Crossing Europe Filmfestival Linz 2015: Sechs Tage – 160 Filme

23.04.2015 Walter Gasperi

23.04.2015 bis 28.04.2015  

Vom 23. bis 28. April steht Linz auch heuer wieder im Zeichen des Films. Die Fokussierung auf dem jungen europäischen Autorenfilm verspricht auch bei der zwölften Auflage von Crossing Europe spannende Entdeckungen, gepflegt wird in der Schiene «Local Artists» aber auch wieder das lokale Filmschaffen und willkommenes Kontrastprogramm versprechen aktuelle europäische Horrorfilme in der «Nachtsicht».


Wie gewohnt wird das Linzer Filmfestival Crossing Europe nicht mit einem sondern parallel mit mehreren Filmen eröffnet, die schon Lust auf die unterschiedlichen Sektionen wecken sollen. Das «European Panorama» wird mit dem Dokumentarfilm «The Visit» gestartet, in dem Michael Madsen ausgehend von der potenziellen Begegnung der Menschheit mit intelligentem Leben aus dem All über unsere Gesellschaft und das Mensch-Sein an sich reflektiert.

Türkische Migrantinnen der ersten Stunde stehen dagegen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms «Evdeki Ses – 22 m² Österreich», in dem Ufuk Serbest drei Frauen über ihr Ankommen in Oberösterreich vor rund 40 Jahren und die darauffolgenden Jahre erzählen lässt. Wie dieser Film feiert auch Barbara Windtners «Auf der Suche nach Isolde» im Rahmen der Eröffnung von Crossing Europe seine Weltpremiere. Windtner, deren Film ebenso wie «Evdeki Ses – 22 m² Österreich» in der Schiene «Local Artists» läuft, begibt sich in ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm gemeinsam mit der Tänzerin Ulrike Hager auf die Suche nach Isolde Klietmann, die in der Zwischenkriegszeit in Linz eine Tanzpionierin war.

Der heurige Tribute wiederum, der dem Ukrainer Sergei Loznitsa gewidmet ist, wird mit dessen Spielfilmdebüt «Schaste moe – My Joy» (2010) eröffnet. Losnitsa, der vom Dokumentarfilm kommt, nimmt den Zuschauer darin mit einem Fernfahrer mit auf eine Reise durch ein postsowjetisches Russland, in dem die Menschen verlernt haben, menschlich zu sein. Die Schiene «Nachtsicht» schließlich wird mit «Welp / Cub» gestartet, in dem der junge belgische Regisseur Jonas Govaerts eine Handvoll Pfadfinder auf einen Ausflug in einen unheimlich anmutenden Wald schickt.

Im Wettbewerb um den mit 10.000 Euro dotierten Crossing Europe Award konkurrieren zehn erste und ein zweiter Spielfilm. Osteuropa ist hier mit Produktionen aus Rumänien, Bulgarien, Georgien, Bulgarien und Serbien gleich fünfmal vertreten. Mit der Empfehlung des Max-Ophüls-Preises kommt das mitreißende Schweizer Jugenddrama «Chrieg» nach Linz. Mit großem Drive und kraftvoll erzählt Simon Jaquemet darin, wie eine Gruppe Jugendlicher, die eigentlich auf einer Alp zwecks Resozialisierung ist, die Herrschaft übernimmt und ihrer Wut gegenüber der Gesellschaft in Beutezügen in die Stadt Ausdruck verleiht.

Mit Stefan Butzmühlens «Lichtes Meer» findet sich auch eine Weltpremiere im Wettbewerb. Zudem ist Deutschland mit Annna Sofie Hartmanns «Limbo» vertreten, der schon beim Filmfestival von San Sebastian lief. Spärlich gesät sind dagegen heuer in dieser Programmschiene die Beiträge aus anderen Regionen Europas, finden sich außer den Filmen aus Osteuropa und den deutschsprachigen Ländern doch nur noch der britische «Hide and Seek» (Joanna Coates) und der niederländische «Tussen 10 en 12» (Peter Hoogendoorn) im Wettbewerb.

Dafür ist Frankreich im Dokumentarfilmwettbewerb mit «Brûle la mer» (Maki Berchache / Nathalie Nambot), «Letters to Max» (Eric Baudelaire) und der deutschen Koproduktion «No Land´s Song» (Ayat Najafi) zweieinhalb mal vertreten. Wiederkehrendes Thema unter den neun Produktionen in dieser Programmschiene ist die Auseinandersetzung mit Migration und Flucht, aber auch Familiengeschichten («Cartas a María», Maite Garcá Ribot; «Stále Spolu», Eva Tomanová) sowie der Blick auf den Mikrokosmos einer Stammtischrunde in einem süditalienischen Dorf («Padrone e sotto», Michele Cirigliano) fehlen hier nicht.

Erstaunlich viele Regiegrößen finden sich im «European Panorama». Der Bogen spannt sich hier von Cédric Kahns «Vie sauvage» über Bertrand Taverniers «Quai d´Orsay» bis zu Andri Konchalovskys «The Postman´s White Nights». Doch auch Entdeckungen wie Syllas Tzoumerkas «A Blast» oder Andrea Stakas sperrigen «Cure – The Life of Another» kann man hier machen.

Wie schon in den letzten Jahren gibt es auch heuer wieder eine Sektion zum Thema «europäische Arbeitswelten», während unter dem Titel «Gimme Shelter!» in fünf Filmen Blicke auf europäische Wohnverhältnisse geworfen werden. Die Sparte «Local Artists» bietet wieder eine Plattform fürs regionale Filmschaffen und im Tribute wird das gesamte Werk des Ukrainers Sergei Loznitsa vorgestellt.

Kontrastprogramm zu diesen Programmschienen, in denen das sozial engagierte Kino dominieren wird, bietet wie gewohnt die wiederum vom Filmjournalisten und Festivalmacher Markus Keuschnigg kuratierte «Nachtsicht», in deren Rahmen fünf neue europäische Horrorfilme gezeigt werden. Bis in den frühen Morgen ausklingen lassen, kann man die Festivaltage schließlich jeweils bei der «Nightline», bei der ein vielfältiges Musikprogramm geboten wird.

Crossing-Europe-Trailer 2015

  • The Visit (Michael Madsen) (c) Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion
  • Evdeki Ses - 22m² Österreich (Ufuk Serbest) (c) Peligro
  • Schaste Moe - My Joy (Sergei Loznitsa) (c) ma.ja.de
  • Welp (Jonas Govaerts) (c) Kinology
  • Autoportretul unei fete cuminti (Ana Lungu)
  • Chrieg (Simon Jaquemet) (c) Crossing Europe
  • Quai d´orsay (Bertrand Tavernier) (c) Crossing Europe
  • The Postman´s White Nights (Andrei Konchalovsky) (c) Crossing Europe
  • Hubert von Goisern - Benna tuat´s schon lang (Marcus H. Rosenmüller) (c) Crossing Europe

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