Chininlieferant Lepratraube

09.03.2015 Kurt Bracharz

Im Chinesischen werden alle Kürbisgewächse von der Melone bis zur Salatgurke als «gua» bezeichnet. Die Bittergurke oder Karella heißt deshalb «ku gua», der wissenschaftliche Name lautet Momordica charantia, als deutsche Synonyme gibt es «Balsambirne» und das merkwürdige Wort «Lepratraube». In Nord- und Südamerika wird sie wegen ihrer dem Weinlaub ähnlichen Blättern als Zierpflanze geschätzt, in Asien wird sie lieber verzehrt.


In China gibt es drei Sorten Bittergurken, die sich in der Form unterscheiden, aber alle eine warzige Haut haben. Die unreife Frucht ist dunkelgrün, von fester Konsistenz und bitterem Geschmack, beim Reifen wird sie gelbgrün bis orange, weich und bitter-süß. Bittergurken schmccken nur vor der Vollreife, in gelbgrünem Zustand und noch nicht aufgeplatzt. Es gibt auch eine weiße Varietät, die aber insgesamt wenig Geschmack aufweist und kulinarisch nicht geschätzt wird.

Der bittere Geschmack ist auf den Chiningehalt der Bittergurken zurückzuführen, man kann ihn durch Blanchieren vermindern, aber in der Traditionellen Chinesischen Medizin gilt die Karella ihrer Bitterkeit wegen als kühlend, blutreinigend, allgemein stärkend und das Yang unterstützend. Das Chinin in den Bittergurken könnte gegen Malaria wirken. In Indien wurden die Blätter gegen Augenentzündungen von Elefanten eingesetzt.

In der Küche wird die ausgehöhlte Bittergurke mit Shrimps, Schweinehackfleisch und schwarzen Bohnen gefüllt und dann im Wok erst angebraten und danach in einer Soja-Reisweinsauce kurz gedämpft. Zusammen mit Schweinefleisch ist eine Scheibe Bittergurke auch eine typische Dim Sum-Füllung. Getrocknete Bittergurke wird in Vietnam als Tee zum Abnehmen verkauft. In Indien und Sri Lanka legt man die Gurken ein, in Indonesien werden sie roh im Salat gegessen. Auch die jungen Triebe und Blätter kann man, als Spinat zubereitet, essen. In Konserven werden Bittergurken allerdings zu weich.

In Kanton heißt die Bittergurke fu gua oder mo gua, in Indien karela, in Indonesien pare oder peria, auf den Philippinen ampalaya, auf Englisch balsam pear, bitter cucumber oder bitter gourd. Die Bittergurke müsste eigentlich die ideale Gurkenscheibe für den Hendrick’s Gin mit Tonic liefern können; probiert haben wir das allerdings noch nicht.


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