsleben des Kindes» (1985) aufgezählt.

Helmut Kentler (1928 – 2008) wollte ursprünglich Pfarrer werden, studierte dann aber Psychologie. Der bekennende Homosexuelle war Jahrzehnte lang in der Jugendarbeit, in der Sozialpädagogik und in der Erwachsenenbildung tätig. 1999 erklärte er zu den nahezu 30 Missbrauchsfällen, in denen er als Gutachter zu Freisprüchen beigetragen hatte: «Ich habe […] in der überwiegenden Mehrheit die Erfahrung gemacht, dass sich päderastische Verhältnisse sehr positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Jungen auswirken können, vor allem dann, wenn der Päderast ein regelrechter Mentor des Jungen ist.» Man erkennt das altgriechische Klischee von Erastes und Ermomenos darin wieder.

Sowohl Bornemann als auch Kentler beriefen sich auf Wilhelm Reich und glaubten zweifellos an die Seriosität ihrer eigenen Theorien. Der Umschwung kam erst mit Autoren wie dem Soziologen Gerhard Amendt, der 2010 formulierte: «Im Hinblick auf die Interessen der Kinder aber ist die Unterscheidung zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit gänzlich unerheblich. Jede Form der Pädophilie überschreitet die Grenze zwischen Erwachsenen und Kindern.»

Diese Grenze verschiebt sich zwar momentan, weil die westliche Gesellschaft in mancher Hinsicht zunehmend infantiler wird, aber der Bereich der kindlichen Sexualität kann davon nicht betroffen sein: Da müssen die Kinder unter sich bleiben. Ein Erwachsener kann für eine Lolita immer nur ein Humbert Humbert sein.


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